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«Apéros wird es hier nicht geben»

Seit Ende Oktober ist der neue Infopavillon beim Bruderhaus in Betrieb. Ruth Werren, die Präsidentin des Wildparkvereins, ist ganz begeistert vom Gebäude, von dem aus die jährlich 40 bis 50 Führungen durch den Tierpark starten.

Der Wildparkverein hat rund 200 Mitglieder. «Wir können aber noch mehr gebrauchen», sagt Ruth Werren.
Der Wildparkverein hat rund 200 Mitglieder. «Wir können aber noch mehr gebrauchen», sagt Ruth Werren.
Marc Dahinden

Wenn man dem Weg vom Wolfsgehege zum Restaurant zurückgeht, stutzt man kurz: Hinter dem grossen Fenster sitzt ein Kolkrabe, der mit dem Flügeln schlägt. Er ist ausgestopft, genau wie der Fuchs, der Dachs. die Krähe und das Wolfsjunge mit dem er sich die breite Fensterbank teilt.

Das Fenster gehört zum neuen Infopavillon des Wildparkvereins. Sonntagnachmittags ist er meistens fürs Publikum geöffnet. Man kann eines der Wolfsfelle in die Hand nehmen oder die einheimischen Tiere, die ausgestopft im Regal stehen, eingehend betrachten. Wo hat man sonst die Gelegenheit eine Schermaus, ein Igelbaby oder eine Waldohreule von Nahem zu betrachten?

Ruth Werren, die umtriebige Präsidentin des Wildparkvereins ist dann jeweils anwesend und gibt Auskunft über die Tiere des Wildparks. Am liebsten natürlich über den Wolf, der ohne sie niemals Platz im Bruderhaus gefunden hätte. Verständnis für den Wolf und andere wild lebende Tiere zu wecken ist für die 76-Jährige eine Herzensangelegenheit. Alles begann 2004 mit einem Besuch im Tierpark Langenberg und gipfelte 2008 in der Einweihung des Wolfgeheges im Tierpark Bruderhaus. Innerhalb kürzester Zeit hatte die damalige FDP-Gemeinderätin Stadt- und Gemeinderat von ihrer Idee für ein Wolfsgehege überzeugt und mit allerlei Aktionen das nötige Geld aufgetrieben. Ihre Leidenschaft beschäftigt ist inzwischen zum 30 Prozent Pensum geworden.

«Stimmt mich traurig»

Letzte Woche wurde im Wallis erneut ein Wolf illegal abgeschossen. «Das stimmt mich traurig», sagt Werren. Der Wolf ist 2014 wieder eingewandert. Im Gegensatz zum Luchs, der vor 20 Jahren erfolgreich wieder angesiedelt wurde, ist der Wolf aber von selber gekommen. Zurzeit hat es zwischen 20 und 30 Wölfe in der Schweiz. Die meisten umliegenden Länder haben 100 bis 300 Wölfe.

Sollte die Population in der Schweiz zunehmen, würde sie das freuen: «Dann kann man auch über eine vernünftige Regulierung diskutieren. Im Moment geniesse der Wolf in der Schweiz politisch noch etwas Schutz – doch gegen den illegale Abschüsse nütze auch dieser nichts. Werren sieht den Wolf aber nicht als possierliches Streicheltier: «Der Wolf ist ein Raubtier, er frisst kein Birchermüesli.» In der Schweiz hätte es durchaus Platz für Wölfe. Kein Verständnis hat sie für die Haltung der Walliser, die ihr einmal ein Bub auf einer Führung erläutert habe: «Schiessen, graben, schweigen».

Tasche mit «unseren» Wölfen

Hinter dem zweiten Fenster, in Richtung Mufflongehege, liegen Bücher über Wölfe, Kissen mit Wolfsporträts, Tassen und Servietten mit Wolf, Fuchs und Luchs, die man kaufen kann. Ganz neu sind die Einkaufstaschen mit einem Gruppenfotos der Winterthurer Wölfe. «Mein Ziel ist es, dass jeder Winterthurer so seine Tasche kauft», sagt Ruth Werren. Ausser im Pavillon werden die Taschen auch im Tourismusbüro und im Bruderhausrestaurant für 10 Franken verkauft.

Um das Foto zu machen habe die Tierfotografin Sandra Schweizer viel Zeit investiert, erzählt Werren. Auch der Kalender mit den anderen Wildparktieren stammt von Schweizer. Der Erlös aus dem Verkauf der Artikel fliesst direkt in die Kasse des Wildparkvereins, denn 15?000 Franken fehlen noch zur endgültigen Finanzierung des Pavillons. Dessen Bau hat 138?000 Franken gekostet. Davon kommen 50?000 aus dem Vereinsvermögen, die restlichen 88?000 Franken stammen aus Sammelaktionen, Artikelverkäufen und Standaktionen. 20 Hauptsponsoren haben je über 1000 Franken gezahlt.

Wissen statt Apéros

Die grossen Fenster waren der Bauherrin erst ein Dorn im Auge. Jetzt ist sie erfreut, wie schnell die Sonne im Winter den kleinen Raum aufheizt. Eine richtige Heizung gibt es nicht, nur einen Frostwächter der anspringt, bevor die Raumtemperatur in den Minusbereich geht. Damit die Exponate durch die Sonne keine Schaden nehmen sind die Fensterscheiben mit einer speziellen Folie beklebt, die man aber nicht sehen kann.

In der Hauptsache wurde der Pavillon für Führungsteilnehmer und auch Schulklassen gebaut, denen Ruth Werren hier nach oder vor einer Führung noch Wissen über die Wildtiere vermittelt. Ausreichend Stühle stehen in der Mitte des Raumes, an der Decke hängt ein Beamer, sodass auch Filme gezeigt werden können. Schon lange habe sie sich nach einem solchen Raum gesehnt, so Werren. Das Gebäude ist genauso ein Schulpavillon, wie er an vielen Schulen der Stadt zur Erweiterung steht. Die Idee für einen Pavillonbau stamme von Stadtrat Stefan Fritschi (FDP), ihrem Parteikollegen. Das Gebäude direkt an das Remise anzubauen, das war ein nützlicher Tipp vom Wildparkleiter Walter Jucker.

Der Pavillon soll nur der Wissensvermittlung dienen. «Apéros oder Ähnliches wird es auf keinen Fall geben» sagt Werren. Für Winterthurer Schulen sind die 90-minütigen Führungen durch den Tierpark kostenlos, private Gruppen zahlen 150 Franken. Dazu gibt es ein neues Angebot. Ruth Werren und Walter von Allmen geben für Kinder Kurse zu Themen rund um den Tierpark. Am 17. April heisst es: «Was macht eigentlich ein Tierpfleger?».

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