Industrie

Auf den Brexit bereitet man sich auch in Winterthur vor

Am 29. März gilt es nicht nur für das Vereinigte Königreich sondern auch für Zimmer Biomet ernst. Die Firma erwartet nach dem Brexit an verschiedenen Fronten Probleme.

Anspannung bei Zimmer Biomet: In Winterthur steht der europäische Hauptsitz des Medizintechnik-Unternehmens. Foto: Heinz Diener

Anspannung bei Zimmer Biomet: In Winterthur steht der europäische Hauptsitz des Medizintechnik-Unternehmens. Foto: Heinz Diener

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Zimmer Biomet bereitet sich auf Brexit-Szenarien vor, unter anderem werden Produktionsmaterialien gehortet. Die Medizinaltechnikfirma, die vor allem für ihre künstlichen Gelenke bekannt ist, hat ihren Hauptsitz in den USA, den Europa-Sitz mit rund 1000 Mitarbeitern in Winterthur, und seit Jahrzehnten einen grösseren Firmensitz im Vereinigten Königreich. Dort gibt es nicht nur Büros, an der Südküste von Wales produzieren 800 Mitarbeiter Knie- und Hüftgelenke, welche in die ganze Welt exportiert werden.

Wenn sich das Vereinigte Königreich, das neben Wales auch England, Schottland und Nordirland umfasst, am 29. März unreguliert von der EU trennt, rechnet Zimmer Biomet mit zahlreichen Problemen. Ein solcher harter Brexit würde bedeuten, dass der Handel mit Medizinalprodukten vorerst stark erschwert würde. Übrigens auch der direkte Handel zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich: Denn in diesem Bereich richtet sich die Schweiz bereits heute nach EU-Recht.

Brexit-Projekte gestartet

Ein grösseres Problem für die Firma wäre auch eine neue harte Grenze zwischen Irland und Nordirland. Denn die Produktionsstätte in Wales liefert Implantate heute auch direkt in die irischen Spitäler, was dann nicht mehr ohne weiteres möglich wäre.

«Wir tun unser Möglichstes, um den Status quo nach dem Brexit halten zu können.»

Zimmer-Sprecherin Anke Peters sagt zu den bevorstehenden Herausforderungen in Handelsfragen, es gebe derzeit schlicht zu viele Unbekannte. «Seit sich abzeichnet, welche Herausforderungen auf die Industrie zukommen könnten, arbeiten wir unter anderem im Branchenverband Swiss Medtech und bei Economiesuisse aktiv mit und sind mit den Behörden in der Schweiz und im Vereinigten Königreich im Gespräch.»

Auch praktische Vorkehrungen wurden bereits getroffen. So hat Zimmer Biomet die Lagerbestände für seine Produktionsmaterialien ausgebaut. Zudem wurden mehrere interne Brexit-Projekte gestartet, auch im Europa-Hauptsitz in Winterthur, wo unter anderem die Rechts-Abteilung des Unternehmens Zuhause ist.

Eine weitere Herausforderung ist die unsichere Zukunft sogenannter Prüfstellen, die im Prothesen-Geschäft eine sehr wichtige Funktion einnehmen. «Prüfstellen, die im Vereinigten Königreich ansässig sind, werden dort ihre Zulassung für den EU-Raum verlieren», sagt Anke Peters. Wie die Produktion in Wales genau davon betroffen sein wird, bleibt offen.

Mehrkosten und Mehraufwand

Peters bestätigt, dass die Vorbereitungshandlungen auch das tägliche Geschäft in Winterthur beeinflussen: «Wir tun unser Möglichstes, um den Status quo nach dem Brexit halten zu können. Das verursacht Mehrkosten und bindet personelle Ressourcen.»

Der Verbleib des Hauptsitzes in Winterthur werde aber in keinem Brexit-Szenario in Frage gestellt. Auch auf die Mitarbeiterzahl von rund 1000 Personen in der Stadt soll sich der Brexit nicht auswirken.

Tradition in der Stadt

Diese Nachricht dürfte bei der Winterthurer Politik für Beruhigung sorgen. Das Geschäft von Zimmer Biomet hat in der Stadt eine längere Tradition, die ehemalige Sulzer-Produktion von orthopädischen Implantaten existierte seit den frühen 1960er-Jahren. Zimmer Biomet hat zudem in den letzten Jahren Hunderte Stellen geschaffen und ist ein überaus relevanter Steuerzahler: Jährlich spült das Unternehmen nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag in die Stadtkasse.

Zimmer Biomet geriet vor genau zwei Jahren in die Schlagzeilen, als über die Unternehmenssteuerreform III abgestimmt wurde. Stadtpräsident Mike Künzle (CVP) nannte Zimmer Biomet mehrfach als Beispiel, warum ein Ja zur USR III für Winterthur so wichtig sei und sprach von einem «grossen Risiko», dass die Firma bei einem Nein Arbeitsplätze abbaue.

Das ist trotz dem resultierenden klaren Volks-Nein vom 12. Februar 2017 bisher nicht passiert. Momentan gebe es in der Sache nichts zu kommunizieren, heisst es bei Zimmer Biomet. Das Unternehmen hat derzeit ganz andere Probleme als eine Schweizer Steuerreform.

Erstellt: 15.02.2019, 14:25 Uhr

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