Stellenabbau bei Rieter

Auch Winterthurer Jobs in Gefahr

Die Maschinenfabrik Rieter baut weltweit 250 Stellen ab, in Winterthur könnten 30 Jobs verschwinden. Schuld sei der Wirtschaftskrieg USA-China. Das neue Hauptquartier will Rieter trotzdem bauen.

700 Personen arbeiten derzeit am Rieter Hauptsitz in Töss. In Zukunft dürften es einige weniger werden.

700 Personen arbeiten derzeit am Rieter Hauptsitz in Töss. In Zukunft dürften es einige weniger werden.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Communiqué zu den Geschäftszahlen 2018 kommt der Satz ganz hinten: Die «Massnahmen zur Kapazitätsanpassung und Kostensenkung», die Rieter ergreifen will, «umfassen auch einen Abbau von weltweit rund 5 Prozent der Stellen».

Bei etwas über 5000 Mitarbeitenden des Winterthurer Spinnereimaschinen-Herstellers sind das rund 250 Jobs, die wegfallen. Wie CEO Norbert Klapper präzisiert, sind vor allem «Weisskragen-Jobs» betroffen, also Büroangestellte, nicht Arbeiter.

«Wider die Abmachungen im Gesamtarbeitsvertrag, sind wir nicht vorab informiert worden»

Die Sparmassnahmen würden weltweit auf die Standorte verteilt. «In Winterthur gehen wir, nach aktuellem Wissen, von bis zu 30 Stellen aus», so Klapper. Derzeit arbeiten am Hauptsitz in Töss rund 700 Mitarbeitende im Management, Forschung, Vertrieb und Montage.

Der letzte harte Schnitt erfolgte Anfang 2016. Damals wurde die Produktion in Winterthur geschlossen, rund 200 Stellen verschwanden. Die Gewerkschaften erfuhren von den aktuellen Abbauplänen aus den Medien: «Wider die Abmachungen im Gesamtarbeitsvertrag, sind wir nicht vorab informiert worden», sagt Lorenz Keller von Unia.

«Kein Rieter-Problem»

«Es ist ein Marktproblem, kein Rieter-Problem», sagt Klapper zu den schlechten Zahlen. Zwar ist der Umsatz des Geschäftsjahrs 2018 erfreulich (1075 Millionen Franken, ein Plus von 11 Prozent), doch die Aussichten sind trüb.

Die Bestellungen sind gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent zurückgegangen und lagen mit 868 Millionen Franken wieder deutlich unter der Milliarden-Marke. Den Konkurrenten ergehe es derzeit ähnlich, sagt Klapper. Ein Hauptproblem ist China.

Dort war der Umsatz schon 2018 um fast 20 Prozent eingebrochen. «Die Kunden sind grundsätzlich optimistisch, aber alle warten ab, wie sich der Handelskrieg mit den USA entwickelt», sagt Klapper. Im Schlepptau Chinas ist auch Südostasien, Indien wartet die Wahlen ab und die Türkei steckt in einer regelrechten Krise, seit die Lira eingebrochen ist.

«Die Planungen für das Hauptquartier laufen unverändert weiter. Wir gehen davon aus, dass wir bauen werden.»

Und der Ausblick stimmt nicht zuversichtlicher. Fürs Geschäftsjahr 2019 erwartet Rieter einen «deutlichen Rückgang» bei Umsatz und Gewinn, weshalb die Kostensenkungen nötig seien. In Deutschland wurden entsprechende Schritte bereits umgesetzt, die Produktion wurde aus Ingolstadt ins tschechische Ústi nad Orlici verlagert, was 2019 eine «signifikante Kostensenkung» erlaube.

Gleichzeitig hat Rieter das freiwerdende Areal an einen Immobilieninvestor verkauft, was im laufenden Jahr rund 60 Millionen Franken in die Kasse spülen soll.

Definitiver Entscheid steht noch aus

Ein ähnlicher Vorgang ist auch in Winterthur geplant. Hier will Rieter die verbliebenen Arbeitsplätze in einem modernen Neubau konzentrieren. Der «Rieter Campus» wäre rund 30000 Quadratmeter gross. Die restlichen zwei Drittel des Firmenareals würden für eine Neuentwicklung frei.

Im Herbst gab Rieter bekannt, dass die Winterthurer BDE Architekten den Wettbewerb für den Neubau gewonnen haben. Ob er gebaut wird, entscheidet der Verwaltungsrat in der zweiten Jahreshälfte. Dass das Projekt angesichts der derzeitigen Flaute verzögert oder abgeblasen wird, glaubt Rieter-Sprecher Bernd Junkers nicht: «Die Planungen laufen unverändert weiter. Wir gehen davon aus, dass wir bauen werden.»

Aktie bricht ein

Grundsätzlich hat Rieter 2018 durchaus Geld verdient. Der Reingewinn lag bei 32 Millionen Franken. Die Marge (Ebit) liegt mit 4 Prozent allerdings deutlich tiefer als im Vorjahr und meilenweit entfernt vom firmeneigenen Mittelfrist-Ziel von 10 Prozent. Die Investoren goutierten diese Zahlen gar nicht, die Rieter-Aktie verlor heute fast zehn Prozent und ist nur noch etwa halb so viel wert wie vor einem Jahr.

Trotz aller Widrigkeiten investiert Rieter, nach eigenen Angaben Branchenleader bei den Spinnereimaschinen mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent, unverdrossen weiter in die technische Weiterentwicklung, besonders die Automatisierung (Industrie 4.0).

Fast 52 Millionen Franken flossen letztes Jahr in Forschung und Entwicklung, zwei Millionen mehr als im Vorjahr. An der wichtigsten Branchenmesse ITMA im Juni in Barcelona, die nur alle vier Jahre stattfindet, will Rieter mit Neuentwicklungen glänzen, welche die Verkäufe wieder ankurbeln sollen.

(Der Landbote)

Erstellt: 13.03.2019, 15:03 Uhr

Artikel zum Thema

Rieter plant Abbau von 250 Stellen

Winterthur Der Maschinenhersteller Rieter plant einen Stellenabbau im grossen Stil. Auch Winterthurer Mitarbeiter sind betroffen. Mehr...

Rieter leidet unter schwachem Marktumfeld

Wirtschaft Rieter hat 2018 einen deutlichen Rückgang bei den Bestellungen erlitten. Der Umsatz des Winterthurer Spinnereimaschinen-Herstellers ist aber gestiegen. Mehr...

Rieters gläserne Fabrik

Winterthur Die Maschinenfabrik Rieter will sich in Töss ein modernes Hauptquartier bauen. Jetzt ist klar, wie es aussehen soll: mit Spinn-maschinen im Schaufenster und einem verborgenen Park. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.