Winterthur

«Am wichtigsten ist, dass die Arbeit Spass macht»

Das Winterthurer KMU Netcloud AG ist laut einer Auswertung der beste Arbeitgeber im deutschsprachigen Raum. Ein Gespräch mit dem CEO Marc Schürch über Vaterschaftsurlaub, Gratiskaffee und Vertrauen.

Marc Schürch ist CEO beim «besten Arbteitgeber».

Marc Schürch ist CEO beim «besten Arbteitgeber». Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Schürch, Ihre Firma wurde gerade zum besten Arbeitgeber im Grossraum Deutschland, Österreich und Schweiz gewählt. Was macht in Ihren Augen einen guten Arbeitgeber aus?
Marc Schürch: Ich glaube, es ist die Betriebskultur, die am Ende entscheidet. Wir haben bei uns möglichst wenig Regeln und möglichst viel Eigenverantwortung. Wir reden auch vom Unternehmer im Unternehmen: Wir sind in Teams organisiert. Da ist es wichtig, dass die Leute gut zusammen können und man sich zuhört. Und dann haben wir im Betrieb auch einfach den stetigen Drang, uns zu verbessern, weiterzukommen.

Das heisst, der Erfolg schafft ein gutes Betriebsklima?
Ich würde es genau umgekehrt formulieren: Ein gutes Betriebsklima schafft Erfolg.

Als jemand, der in einer rückläufigen Branche arbeitet, kann ich Ihnen sagen, wir haben auch ein gutes Betriebsklima – wo bleibt dann das Wachstum?
Da haben Sie recht, unser Unternehmen ist in einer Wachstums-Branche tätig. Die IT-Branche ist aber kompetitiver geworden, gerade wenn ich mit 1998 vergleiche, als wir die Firma gegründet haben. Wir müssen uns heute viel mehr anstrengen.

«Wir haben wenig Regeln und viel Eigenverantwortung.»Marc Schürch,
CEO der Netcloud AG

Was ist für das Betriebsklima wichtiger, der Führungsstil oder die Fringe Benefits?
Es ist sicher wichtig, gute Leistungen zu haben, Löhne und Zusatzleistungen, damit sich die Mitarbeiter wertgeschätzt fühlen. Ich glaube aber, noch wichtiger ist es, dass man eine Arbeit anbieten kann, die Spass macht und herausfordert. Das ist jedoch meine persönliche Sicht, vielleicht wäre da der eine oder andere Mitarbeiter anderer Meinung.

Was ist bei Ihnen alles gratis auf der Arbeit?
Wir haben Kaffee, Mineralwasser und Früchte, und im Moment einen grossen Samichlauskorb. Bei den Spesen sind wir sehr pragmatisch. Jeder Mitarbeiter hat eine eigene Kreditkarte, das macht die Abrechnung wesentlich einfacher.

…und vervielfacht die Spesen.
Nein, wir machen Stichproben und die zeigen, dass unsere Mitarbeiter ihre Eigenverantwortung wahrnehmen.

Sie bieten seit diesem Jahr zwei Wochen Vaterschaftsurlaub, warum?
Wir glauben, dadurch bleiben die Leute länger bei uns, es fliesst weniger Know-how ab, das hilft unserem Unternehmen enorm. Und es ist auch schön zuzuschauen, wie junge Leute bei uns anfangen, heiraten und Kinder kriegen, ihre Bedürfnisse und ihr Leben ändern. Viele wollen dann ihre Pensen reduzieren, da bieten wir natürlich auch Hand.

Ist es nicht teuer, junge Väter zwei Wochen freizustellen?
Über die Kosten haben wir eigentlich gar nie diskutiert. Nur über die Länge. Eigentlich müssten es ja mehr sein als zwei Wochen, aber wir haben sechs Wochen Ferien, da hatten wir das Gefühl, wenn man das zusammennimmt, haben wir eine Lösung, die ok ist.

Sie haben im Rating der Bewertungs-Plattform Kununu 93,2 von 100 Punkten erreicht. Was fehlt zur Perfektion?
(lacht) Zuerst einmal sollte man dieses Rating nicht überbewerten. Sicher, es ist eine tolle Anerkennung von unseren Mitarbeitern. Aber ich glaube nicht, dass wir die Besten sind, es gibt Firmen, die einiges besser machen als wir. Das Rating steht in unserer Unternehmensentwicklung auch nicht im Zentrum. Wir machen einmal im Jahr eine interne Befragung, da kommen immer viele konkrete Kommentare und Verbesserungsvorschläge. Das ist, wie wir uns am meisten verbessern können.

Was war die letzte Massnahme, die Sie umgesetzt haben?
Ich habe selbst einen Auftrag gefasst, und muss jetzt Klarheit schaffen, für welche Aufgaben wir welches digitale Kollaborations-Instrument einsetzen.

Das klingt sehr betriebsbezogen. Gibt es keine softeren Vorschläge, einen Beschaffungsbeitrag für einen Golden-Retriever?
Das nicht, aber jemand wollte eine Dusche im Betrieb, also haben wir das arrangiert, wir konnten im gleichen Gebäude eine mieten.

Wie sind eigentlich Ihre eigenen Arbeitsbedingungen, auch so gut, wie die Ihrer Mitarbeiter?
Ich mache genau den Job, den ich machen will, da kann man sich nicht beklagen. Sicher ist es manchmal streng, aber wenn ich einmal früh gehen will, liegt das auch drin.

(Der Landbote)

Erstellt: 08.12.2017, 14:45 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!