Winterthur

Zwei staatskritische Gemeinderäte setzen auf die Blockchain

Die zwei Winterthurer Politiker Marc Wäckerlin und Simon Büchi wollen mit einer Krypto-Währungs-App die Vereinsgründung erleichtern.

Büchi und Wäckerlin gegen das Papiergeld: Screenshot von der Pacta-Website. Foto: PD

Büchi und Wäckerlin gegen das Papiergeld: Screenshot von der Pacta-Website. Foto: PD

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Es ist ein bemerkenswertes Start-up, das vor einigen Monaten in Winterthur gegründet wurde. Dies nicht nur wegen des Geschäftszwecks von Pacta, sondern auch wegen der Gründer.

Zusammengetan haben sich die beiden Winterthurer Gemeinderäte Simon Büchi und Marc Wäckerlin. Der SVP-Präsident und der einzige Piratenpolitiker im Rat sitzen im Stadtparlament schon länger in der gleichen Fraktion. Nicht während des Ratsbetriebs, sondern an einer Start-up-Night hatten sie die zündende Idee.

Gründung eines Vereins soll «massiv einfacher» werden

Mit Pacta nehmen sich Büchi und Wäckerlin ein tief schweizerisches Thema vor: den Verein. Sie wollen vor allem die Gründung eines Vereins «massiv erleichtern». Heute sei der Aufwand viel zu gross, finden sie. «Wer einen Verein gründen will, braucht eine Versammlung, ein Protokoll, muss Statuten aufsetzen und ein Postkonto eröffnen, das wird mit Pacta viel simpler», sagt Marc Wäckerlin auf Anfrage des «Landboten».

Bei Pacta sollen Nutzer über eine App einen Verein gründen können. Mit wenigen Klicks wickelt man neue Mitgliedschaften, Geldüberweisungen, Wahlen und Abstimmungen oder auch die Buchführung ab – so die Idee. Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Entwicklungsphase, eine Website steht bereits.

Ein Prozent der Zahlungen geht an die Gründer

Die Technologie dahinter heisst Blockchain. Vereinfacht gesagt geht es darum, Informationen oder auch digitales Geld zwischen verschiedenen Personen zu bewegen, ohne dass es dafür eine zentrale Datenbank bräuchte. Die App Pacta funktioniert denn auch nicht mit Schweizer Franken, sondern mit der Kryptowährung Ethereum.

Das Problem dabei: Die rechtlichen Grundlagen für die Gründung eines Vereins, der häufigsten Gesellschaftsform des Landes, sind gründlich ausgearbeitet. Wird ein digitaler Verein überhaupt juristisch anerkannt? «Wir implementieren den Verein so, dass es dem Gesetzestext entspricht, und wir planen den Beizug eines Juristen», sagt Wäckerlin.

Man habe bereits Vorgespräche geführt. Wäckerlin und Büchi wollen keine Registrierungsgebühren verlangen, stattdessen fliesst ein Prozent aller Einzahlungen an den Verein direkt an die Pacta-Gründer. «Das ist sehr bescheiden», sagt Wäckerlin. «Andere Onlineplattformen verlangen klar mehr Transaktionsgebühren.» Mit Pacta erhoffen sich die unternehmerischen Politiker primär ein funktionierendes Geschäft und natürlich auch einen finanziellen Gewinn, die App entspricht aber auch ihrer politischen Philosophie.

«Wir sind beide staatskritisch», sagt Wäckerlin. «Wenn man also staatliche Regulierungsvorgaben anders umsetzen kann, dann ist das positiv. Grundsätzlich stehen ja auch die Kryptowährungen an sich schon in Konkurrenz zum staatlichen Geldsystem.»

Büchi: «Bin libertärer als die meisten bei der SVP»

Simon Büchi pflichtet dem bei: «Ich bin libertär eingestellt, libertärer als die Mehrheit in der SVP», sagt er. «Bei Pacta geht es primär um ein Geschäftsmodell. Wenn die Blockchain-Technologie aber dereinst staatliche Monopole wie jenes der Zentralbanken brechen kann, dann habe ich nichts dagegen.»

Büchi, der über einen Marketing-Master von der Hochschule St. Gallen verfügt, beschäftigt sich seit Jahren mit Kryptowährungen und der Blockchain. Laut seinem Linkedin-Profil war er von 2014 bis 2017 selbstständig tätig, gründete dann eine Blockchain-Beratungsfirma und ist seit letztem Monat Partner der Firma Blockchain Innovation Group AG, die im Zuger «Krypto-Valley» eingetragen ist. «Ich bin Consultant für Firmen, gebe aber auch Einführungskurse zu Kryptowährungen», sagt Büchi.

Noch immer werde rund um das Thema viel «Unsinn» erzählt, sagt Büchi. «Aber selbst Ueli Maurer sagt, die Blockchain habe eine Zukunft.» Büchi nimmt damit Bezug auf einen Auftritt des Bundesrats vor der Finanztechnologie-Szene im Zuger «Krypto-Valley» im März.

Marc Wäckerlin, der an der ETH studiert hat, arbeitet seit Jahrzehnten als Informatiker. Das Wissen rund um die Blockchain habe er sich selbst angeeignet, sagt er. Pacta soll, wenn alles klappt, bereits in wenigen Monaten in Betrieb gehen.

Erstellt: 26.06.2019, 23:13 Uhr

Simon Büchi (SVP).

Marc Wäckerlin (Piraten).

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