Winterthur

«Als Stadtpräsident war ich im Vorteil»

Es sei eine Personenwahl gewesen, sagt Michael Künzle (CVP) zu seinem Sieg über Yvonne Beutler (SP), und er erklärt, wie er als Präsident mit der linken Stadtrats­mehrheit umgehen will.

Michael Künzle war nach dem Wahlausgang sichtlich bewegt. Er ist den Winterthurern dankbar für ihr Vertrauen.

Michael Künzle war nach dem Wahlausgang sichtlich bewegt. Er ist den Winterthurern dankbar für ihr Vertrauen. Bild: Marc Dahinden

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Nach dem enttäuschendenersten Wahlgang haben Sie den zweiten mit über 3000 Stimmen Vorsprung für sich entschieden. Überrascht Sie das klare Resultat?
Michael Künzle: Natürlich hatte ich gehofft, dass die Winterthurerinnen und Winterthurer erkennen, was ich die letzten Jahre geleistet habe. Von daher hatte ich keinen Grund anzunehmen, dass ich verliere. Es gab aber keine klaren Anhaltspunkte für den Wahlausgang. Mit Yvonne Beutler hatte ich eine starke Gegnerin; sie hat ein gutes Resultat gemacht.

Was hat aus Ihrer Sicht den Ausschlag für den Erfolg gegeben?
Ich setze mich mit totalem Engagement für diese Stadt ein, war immer nahe an den Leuten – bei den Vereinen, den Unternehmen. Ich denke, es ist wichtig, dass sich ein Stadtpräsident zeigt und den Dialog führt. Das werde ich weiter so machen, nebst allem anderen wie Strategie und Führung.

«Vielleicht war es ganz gut, dass ich das absolute Mehr beim ersten Wahlgang nicht erreicht habe.»Michael Künzle (CVP), Stadtpräsident

Was war im zweiten Wahlgang anders als am 4. März?
Das am 4. März war eine Parteienwahl. Heute ging es um die Persönlichkeit, da hatte ich den Vorteil, dass ich schon Stadtpräsident war – das hat sicher auch mitgeholfen.

Und der No-Billag-Effekt?
Es ist schwierig zu sagen, welche Elemente am 4. März wie viel Einfluss hatten. Sicher hat die No-Billag-Abstimmung der linken Seite bei der Mobilisierung geholfen. Das allein hat aber nicht den Unterschied gemacht.

Den Bürgerlichen ist die Mobilisierung diesmal geglückt. Gab es den sprichwörtlichen Ruck durch die bürgerlichen Reihen?
Das ist sicher ein Faktor gewesen. Es ist ein bisschen Ironie des Schicksals: Hätte ich im ersten Wahlgang so viele Stimmen gemacht wie jetzt, dann hätte es keinen zweiten gebraucht. Aber vielleicht war es ganz gut, dass ich das absolute Mehr damals nicht erreicht habe – man macht sich dann so seine Gedanken.

Und welche sind das?
Das ist meine Sache.

Die linke Wende im Stadtrat bleibt eine Tatsache. Wird es schwierig für Sie, die Winterthurer Politik künftig glaub­würdig zu verkörpern?
Es wird sicher den einen oder anderen Entscheid geben, der anders herauskommt als in den letzten vier Jahren. Ich halte mich aber ans Kollegialitätsprinzip. Ich werde diese Beschlüsse nach aussen vertreten. Ich bin nicht zum ersten Mal in dieser Situation, und die ist übrigens auch keine Winterthurer Besonderheit.

Welches sind Ihre Schwerpunkte für die nächste Legislatur?
Ganz wichtig ist sicher die Entwicklung der Areale, etwas, das wir in Oberwinterthur und auf dem Sulzer-Areal Stadtmitte bereits durchexerziert haben. Das Gleiche kommt nun mit dem SBB-Areal und dem Rieter-Areal auf uns zu. Wichtig sind auch die übergeordneten Projekte wie der Ausbau der A 1 oder die Überdachung der Autobahn in Wülflingen, Projekte, in denen wir die letzten Jahre vorgespurt haben.

An der kommenden Sitzung des Gemeinderats ziehen Sie Bilanz über die 12-Jahres-Strategie – ist die nun Makulatur mit den neuen Mehrheiten?
Nein, wir haben einen Wechsel der Mehrheiten mitbedacht und dafür ein Fenster offen gehalten. Bis zu den Sommerferien wollen wir eine überarbeitete Strategie präsentieren können, hinter der diese Regierung steht. Für mich ist vor allem wichtig, dass wir einen 12-Jahres-Horizont haben und nicht mehr nur auf die nächsten vier Jahre schauen.

Sie haben in einer kleinen Ansprache vor den Medien gesagt, die Stadt sei nach den Wahlen gespalten. Wie tief geht dasZerwürfnis?
Ich meine damit nicht, dass wir einen tiefen Graben haben. Es gab durch die Ausgangslage einfach eine Lagerbildung, Leute, die für Yvonne Beutler waren, und andere, die für mich waren. Und auf der Gegenseite gab es viele Stimmen, die sagten, es ist endlich Zeit für eine Frau. Das ist etwas, das in den nächsten Jahren wieder ein Thema sein wird.

Sie haben auch gesagt, esbrauche eine Versöhnung.
Das ist nach jeder Wahl so.

Wie ist es für Sie persönlich:Haben Sie Yvonne Beutler schon verziehen, dass Sie an Ihrem Stuhl gerüttelt hat?
Wir hatten einen Wahlkampf, sie war meine Herausforderin. Das ist normal in einer Demokratie, es darf jeder antreten, der will.

Werden Sie und Yvonne Beutler jetzt zusammen ein Glas heben?
Jetzt gleich sicher nicht. Aber wir werden gut zusammenarbeiten in der Zukunft.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.04.2018, 17:52 Uhr

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