Technikumstrasse

Altlasten-Haftung nach Jahren ungeklärt

Die Frage, wer die Altlastensanierung des Hölkenareals aus dem Jahre 2004 zahlen muss, ist noch immer offen. Das Kostenverteilungsverfahren sei noch in Arbeit, heisst es bei der Baudirektion des Kantons.

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Wer schon eine Weile in Winterthur lebt, dem dürfte das Hölken-Areal noch ein Begriff sein. In den Jahren zwischen 2000 und 2006 prägte nämlich eine riesige Baugrube an der Technikumstrasse das Stadtbild südlich der Altstadt. Sie erhielt im Volksmund den Namen Hölken-Zahnlücke. Hölken deshalb, weil das Areal einst den Gebrüder Hölken gehört hatte.Inzwischen spricht niemand mehr vom Hölkenareal. Längst wurde die Lücke überbaut und trotzdem beschäftigt das Areal zumindest die Baupolizei der Stadt Winterthur noch immer. Der Grund: Es besteht ein Rechtsstreit zwischen dem früheren Besitzer Cuno Hölken und der Stadt um die Frage, wer die Kosten der 2004 durchgeführten Altlastensanierung tragen muss. Obwohl seit der Sanierung, welche die Stadt damals bezahlte, schon rund 13 Jahre vergangen sind, steht der Entscheid der Baudirektion in dieser Frage noch immer aus.

Ein Tauschhandel

Zum Rechtsstreit kam es so: Das Unternehmen «Chemische Reinigung Hölken» übernahm das Gebäude an der Technikumstrasse 61 im Jahr 1930 und betrieb dort ihr Geschäft. Im Jahr 1986 stimmte der Gemeinderat einem Landabtausch der Stadt mit dem Besitzer Cuno Hölken zu. Die Stadt gab das Gebäude «Alpenrose» an der Ecke Technikumstrasse/Lagerhausstrasse an Hölken ab und erwarb stattdessen das Haus an der Technikumstrase 61. Der Preis für den Tauschhandel wurde auf 1,2 Millionen Franken veranschlagt. Hölken leistete zudem eine Tauschaufzahlung von rund 360 000 Franken.

Erst später kam der Verdacht auf, dass das Erdreich durch Altlasten verschmutzt sein könnte. Analysen bestätigten dies. Es wurden grosse Mengen von Perchlorethylen im Boden gefunden. Die Stadt musste das Areal daher in den Jahren 2004 und 2005 umfassend sanieren, bevor man an eine Überbauung denken konnte. Die Kosten für die Sanierung beliefen sich auf rund zwei Millionen Franken. Im Mai 2004 wurde die Liegenschaft Hölken für über eine Million Franken an die Lerch Immobilien AG verkauft. Zusammen mit der Immobilienfirma Colliers CSL AG hat sie das Geschäftshaus Eulachhaus realisiert. Dieses steht nun seit 2008 an besagter Stelle.

Stadt hat vorgeschossen

Im Eulachhaus eingezogen sind etwa die Immobilienverwaltung Wincasa, die Krankenkasse Visana sowie Arztpraxen. An die Altlasten erinnert nichts mehr. Doch die Frage, wer die Sanierung zahlt, bleibt ungeklärt. Die Stadt hat den gesamten Betrag vorgeschossen, stellt sich aber auf den Standpunkt, der ehemalige Eigentümer Cuno Hölken müsse mindestens einen Anteil an den Kosten übernehmen.

Die Baudirektion hatte bereits einmal eine Kostenverteilung verfügt. Diese sah vor, dass Hölken den Grossteil der Kosten übernehmen müsste, über zwei Drittel. Stadt und Kanton wäre ein kleinerer Teil geblieben . Das Verfahren über die Kostenverteilung ist jedoch noch immer pendent. Denn sowohl die Stadt als auch Hölken waren aus unterschiedlichen Gründen mit dem Kostenverteilungs-Entscheid nicht einverstanden und zogen ihn an den Regierungsrat weiter. Dieser hat im März 2015 über die Rekurse entschieden und die Sache zur Klärung des Sachverhalts und zum neuen Entscheid an die Baudirektion zurückgewiesen. Die Stadt beschloss schliesslich, den Rückweisungsentscheid des Regierungsrats wegen der langen Verfahrensdauer beim Verwaltungsgericht anzufechten. Diese Beschwerde wurde jeodch abgewiesen. Nun liegt der Ball erneut bei der Baudirektion. Auf Anfrage heisst es dort nur, das Kostenverteilungsverfahren sei beim Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luf) in Arbeit .

Die Sache angesichts der verstrichenen Zeit einfach auf sich beruhen zu lassen kommt für die Stadt nicht in Frage. «Wir werden auf jeden Fall dranbleiben», sagt Lena Ruoss, Leiterin der Baupolizei. Dass sich solche Verfahren über Jahre hinziehen, sei nicht unüblich. «Der Fall ist rechtlich sehr kompliziert», sagt Ruoss.

Verursacher sind in der Pflicht

Grundsätzlich ist klar, dass die Verursacher für das Beseitigen von Altlasten aufkommen müssen. So wurde beispielsweise im Juli 2017 auch die Papierfabri Horgen Holding AG verpflichtet, für die Sanierung von Papierschlamm-Ablagerungen im Zürichsee aufzukommen. Sie rekurrierte vor Baurekursgericht, blitzte aber ab. Es besteht also grundsätzlich Hoffnung, dass die Stadt Jahre nach der Sanierung irgendwann noch Geld von Cuno Hölken erhält. (Landbote)

Erstellt: 12.03.2018, 17:03 Uhr

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