Winterthur

Das Al Giardino gibt ein Comeback

Nach dem Wirtewechsel im Januar schafft das Al Giardino den Sprung zurück in den Gastroführer «Gault Millau». Auch sonst konnte die Gastronomie in der Stadt und Region etwas zulegen. Was (noch) fehlt, ist ein Ausnahmetalent.

Das Restaurant «Al Giardino» schafft es neu in den Gastroführer «Gault Millau»

Das Restaurant «Al Giardino» schafft es neu in den Gastroführer «Gault Millau» Bild: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es schmeckt einem, oder es schmeckt einem nicht. Diesen Vorbehalt muss man machen, wenn in der Gastronomie von ­Experten Noten verteilt werden. Denn wer lässt sich schon gerne sagen, dass sein Lieblingslokal oder Lieblingsgericht nichts taugt? Eben. Diesen Einwand vorweggeschickt, lohnt sich ein Blick in den Gastroführer «Gault Millau» durchaus, der in seiner neuen Version gestern vor­gestellt wurde.

Die Fakten in aller Kürze: In der Stadt Winterthur zeichnet der Führer sechs Betriebe aus. Das Rössli mit 13 von 20 Punkten (unverändert) und mit ebenso vielen den Strauss (+1); mit 14 Punkten das Taggenberg, das Bloom, das Fritz Lambada (alle unverändert) sowie das Al Giardino (neu).

Umfrage

Der eben erschienene Gastroführer «Gault Millau» zeichnet sechs Winterthurer Restaurants aus, die zu den besten des Landes gehören sollen. Achten Sie beim Ausgehen auf solche Wertungen?

Ja, wenn ich auswärts essen gehe, dann nicht irgendwo. Gastroführer bieten eine gute Orientierung.

 
18.8%

Nein, ich verlasse mich auf mein Gefühl - und meine gute Nase.

 
58.0%

Am besten schmeckts eh zu Hause.

 
23.2%

112 Stimmen


In der näheren Region bleibt die Gastrolandkarte fast unverändert. Einzige Änderung: Das First in Ottikon bei Kemptthal verbessert sich um einen auf 14 Punkte. Der Sternen in Pfungen (13), der Augarten in Rheinau (14), der Hirschen in Oberstammheim (13) und die Traube in Ottikon (15) erhielten die Vorjahreswertungen.

Alles Mittelfeld oder was?

Laut «Gault Millau» stehen 13 und 14 Punkte für eine «Küche, die mehr als das Alltägliche bietet», mit anderen Worten: Hier wird im gepflegten Mittelfeld ­gekocht, aber nicht auf Spitzenniveau. Damit bestätigt der Führer einen Eindruck, den man in Winterthur schon länger gewinnen konnte: Es fehlt nicht an Qualität und Breite in der hiesigen Gastronomie, was fehlt, ist eher das Spektakel.

«Es gibt zurzeit keine Ausreisser nach oben», konstatiert denn auch Karl Fatzer, der Präsident des Branchenverbandes Gastro Winterthur. Er wertet das Ergebnis von «Gault Millau» aber positiv, auch weil es viele Betriebe mit Potenzial und mehrere Hoffnungsträger gebe, auch solche, die derzeit nicht in der Liste erscheinen.

Diese Restaurants aus der Stadt Winterthur und der Region schafften es in den Gastroführer «Gault Millau». Karte: Google MyMaps/far

Hoffnungsträger 1
Als eine Zukunftshoffnung gelten darf mit Sicherheit das Al Giardino, das nach jahrelanger Abwesenheit wieder den Sprung in den Gastroführer geschafft hat, und das mit 14 Punkten mit mehr als einer soliden Einstiegsnote. Verantwortlich für den Erfolg ist ­Roland König. Seit dem 1. Januar pachtet der 35-Jährige das Lokal vom Unternehmer und Architekten Giovanni Cerfeda, für den er von 2011 bis 2013 als Küchenchef an selber Stelle tätig war.

«Für uns sind die 14 Punkte eine zusätzliche Motivation», sagt König. Den Fokus der Küche hat er nach der Betriebsübernahme auf saisonale Zutaten verschoben. Die Karte ist kurz, soll aber jedem ­etwas bieten. «Wir haben ein Grundgerüst mit Klassikern wie Cordon bleu, Rindsfilet oder Kalbsgeschnetzeltem», erklärt er sein Konzept. Auf der anderen Seite wolle er auch etwas Spezielles bieten, das regelmässig wechselt. «Zum Beispiel gibt es ab morgen ein Hirsch-Ossobuco.» König operiert preislich im Mittelfeld seiner Klasse, bietet aber etwas grössere Portionen. Auch das sei ein Grund für die positive Entwicklung, ist er überzeugt.

Hoffnungsträger 2
Hohe Lage, hohe Ambitionen: Wenn ein Lokal in Winterthur zuletzt sinnbildlich für gastro­nomische Ambitionen stand, dann das Fritz Lambada im Roten Turm. Dass das Lokal mit 14 Punkten im «Gault Millau»-Führer nun auf Vorjahresniveau verharrt, könnte als Niederlage gewertet werden. Doch eigentlich ist es im Gegenteil ein Erfolg.

Nach dem Abgang von Küchenchef Simon Schneeberger übernahm der noch nicht einmal 30-jährige Souschef Michael Dober die Küche. Auch im Service gab es einen namhaften Wechsel, und dann blieb das Lokal wegen der Liftsanierung im Hochhaus Roter Turm im Sommer wochenlang geschlossen. «Dass es Michael Dober in dieser Situation geschafft hat, die Küche auf dem bisherigen Niveau zu halten, dafür kann man ihm nur gratu­lieren», sagt Geschäftsführer ­Samuel Frey. Und er erklärt: «Michael Dober hat auf jeden Fall noch Luft nach oben.»

Die Punkte stünden nicht im Vordergrund, relativiert Frey postwendend. «Aber wenn man wie wir Experimente macht und auch einmal aneckt, braucht man ein überregionales Publikum. So gesehen helfen einem die Punkte, an denen sich die Leute orientieren können.»

Hoffnungsträger 3
Glaubt man dem Gastropräsidenten Fatzer, so gibt es eine grosse Zahl von Betrieben, die trotz ­guter oder sehr guter Küche im Führer unerwähnt blieben – das Trübli zum Beispiel oder den Sporrer. Und es gebe darunter auch solche, die in ein paar ­Jahren aus dem guten Mittelfeld her­ausstechen könnten. Fatzer nennt etwa das Restaurant Sternen in Pfungen, das heute schon 13 Punkte hat, oder die Sonne

in Seuzach. Stephan Jäger, früher Topbanker im Devisenhandel und heute Inhaber der Sonne, antwortet, nach allfälligen Ambitionen gefragt, auffällig entspannt: «Ich denke, wir kochen heute schon in der Grössenordnung von 13 oder 14 Punkten, aber wir sind noch dabei, in der Küche den Kurs festzulegen, ­darum haben wir uns nicht um ‹Gault Millau›-Punkte bemüht. Wenn wir aber einmal angekommen sind, dann kann ich mir das vielleicht schon vorstellen.»

Im Vordergrund stünden aber immer die Gäste, nicht die Punkteküche, sagt Jäger. «Wir wollen ein Treffpunkt sein.» Ausserdem könne man auch eine sehr gute Küche haben, ohne sich an «Gault Millau» oder «Michelin» zu orientieren. (Landbote)

Erstellt: 08.10.2018, 14:39 Uhr

Umfrage

Der eben erschienene Gastroführer «Gault Millau» zeichnet sechs Winterthurer Restaurants aus, die zu den besten des Landes gehören sollen. Achten Sie beim Ausgehen auf solche Wertungen?

Ja, wenn ich auswärts essen gehe, dann nicht irgendwo. Gastroführer bieten eine gute Orientierung.

 
18.8%

Nein, ich verlasse mich auf mein Gefühl - und meine gute Nase.

 
58.0%

Am besten schmeckts eh zu Hause.

 
23.2%

112 Stimmen


Artikel zum Thema

Ein alter Gastro-Fuchs kehrt zurück

Winterthur Das Al Giardino plant einen Neustart. Mit an Bord ist ein alter Bekannter in der Winterthurer Gastroszene. Sandro Ciarfaglia ist zurück, nach sieben Jahren in Zürich. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare