B&B

«Als ich begann, waren B&Bs noch eine Marktlücke»

Rahel Gut ­eröffnete in Oberwinterthur vor zehn ­Jahren eines der ­ersten Bed and Breakfast der Stadt. Die stark gewachsene Konkurrenz zwingt sie heute umzusatteln.

Rahel Gut beherbergte in ihrem BnB in Oberwinterthur schon alle möglichen Leute – bis auf die «klassischen Touristen». Wegen der neuen Konkurrenz durch Airbnb will die gelernte Schneiderin und passionierte Malerin noch einmal umsatteln.

Rahel Gut beherbergte in ihrem BnB in Oberwinterthur schon alle möglichen Leute – bis auf die «klassischen Touristen». Wegen der neuen Konkurrenz durch Airbnb will die gelernte Schneiderin und passionierte Malerin noch einmal umsatteln. Bild: Enzo Lopardo

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Dass der oberste Winterthurer ihr direkter Nachbar ist, erwähnt Rahel Gut im Gespräch mit ihren Gästen nur ab und zu. «Vielleicht sollte ich im Internet schreiben, dass man bei mir neben dem Stadtpräsidenten wohnt – das gäbe sicher mehr Umsatz», sagt sie und lacht.In ihrem Bed and Breakfast (B&B) in Oberwinterthur vermietet Gut seit zehn Jahren Zimmer. Ihr erster Gast war ein Koreaner, der aus beruflichen Gründen in Winterthur war – wie später die meisten der Reisenden, die bei ihr unterkamen; etwa die Musiker, die in den Hardstudios Stücke einspielten, oder die deutschen Handwerker, die in der Kehrichtverwertungsanlage in der Grüze Lüftungen verschweissten.

Von Sport bis Selbstfindung

Winterthur vermöge verschiedenste Gruppen anzuziehen. Fünf BMX-Fahrer reisten einmal aus Australien an, um im Dättnau an einem Rennen teilzunehmen. «Einer von ihnen hat sogar gewonnen», erzählt Gut. Stammkunden seien unter anderem die Esoteriker gewesen, die regelmässig an Wochenendkursen in den Eulachhallen zu sich selber finden wollten, oder die Feriengäste, die Verwandte in Winterthur besuchten. Einzig klassische Touristen habe sie kaum je beherbergt.

Die Gäste wurden mit der Zeit aber immer rarer. Als Gut 2008 ihr Elternhaus übernahm und umbaute, gehörte es noch zu den ersten B&Bs der Stadt. Die Gäste fanden über die Broschüren und die Webseite von Winterthur Tourismus zu ihr. Gebucht wurde meist per Telefon.

«Vielleicht sollte ich im Internet schreiben, dass man bei mir neben dem Stadtpräsidenten wohnt – das gäbe sicher mehr Umsatz.»Rahel Gut

Heute ist das Angebot ungemein breiter: Das Buchungsportal Airbnb bietet auf Stadtgebiet über 70 Zimmer und Wohnungen an. Brechend voll sei ihr B&B nie gewesen, sagt Gut, doch nun werde sie wohl wieder eine feste Stelle finden müssen.

Brautmode und Ledermäntel

Gut lernte ursprünglich Schneiderin. 22 Jahre lang führte sie in Zürich ein Atelier, in dem sie Abend- und Brautkleider auf Mass schneiderte. Sie staffierte aber auch Laientheater aus oder nähte für ein Event zum Filmstart des zweiten «Matrix»-Teils Mäntel aus Lackleder, wie sie der Filmheld Keanu Reeves trägt.

Sie entschied sich, ihr B&B zu eröffnen, weil sie sich ihrer Kunst widmen wollte – farbenfrohe Ölbilder und Drucke, welche heute die Wände des Frühstücksraums zieren. Das Haus, das sie während eines Jahres renovierte, ist mit einem Mix aus Möbeln der siebziger Jahre und modernen Entwürfen von Hannes Wettstein, einem Schweizer Designer, der auch Guts Schneiderei in Zürich ausstattete, eingerichtet. Ihre fünf Zimmer hat sie in kräftigen Farben gestrichen – grün, rosa oder gelb – und in passenden Tönen möbliert.

Um heute ein neues B&B zu eröffnen, bräuchte es auf jeden Fall etwas «Exotischeres», sagt Gut. Ein Wellness-Angebot zum Beispiel fehle in Winterthur bisher. «Ein Jacuzzi und eine Sauna im Garten wären sicher attraktiv», meint sie. Ein ­Projekt für die Zukunft sei das vielleicht. (Landbote)

Erstellt: 09.08.2018, 17:03 Uhr

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