Verkehr

Anwohner drohen mit Referendum gegen den Knoten Wülflingen

Die Stadt möchte vorwärts machen mit der Dosieranlage beim Schloss Wülflingen. Doch Quartiervereine und Politiker drohen mit Widerstand, wenn nicht gleichzeitig Massnahmen gegen den Schleichverkehr getroffen werden.

Beliebte Ausweichroute: Auto auf der Oberfeldstrasse.

Beliebte Ausweichroute: Auto auf der Oberfeldstrasse. Bild: Andreas Kirchheim

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Der Verkehr auf der Wülflingerstrasse stadteinwärts soll flüssiger werden. Dazu möchte das Tiefbauamt den Knoten beim Schloss Wülflingen umbauen, wo die Wülflingerstrasse und die Salomon-Hirzel-Strasse aufeinandertreffen. Dabei sollen eine neue Buswendeschlaufe entstehen und eine Ampel mit Dosierungsfunktion. «Das Projekt hat grosse Bedeutung für ein funktionierendes Gesamtverkehrssystem in der Stadt Winterthur», sagt Baustadträtin Christa Meier (SP). Doch gegen dieses Schlüsselprojekt regt sich Widerstand. Quartierbewohner fürchten, dass die Autofahrer künftig einfach ausweichen, über den Lindenplatz und die Quartiere Oberfeld, Blumenau, Neuwiesen und Brühlberg. «Wir sind nicht gegen den Knoten-Umbau», betont Felix Schmid, der sich in der IG Hessengüetli und früher im Quartierverein Tössfeld-Brühlberg seit Jahren gegen den Durchgangsverkehr wehrt. «Im Gegenteil, wir begrüssen die Busbeschleunigung. Aber nur wenn gleichzeitig der Quartierschutz realisiert wird.»

«Das Projekt hat grosse Bedeutung für ein funktionierendes Gesamtverkehrssystem in der Stadt Winterthur.»Stadträtin Christa Meier (SP)

Die Stadt hat ihre Pläne zum Knoten-Umbau im Frühling 2017 präsentiert, worauf insgesamt 13 Einwendungen von Privaten, Verkehrsverbänden, Quartiervereinen und Parteien eingingen. Im Bericht zu den Einwendungen, der derzeit aufliegt, betont die Stadt, dass sie die Befürchtungen der Anwohner bezüglich Schleichverkehr «ernst nehme». Sie habe deshalb ein externes Gutachten erstellen lassen. Es liegt dem «Landboten» vor.

Ein Viertel mehr Schleichverkehr durchs Quartier

Die Verfasser des Gutachtens kommen zum Schluss, dass der reguläre Weg über die Wülflingerstrasse für Autofahrer trotz des zusätzlichen Lichtsignals auch künftig knapp 30 Sekunden schneller bleibt als der Schleichweg über die Oberfeld- und Wartstrasse. Doch auch wenn dort Tempo 30 gilt, sei das Ausweichen auf Quartierstrassen für manche Autofahrer aus psychologischer Sicht verlockend: «Die Stetigkeit des Verkehrsflusses mit gleichbleibenden Geschwindigkeiten, ohne Störungen und Unterbrüche, gibt das Gefühl, es geht schneller und man fühlt sich weniger gestresst.»

Der Knoten beim Schloss Wülflingen, wo die Wülflingerstrasse und die Salomon-Hirzel-Strasse aufeinandertreffen, soll umgebaut werden.

Für das Oberfeldquartier rechnen die Studienverfasser in der Stosszeit deshalb mit bis zu einem Viertel mehr quartierfremdem Durchgangsverkehr. Das wären 40 Autos in der Morgen- und Abendspitzenstunde. Nicht alarmierend, findet die Stadt: «Das Tiefbauamt erachtet es aufgrund dieser Resultate nicht als verhältnismässig, noch vor der Umsetzung der Dosierungsanlage flankierende Massnahmen zu ergreifen.» Man werde die Verkehrsflüsse nach dem Knoten-Umbau in einem Monitoring überwachen und bei «erheblichem Schleichverkehr» weitere Massnahmen prüfen.

Die 2008 versprochenen Reduktionsziele klar verfehlt

Das ist viel zu wenig, findet Felix Schmid von der IG Hessengüetli. Schliesslich habe die Stadt im Rahmen des Verkehrskonzepts Neuwiesen schon 2008 versprochen, den Schleichverkehr schrittweise fast vollständig aus dem Quartier zu verbannen. Laut damaliger Abmachung müsste er heute bereits 60 Prozent geringer ausfallen als im Referenzjahr 2004. Gemäss Zählungen der Vorjahre liege die Reduktion aber nur bei etwa 10 bis 20 Prozent. «Das Verkehrskonzept Neuwiesen ist weitgehend umgesetzt», schreibt die Stadt im Bericht. «Ein Lug», sagt Schmid. «Die harten Massnahmen waren nicht umgesetzt, als der damalige Baustadtrat Josef Lisibach das Projekt 2014 aus Spargründen sistiert hat.»

«Wir werden alles daran setzen, die nötigen Unterschriften für ein Referendum zusammen zu bringen, damit die Stimmbevölkerung entscheiden kann.»Felix Schmid, IG Hessengüetli

Tatsächlich sieht das Verkehrskonzept, neben bereits umgesetzten «weichen» Massnahmen wie Tempo 30, Lastwagen-Fahrverboten oder der blauen Zone, auch einschneidende Änderungen wie eine Sperre der Oberfeldstrasse vor – oder temporäre Fahrverbote abends und am Wochenende. Dass Durchgangsverkehr auf Quartierstrassen durch Sperren entschärft wird, ist in vielen anderen Quartieren längst Realität, etwa auf der Talgutstrasse im Mattenbachquartier, oder auf der Tössfeldstrasse Richtung Sulzer-Areal.

In der jüngsten Studie werden allerdings weder Sperren noch temporäre Fahrverbote erwähnt. Vorgeschlagen werden eine «Erhöhung des Netzwiderstands» durch Bodenschwellen und versetzte Parkierung sowie die Prüfung eines Einbahn-Regimes an der Oberdorfstrasse auf Höhe des Schulhauses Hohfurri. Diese Variante geniesse im Quartier aber keinen Rückhalt, sagt Schmid. «Sie führt zu komplizierteren Wegen für die Anwohner und zu Mehrverkehr vor dem Schulhaus.» Und mit Hindernissen wie Schwellen allein lasse sich der Ausweichverkehr nicht eindämmen. «Dann bremsen die Autos mit Thurgauer und Schaffhauser Kennzeichen kurz ab und fahren trotzdem durchs Quartier.»

«Dann sammeln wir Stimmen für ein Referendum»

Für Schmid ist klar: Wenn die Stadt nicht beim Quartierschutz nachbessert, mit Durchfahrtssperre oder temporären Fahrverboten, werden die Quartiervereine das Projekt politisch bekämpfen. «Wir werden alles daran setzen, die nötigen Unterschriften für ein Referendum zusammen zu bringen, damit die Stimmbevölkerung entscheiden kann», sagt er.

Womöglich ist dies nicht einmal nötig. Michael Gross, SVP-Gemeinderat und Vorstandsmitglied des Quartiervereins Neuwiesen, glaubt, die Stadt werde nochmals über die Bücher müssen. «In der Bau- und Betriebskommission wurde das Thema mit Stadträtin Christa Meier diskutiert und es gibt einen gewissen Konsens, dass die Dosieranlage und der Quartierschutz zusammen angeschaut werden müssen», sagt er. Dass das Verkehrskonzept Neuwiesen «weitgehend umgesetzt» sei, stimme aus seiner Sicht jedenfalls sicher nicht. «Es müssen auch härtere Massnahmen geprüft werden», findet Gross.

Auch andere Teile Wülflingens wollen den politischen Druck hoch halten. Rund um den Lindenplatz schätzt die Studie den möglichen Mehrverkehr nach dem Knoten-Umbau auf 30 bis 50 Fahrzeuge in der Spitzenstunde. «Der Lindenplatz ist aber in den Verkehrsspitzen bereits heute chronisch überlastet», sagt Felix Landolt, SP-Gemeinderat und Vorstandsmitglied des Forums Wülflingen. «Das Verkehrsaufkommen und die Verkehrssteuerung sind eines Quartierzentrums unwürdig.» Landolt fordert: «Die flankierenden Massnahmen sollten den gesamten Perimeter umfassen, also auch die Wülflingerstrasse von der Härti bis zum Schloss und den Lindenplatz. Und sie sollten juristisch und finanziell gleichzeitig und zusammen mit der Kreditvorlage für die Umgestaltung des Knotens Schloss dem Gemeinderat beantragt werden.»

Stadträtin Christa Meier setzt auf weitere Gespräche

Baustadträtin Christa Meier signalisiert Gesprächsbereitschaft. «Das Departement Bau hat aufgrund diverser Gespräche in den letzten Monaten erkannt, dass die Befürchtungen der Quartierbewohnerinnen und -bewohner zum Ausweichverkehr mit den Resultaten des Gutachtens und mit dem geplanten Monitoring nicht ausgeräumt werden können.» Gespräche mit den Quartiervereinen über «weitere Massnahmen zur Verkehrsberuhigung» seien fürs erste Halbjahr 2019 geplant. Welche Massnahmen in Frage kommen, lässt Meier offen.

Erstellt: 03.01.2019, 11:25 Uhr

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