Kyburgiade

An den Wurzeln der Weltmusik

Mit Markus Schirmer & Friends wurde das Open-Air-Festival im Schlosshof der Kyburg temperamentvoll eröffnet.

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Hat die Kyburgiade einst als Kammermusikfestival begonnen, so ist sie heute ein inter­nationales Musikfestival, das die Grenzüberschreitung zu Folk und Jazz nicht scheut. Die Atmosphäre ist locker und humorvoll, es wird auch getanzt, moderiert und gelacht. Die Musikantentruppen kommen aus aller Welt: Österreich, Osteuropa, Grossbritannien, Spanien, Italien – und sie bringen exotische Volksmusikinstrumente mit: Dudelsack, Hackbrett, Nyckelharpa, Oud, Kastagnetten und Theorbe.

Spricht man – wie im Eröffnungskonzert vom Freitag – von «Weltmusik», dann geht es um die freie improvisatorische Auseinandersetzung mit der uralten Volksmusiktradition eines Landes. Hier liegen die musikalischen Wurzeln der ganzen Welt: bei den Volksfesten, an denen gesungen und getanzt wurde. Und wer, wenn nicht das vielfältige Habsburgerreich Österreich, hat verschiedene Stile aus Ost und West vor allem in Wien zu neuen Rhythmen und Klängen verschmolzen?

Der Pianist Markus Schirmer stammt aus Graz, und er hat die Weltmusik zu seiner Leidenschaft gemacht. Der Kurde Ahmad Rezkar aus Syrien, der die Oud spielt – eine Art Laute mit rechtwinklig geknicktem Griffbrett –, ist sein langjähriger Freund; in der gemeinsam aufgebauten Truppe Scurdia kommen elf Musikanten aus Mazedonien, New York, der Steiermark, Brasilien, Sizilien und den Niederlanden zusammen. Die Musik, die sie spielen, haben sie alle selber für die Truppe komponiert: Jeder ein Stück aus seiner Heimat.

Tanzende Geigerin

Rezkars Stück reisst die andern Musiker mit, rhythmisch schwankt und vibriert die Musik «orientalisch», der Gesang ist melancholisch, die Klangfarben reiben sich – es geht unter die Haut.

Die Geigerin Panfili Rusanda stammt aus Moldawien, sie hat einen Volkstanz zum Neujahrsfest mitgebracht, das in Moldawien am 21. März zum Frühlingsbeginn gefeiert wird. Eher ruhig sei der Tanz, meint sie schmunzelnd, wer mittanzen möge, solle das doch tun. Sie tanzt die Schritte vor. Und dann gehts los: zigeunerisch, rasend schnell, rhythmisch prägnant. Und was tut die virtuose Geigerin: Sie tanzt zum Spielen!

Wer hat schon einmal das Solo einer Kontrabasstuba gehört? Es ist die grösste und tiefste Tuba, sie brummt fast nur. Jon Sass, ein schwarzer Musiker aus New York, tanzt jedoch darauf: Die schwerfällige Tuba beginnt zu leben, die Töne sind weich und exotisch, was er mit den Ventiltasten und der Blastechnik macht, ist echt virtuos. Er hat seine afrikanischen Wurzeln mit einem amerikanischen Gospel verschmolzen.

Und wer hätte gedacht, dass der Sizilianer am Tambourin – von Schirmer scherzhaft als «der Pate» vorgestellt – eine solche Stimme hat! Italien ist das Land der Oper und der Sänger. «Sali», beginnt Denaro Salvatore – alle lachen. Er habe ein halbes Jahr in Zürich studiert und Deutsch gelernt, dann sei er nach Österreich gekommen – und niemand habe ihn dort verstanden . . . Dann legt er los, das Tambourin wird immer virtuoser, dazu schmetterter das «Funiculì, Funiculà»-Lied arios wie ein Opernheld in den Schlosshof hinaus.

Rhythmische Prägnanz

Es war ein vergnüglicher Abend mit ausgezeichneten Musikern und einem abwechslungsreichen Programm. Das Scurdia-Ensemble brillierte vor allem im rhythmisch prägnanten Zusammenspiel. Es brauchte jedoch eine gewisse Zeit, bis die Musikerinnen und Musiker in Fahrt kamen und mit ihnen das Publikum. Schirmers Moderation wirkte anfangs noch ziemlich aufgesetzt, und dass vor dem Auftritt des Ensembles über die Lautsprecher laute Orchestermusik eingespielt wurde, kam im Publikum nicht gut an.

Die Kyburgiade dauert noch bis am Dienstag. Heute Montag spielt das Carmina-Quartett mit Rolf Lislevand, Gitarre, und Nina Corti, Kastagnetten, ein spanisches Fandango-Programm, und das Schlusskonzert gilt der venezianischen Oper mit Arien von Francesco Cavalli: «L’amore innamorato». (Der Landbote)

Erstellt: 06.08.2017, 17:21 Uhr

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