Winterthur

Zwei von drei Französischen Bulldoggen kommen per Kaiserschnitt zur Welt

Die Französische Bulldogge ist in Mode. Da macht Winterthur keine Ausnahme. Die Population hat sich in zehn Jahren mehr als verzehnfacht. Doch die Rasse ist überzüchtet. Viele Hunde müssen operiert oder mit Medikamenten behandelt werden.

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Ein Hund ist keine Gucci-Tasche. Man kauft ihn nicht, weil sich ­irgendwo auf der Welt eine Berühmtheit damit hat ablichten lassen, sondern um einen Gefährten für einen Lebensabschnitt zu finden. Was für jeden Tierfreund wie selbstverständlich klingt, gilt aber längst nicht universal, wie aus den Statistiken hervorgeht.

Das zeigt sich deutlich am Schicksal der Französischen Bulldogge. Allein im Kanton Zürich ist deren Population von 2009 bis 2017 von 246 auf fast 1400 angewachsen. In Winterthur vervielfachte sich der Bestand in gleichen Zeitraum sogar noch deutlicher: von 5 auf 73.

Die erste Wahl der Stars

Der bullige kleine Hund mit den grossen Ohren ist bei den Stars weltweit derzeit mit die erste Wahl. Zu den Celebrities mit Französischen Bulldoggen zählen etwa Fussballer David Beckham, Sängerin Lady Gaga, Schauspielerin Reese Witherspoon, Model Gigi Hadid und der Rapper und Produzent Snoop Dogg. Sein Hund hat sogar einen eigenen ­Instagram-Account.

Ladies ladies there's enough of me to go around

Ein Beitrag geteilt von Juelz (@juelzbroadus) am

«Juelz» steht seinem berühmten Besitzer in nichts nach. Der Rapper machte seinen Schosshund selbst zum Star. Auf instagram hat der Hund fast 50'000 Follower.

Dagegen wäre eigentlich nichts einzuwenden. Die Hunderasse hat ein «freundliches Wesen und einen ausgesprochen lustigen Charakter», wie Roman Inauen, Tierarzt in Pfungen, sagt. Weniger bekannt ist, dass sie mit Fokus auf das Erscheinungsbild gezüchtet wurde und dabei die Gesundheit aus dem Blick geriet. «Die Züchter haben gemäss Kindchenschema auf einen grossen Kopf und grosse Augen selektiert», sagt Inauen. Somit gehören heute der grosse, runde Kopf und die kurze Nase zum Rassestandard.

Viele Tiere können deshalb schlecht atmen. In manchen Fällen sei die Luftröhre viel zu klein, «sodass sich die Tiere fühlen, als würden sie durch einen Strohhalm atmen müssen». Der kurze Kopf führe dazu, dass die Hunde weniger Luft pro Zeit­einheit aufnehmen könnten. «Sie können so ihren Wärmehaushalt schlecht regulieren, weil sie Körperwärme ja durch Hecheln abgeben.» Durch das viele Hecheln und Nach-Luft-Ringen schluckten die Tiere viel Luft und hätten darum häufiger Blähungen.

«Es wurde gemäss Kindchenschema auf einen grossen Kopf und grosse Augen selektiert.»Roman Inauen,
Tierarzt

Doch das Atmen ist nicht das Einzige, was den Französischen Bulldoggen das Leben schwer macht. Wegen der verformten Wirbelsäule haben die Hundeoft Bandscheibenprobleme, und weil sie allergisch auf Futter­mittel und überempfindlich auf Umweltallergene sind, treten Hautprobleme auf.

Der wohl augenfälligste Beleg für die Überzüchtung ist jedoch, dass Französische Bulldoggen wegen ihrer auf Grösse gezüch­teten Köpfe selten natürlich zur Welt kommen. «Der Geburts­kanal ist für die meisten Welpen zu klein respektive ihr Kopf zu gross.» Kaiserschnittraten von 70 Prozent und mehr sind die Regel.

Damit sich das ändere, seiein Umdenken von allen Seiten nötig, sagt Inauen. Allen voranbei den Züchtern, die begreifen müssten, dass die Tiere litten. «Der Rassestandard muss angepasst werden, und geeignete Tiere müssen für die Zucht ausgewählt werden.» Was Fehlstellungen der Hüft- und Ellbogengelenke betreffe, hätten andere Rassen bereits solche strengen Richtlinien.

Ebenso wichtig sei das Um­denken bei den Käufern, sagt Inauen. «Solange solche Hunde mit extrem kurzen Nasen und sehr grossen Kopfformen gewünscht sind, gibt es auch Züchter dafür.» Viele Käufer seien schlecht informiert. «Ihnen ist oft nicht klar, welche Kosten potenziell auf sie zukommen.»

Mit Medikamenten und chirurgischen Eingriffen kann das Leben betroffener Hunde erleichtert werden. «Wenn man das Tier einmal besitzt und lieb gewonnen hat, ist man logischerweise nicht mehr bereit, es wieder herzugeben.»

Kaum mehr kupierte Hunde

Erfolgreich ist laut Inauen das ­Kupierverbot, das seit 1981 für die Ohren und seit 1997 für die Rute gilt. Er sehe nur noch selten kupierte Hunde, sagt der Tierarzt. Ob eine Rute kupiert wurde oder ob es sich um eine angeborene Stummelrute handelt, könne aber nur durch Röntgen bestimmt ­werden.

In der Schweiz geborene Hunde würden nur aus medizinischen Gründen kupiert. Eine verdrehte Rute beispielsweise kann zu Entzündungen in der Hautfalte führen. Bei der Französischen Bulldogge ist die Kurzrute angeboren, und die Stehohren sind Rassestandard.

Welcher Schosshund ist der beliebteste im ganzen Winti-Land?

Wie sich die Hundepopulation von Kleinhunden in Winterthur entwickelt. (Für eine vergrösserte Ansicht hier klicken). (Der Landbote)

Erstellt: 27.02.2018, 18:39 Uhr

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