Winterthur-Ricketwil

Antennengegner brauchen Geld

Die IG Ricketwil hat Rekurs eingelegt gegen eine geplante Mobilfunkantenne mitten im Dorf. Bei einem Augenschein mit dem Baurekursgericht zeigte sich jedoch, dass der Rekurs wohl abgewiesen wird. Ob die IG sich weiter wehrt, hängt davon ab, ob sie die nötigen Mittel zusammenbringt.

Auf diesem Betonsilo der Schreinerei Wieser soll die Antenne zu stehen kommen.

Auf diesem Betonsilo der Schreinerei Wieser soll die Antenne zu stehen kommen. Bild: Marc Dahinden

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Rund eineinhalb Stunden dauerte die Begehung, die Mitte Woche in Ricketwil stattfand. «Wir marschierten durch das Dorf und stellten fest, dass man das Baugespann für die Antenne von praktisch überall her dominant sieht», berichtet Andre Jacomet. Er ist Präsident der IG Ricketwil, die gegen die geplante Antenne der Swisscom auf dem Dach der Schreinerei Wieser rekurriert hat. Der Standort für die Antenne sei schlicht der falsche, findet er. Bei nur gerade 100 Einwohnern und einem gut ausgebauten Glasfasernetz brauche es keine so starke Antenne mitten im Dorf. Zumal auch das Ortsbild leide. Markus Wieser, Inhaber der Schreinerei, sieht dies anders. Es brauche die Antenne, weil der Empfang so schlecht sei, dass die über Mobilfunk laufende Alarmzentrale teils nicht funktioniere, hatte er im September gegenüber dem «Landboten» argumentiert.

Sturm beschädigte Gerüst

Beim Augenschein vor Ort waren neben den Rekurrenten und ihrem Anwalt auch Markus Wieser, Ortsvereinspräsident Bruno Koblet, das zuständige Baurekursgericht, zwei Vertreter der Denkmalpflege sowie Vertreter und Anwälte der Swisscom dabei. Ein Detail am Rande: Fast hätte die Begehung verschoben werden müssen, weil das Baugerüst nach einem Sturm im Dezember nicht mehr korrekt aufgebaut war. Doch in letzter Sekunde stand das Gerüst wieder und die Begehung konnte stattfinden.

Laut Jacomet zog sich das Gericht nach dem Rundgang zurück und teilte den Rekurrenten anschliessend mit, aus seiner Sicht spreche nichts gegen die Antenne. Reto Philipp, Präsident der zuständigen Abteilung des Baugerichts, bestätigt auf Anfrage zwar, dass der Augenschein stattgefunden hat, zum Entscheid selber will er sich aber nicht äussern: «Das Verfahren ist nicht abgeschlossen.» Auch von der Denkmalpflege erhielt die IG nicht die erhoffte Unterstützung. Denkmalpflegerin Konstanze Domhardt sagt dazu auf Anfrage, die Antennenanlage sei nach Ansicht der Stadt bewilligungsfähig. Sie werde auf der dem Weilerzentrum abgewandten Seite und auf einer Gewerbebaute realisiert. Die Anlage beeinträchtige das Ortsbild wenig und überdies wären bei einem Verzicht weitere Antennenbauten im Nichtsiedlungsgebiet zu erwarten.

Die Rekurrenten stehen nun vor der Frage, ob sie die Sache auf sich beruhen lassen wollen. «Wir möchten nicht aufgeben. Aber jeder Schritt kostet Geld», sagt Jacomet. Zuerst gilt es für die IG zu entscheiden, ob sie eine schriftliche Begründung verlangen will. Nur wenn eine solche vorliegt, lässt sich der Entscheid ans Verwaltungsgericht weiterziehen. Doch die schriftliche Begründung verursacht bereits Kosten von 5000 Franken. Bei einem Verzicht würden nur 1500 Franken anfallen, zudem würde die Swisscom in diesem Fall von der Parteientschädigung absehen. Dazu kommt, dass ein Verfahren vor Verwaltungsgericht weitere Investitionen von rund 20 000 Franken bedingen würde. «Da wir eine kleine Aussenwacht sind und keine potenten Geldgeber haben, geht uns finanziell die Luft aus. Wir müssen uns daher für die Finanzierung etwas einfallen lassen. So hofft Jacomet auf einem Mäzen. Auch ein Crowfunding ist ein Thema.

Viel Zeit bleibt der IG nicht. Bis Ende Januar haben die Rekurrenten Zeit zu entscheiden, ob sie die schriftliche Begründung verlangen wollen. Jacomet sagt, den Rekurs weiterzuziehen komme nur in Frage, wenn die Finanzierung gesichert sei. __________________________________________________________
Die IG Ricketwil bietet auf ihrer Website Informationen für Menschen, die sich für das Thema Mobilfunk interessieren. Insbesondere sind dies der Newsletter und ein "Toolkit". Dieser Werkzeugkasten ermöglicht es, innert zwei, drei Stunden einen Verein nach Schweizer Recht zu gründen, eine einfache Website zu erstellen und sich so für öffentliche Anliegen jeglicher Art einzusetzen. Zum Toolkit: www.ig-ricketwil.ch ()

Erstellt: 11.01.2019, 17:14 Uhr

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