Obertor

Alle schwärmen von einem Hamam

Der Stadtrat lehnt die Initiative «Obertor: Boden behalten — Winterthur gestalten» ab. Er ist der Meinung, die favorisierte Wellnessnutzung würde mit der Initiative verunmöglicht. Die Initianten widersprechen.

Einde Idee, die zum Träumen anregt: In der ehemaligen Badewannen-Moschee an der Badgasse könnte ein Hamam entstehen.

Einde Idee, die zum Träumen anregt: In der ehemaligen Badewannen-Moschee an der Badgasse könnte ein Hamam entstehen. Bild: Marc Dahinden

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Es tönt reizvoll: Ein Hamam an der Badgasse mitten in der Altstadt, angrenzend an einen frei zugänglichen Innenhof mit Kaffee. Dies ist eine der Ideen zur Umnutzung des Obertor-Areals, wo heute die Stadtpolizei beheimatet ist. Doch ob es dazu kommt, ist völlig offen. Viele wollen bei der Areal-Gestaltung mitreden.

Der Mieterverband sowie links-grüne Parteien reichten im April 2018 eine Initiative als Antwort auf die stadträtlichen Pläne, die teure Wohnungen oder ein Hotel vorsahen.

Die Initiative fordert, das Areal müsse in städtischem Eigentum bleiben und gemischt sowie gemeinnützig genutzt werden. Das Areal sei einer Trägerschaft im Baurecht abzugeben und mindestens die Hälfte der Geschossfläche sei in Kostenmiete anzubieten.

Zu wenig Handlungsspielraum

Der Stadtrat hat nun gestern darüber informiert, dass er die Initiative ablehnt. Zwar teile man einige Anliegen, aber eben nicht alle, sagte Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) an der Medienorientierung. Deshalb habe der Stadtrat einen Gegenvorschlag erarbeitet.

Dieser nimmt das Anliegen auf, das Areal in städtischer Hand zu behalten. Auch eine gemischte Nutzung befürwortet er. Die übrigen Forderungen will der Stadtrat zum jetzigen Zeitpunkt nicht unterstützen: «Sie würden unseren Handlungsspielraum für die Arealentwicklung zu stark einschränken.»

«Laut Fachleuten lässt sich ein Hamam ohne ergänzende Hotelnutzung nicht rentabel betreiben.»Michael Künzle

Attraktive Nutzungen wie der von Stadtrat favorisierte Hamam wären laut Künzle nicht mehr möglich, wenn man die Vorgabe umsetzen müsste, die Hälfte der Fläche in Kostenmiete zu vergeben. «Laut Fachleuten lässt sich ein Hamam ohne ergänzende Hotelnutzung nicht rentabel betreiben. Und ein Hamam sowie ein Hotel mit rund 70 Zimmern würde bereits die gesamte verfügbare Fläche beanspruchen.»

Stadtkasse entlasten

Auch finanziell geht dem Stadtrat die Vorgabe zu weit. «Bei der Abstimmung zum Polizeigebäude haben wir dem Volk in Aussicht gestellt, die Erträge aus den frei werdenden Stadtpolizei-Liegenschaften würden die Stadtkasse entlasten. Diesem Versprechen wollen wir Rechnung tragen.»

Ein Stück weit kommt der Stadtrat den Initianten trotzdem entgegen. Auch im Gegenvorschlag ist das Prinzip der Kostenmiete festgeschrieben, allerdings nur für einen Drittel der Fläche. Zudem geht der Stadtrat von einem deutlich grösseren Perimeter aus als die Initianten, die sich nur auf die Stadtpolizei-Liegenschaften beziehen (siehe Karte).

Er rechnet die städtischen Fortuna-Liegenschaften am Obertor und an der Stadthausstrasse mit ein. Dort sind aktuell die Migros und eine Kantonsschule eingemietet. Zudem werden studentisches Wohnen und Zwischennutzungen angeboten.

Das Obertor-Areal

Miete soll möglich bleiben

Der Stadtrat lehnt auch das Anliegen ab, das Areal nur an einen Träger im Baurecht abzugeben. Mehrere Trägerschaften wie auch die Vermietung sollen laut Stadtrat möglich bleiben.

«Mit den aktuellen Nutzungen in den Fortuna-Häusern ist die Vorgabe des Gegenvorschlags wohl schon heute fast erfüllt.»Katharina Gander, 
Initiativkomitee-Mitlied

Die Initianten begrüssen es, dass der Gegenvorschlag zwei wichtige Anliegen aufnimmt. «Das ist erfreulich», sagt Katharina Gander (AL), Geschäftsleiterin des Mieterverbands und Komitee-Mitglied. Darüber, dass der Stadtrat nur ein Drittel der Fläche in Kostenmiete abgeben will und dieser Drittel auch noch zwischen Polizei-Areal und den Fortuna-Liegenschaften aufgeteilt werden soll, sei man jedoch nicht glücklich.

«Mit den aktuellen Nutzungen in den Fortuna-Häusern ist diese Vorgabe wohl schon fast erfüllt. Es ist darum zu befürchten, dass der Stadtrat seine auf maximale Rendite getrimmten, ursprünglichen Pläne von Boutique-Hotel oder Luxus-Lofts weiterhin realisieren will und mit dem Gegenvorschlag auch kann», sagt Gander. Man halte daher an der Initiative fest.

Falls der Gegenvorschlag vom Gemeinderat massgeblich verbessert werde, könne man allenfalls über einen Rückzug der Initiative nachdenken. Gander ist zudem überzeugt, dass ein Hamam auch mit der Initiative möglich wäre: « Es würde gut an diesen Ort passen und einen Mehrwert für die ganze Stadt bieten. Ein dazugehöriges Hotel ist aus unserer Sicht nicht zwingend nötig.»

(Der Landbote)

Erstellt: 23.08.2018, 17:25 Uhr

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