Mobilität

Auf Strasse oder Schiene: Wo pendelt man günstiger?

Wie gependelt wird, hängt stark von der Strecke ab. Ein Kostencheck aus Winterthurer Sicht.

Seit 2004 haben sich die Staustunden auf der A1 vervierfacht. Die grössten Pendlerströme von und nach Winterthur kommen aus dem Glattal, dem Thurgau und den angrenzenden Gemeinden. In die Stadt Zürich nehmen die meisten den Zug.

Seit 2004 haben sich die Staustunden auf der A1 vervierfacht. Die grössten Pendlerströme von und nach Winterthur kommen aus dem Glattal, dem Thurgau und den angrenzenden Gemeinden. In die Stadt Zürich nehmen die meisten den Zug. Bild: Michele Limina / Heinz Diener

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«Ein Zug-Abo? Sorry, aber das kann ich mir nicht leisten.» Ich konterte den Vorbehalt einer Freundin auf Anhieb zunächst vehement, überzeugt, dass man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln wesentlich günstiger fährt. Doch ich komme ins Stutzen. Sie fährt einen kleinen SUV mit Vierradantrieb, einfache Ausführung, 18-jährig, Occasion und mit fast 200'000 Kilometern auf dem Tachometer. Das sind alles gute Argumente für tiefe Kilometerkosten. Kommt hinzu: Die ÖV-Preise sind seit 1990 um über 50 Prozent gestiegen (das 1.-Klass-Generalabonnement gar um 85 Prozent), das Durchschnittsauto aber um nur gut 30 Prozent, das hatte der nationale Preisüberwacher bereits kritisch angemerkt. Die Kostenschere zwischen Auto und Zug geht langsam zu. Zahlt sich der Umstieg vom Zug aufs Auto aus Sicht der Winterthurer Pendlerinnen und Pendler tatsächlich bereits aus?

Ins Glattal mit dem Auto

Zunächst ein Blick auf die grössten regionalen Pendlerströme. Welches Verkehrsmittel dabei erste Wahl ist, hängt stark von der Strecke ab: Ins Glattal, ins Unterland und in die Ostschweiz sind etwa viermal mehr Auto- als Zugpendler unterwegs. In die Stadt Zürich wiederum pendeln dreimal mehr Leute mit dem Zug. Am meisten Bewegung herrscht auf der Ost-West-Achse: Gegen 70'000 Auto- und Zugfahrten pro Tag zwischen Winterthur und dem Glattal/Unterland beziehungsweise dem grenznahen Thurgau zählte der Kanton. Zürich–Winterthur retour sind es gut 60'000. Die Zahlen für den Fahrtenvergleich lieferte das kantonale Amt für Verkehr, das Stichproben von 2016 hochrechnete. Der regionale Pendler-Modal-Split ist inzwischen in einer sehenswerten interaktiven Grafik online abrufbar.

Die Strecken nach Wallisellen, Frauenfeld und Zürich sind mit 20 bis 25 Kilometern in etwa gleich lang. Sehr viele Winterthurer Autopendler legen also zwischen 40 und 50 Kilometer pro Tag zurück: unsere «typische« oder «mittlere Pendlerstrecke». Mit täglich 220'000 Fahrten sind die sogenannten Binnenpendler allerdings die grösste Gruppe, vorwiegend Autofahrer aus der Stadt und umliegenden Gemeinden. Allein zwischen Illnau-Effretikon und Winterthur – eine kurze Strecke von zweimal 10 Kilometern – wurden fast 10'000 Pendlerfahrten pro Tag registriert, 3 von 4 mit dem Auto. Sogar noch etwas mehr legen jeden Tag die Route Winterthur–Schaffhausen (29 Kilometer) zurück, unsere «lange Strecke». «Abgefahren» sind wir die drei Streckenlängen jeweils mit dem schweizweit meistverkauften Auto und dem beliebtesten Kleinwagen (Zur Kostenberechnung siehe Erklärung zur Tabelle links).

Grosse Abo-Preisspanne

Das Ergebnis zeigt: Verglichen mit der ÖV-Luxusvariante (1.-Klass-GA, Erwachsene), zahlt nur der Autopendler nach Schaffhausen mehr. Alle anderen gleich viel oder weniger, gemessen an den effektiv zurückgelegten Pendler-Kilometern. Doch schon wechselt man in die 2. Klasse (3860 Fr.), fährt man selbst auf kurzen Strecken 25 Prozent günstiger als mit dem einem VW Polo oder Fiat 500. Mit dem ZVV-Netzpass, eine beliebte Variante, die alle Zonen im Kanton abdeckt, wird es sogar weniger als halb so teuer. Ohnehin sind die Preisspannen beim ÖV gross: Nach Effretikon kommt man mitunter mit 1150 Franken weg (drei Zonen).

Und alte Occasionen?

Die zusätzlichen Freizeitkilometer miteingerechnet, fällt die Rechnung noch viel deutlicher zu Lasten des Autos aus. Wer mit unserem Durschnitts-Kombi nach Wallisellen pendelt, kommt dann auf rund 9500 Franken pro Jahr. Fazit: Aufs Jahr gerechnet ist Autofahren nach wie vor deutlich teurer, auf die effektiven Pendlerkosten heruntergebrochen nicht zwingend.

Der hier verwendete TCS-Kostenrechner gilt nur für Neuwagen. Komplizierter wird es bei Occasionen. Die Anschaffungs- wie auch die Verbrauchskosten sind bereits deutlich tiefer sind. Zieht man zudem die Abschreibungskosten ab (10 Prozent) und den Teil, den man für das nächste Auto zur Seite legt (Amortisation, bis zu 30 Prozent), fällt das ins Gewicht. Dafür dürften die Servicekosten (8 Prozent) bei älteren Autos wiederum höher sein. Wer es genau wissen will: Der TCS bietet auch präzise individuelle Kostenberechnungen an. (Landbote)

Erstellt: 05.02.2019, 05:46 Uhr

Wann steigen Kilometerkosten beim Auto, und wann sinken sie?

Der Touring-Club Schweiz (TCS) bietet auf seiner Website ein einfaches Diagramm an, auf dem sich die Kilometerkosten nach Autopreisklasse und Fahrleistung ablesen lassen. Grundsätzlich gilt: Je teurer ein Auto, desto höher die Kosten pro Kilometer. In der Streckenspanne zwischen 5000 und 20000 Kilometern sinken die Kilometerkosten besonders stark, weil sich die Fixkosten über die Länge verteilen. Mit rund 62 Prozent sind sie der grösste Kostenblock. Dazu zählen Amortisation (30 Prozent), Parkieren (14), Versicherung (11) und Diverses wie Steuern (7). Daneben gibts die variablen Kosten: Benzin, Abschreibung oder der Service. Beim regionalen Pendlerkosten-Vergleich haben wir das meistverkaufte Auto der Schweiz (Skoda Octavia, Preisklasse 27000 Fr.) und den beliebtesten Kleinwagen (VW Polo, 17000 Fr.) berücksichtigt. Für das Musterauto rechnet der TCS mit Gesamtkosten von 10000 Franken pro Jahr.

Unter «kurz» fiele etwa die Strecke Winterthur–Illnau-Effretikon (hin und zurück 20 Kilometer). «Mittel» sind 40 Kilometer und «lang» 60 Kilometer, aufaddiert auf 233 Arbeitstage. In der obigen Tabelle aufgeführt sind nur die effektiven Kilometerkosten fürs Pendeln, ohne Freizeitkilometer.   

Beim ÖV geht die Preisspanne je nach Abo-Typ weit auseinander. Für unsere Kurzstrecke reicht ein 3-Zonen-Abo für 1150 Franken, nach Schaffhausen («lang») hingegen braucht es mindestens den Z-Pass mit 7 Zonen (2358 Fr.). Ein Generalabonnement für die 2. Klasse kostet 3860 Franken, für die 1. Klasse 6300 Franken.

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