Wirtschaft

Autoneum reagiert auf tiefrote Zahlen

Letztes Jahr brach der Gewinn ein, für 2019 erwartet Autoneum gar einen Verlust im hohen zweistelligen Millionenbereich. Obwohl die Autozulieferin neu in Winterthur zur Mobilität von morgen forscht, will sie hier am Hauptsitz 15 Stellen streichen.

Um Kosten zu sparen, will Autoneum an der Konzernzentrale in Töss 15 Stellen abbauen.

Um Kosten zu sparen, will Autoneum an der Konzernzentrale in Töss 15 Stellen abbauen. Bild: Marc Dahinden

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Das Jahr begann schlecht für Autoneum und wurde immer schlimmer. Der schrumpfende Automarkt und insbesondere das schwächelnde Geschäft in Nordamerika, wo die Autozulieferin letztes Jahr immerhin noch 41 Prozent ihres Umsatzes machte, setzen dem Unternehmen seit längerem zu. Fürs Jahr 2018 wies es zwar noch einen Gewinn von 75 Millionen Franken aus. Dies entspricht aber bereits einem Rückgang von rund 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Im Laufe des Jahres häuften sich dann die schlechten Nachrichten: Im März verhängte der Konzern für seinen Hauptsitz in Töss einen Einstellungsstopp. Im Juli musste das Unternehmen fürs erste Halbjahr rote Zahlen vermelden. Und im Oktober kam es aufgrund der anhaltenden Lieferprobleme in zwei US-Werken zum Führungswechsel: Als CEO folgte Matthias Holzammer auf Martin Hirzel, der die Firma 2011 von Rieter abgespalten und danach acht Jahre geleitet hatte. Kurz darauf löste dann Bernhard Wiehl den Bisherigen Martin Zwyssig als Finanzchef ab.

«Der Grossteil des Verlustes geht auf Wertberichtigungen auf Anlagen in Nordamerika zurück»Anahid Reinmann, Sprecherin Autoneum

Am Montagmorgen musste das Unternehmen, das an der Börse gehandelt wird, seine dritte Gewinnwarnung ausgeben und einräumen, dass alles noch schlimmer als gedacht ist. Zu diesem Schluss kam die neue Konzernleitung nach einer Analyse des serbelnden Geschäftsbereichs Nordamerika. So stellte sie fest, dass sich die Probleme nicht, wie bis anhin angenommen, auf die beiden US-Werke und Lieferprobleme beschränkten. Darum sei ein «umfassendes Turnaround-Programm» nötig. «In Werken in den USA, Kanada und Mexiko muss unter anderem die Auslastung verbessert werden», beantwortet Autoneum-Sprecherin Anahid Rickmann die Frage nach dem weiteren Vorgehen. Weiter gelte es, die Logistik zu optimieren und Produktionsausschüsse zu reduzieren.

Hoher Verlust erwartet

Aufgrund der Neubewertung der Lage erwartet Autoneum fürs laufende Geschäftsjahr einen hohen zweistelligen Millionenverlust. Neben dem Verlust aus dem operativen Geschäft trugen vor allem einmalige Abschreibungen auf Maschinen zum Konzernverlust bei: «Der Grossteil des Verlustes geht auf Wertberichtigungen auf Anlagen in Nordamerika zurück», so Rickmann.

Ursprünglich wollte das Unternehmen bis 2021 zu einem «gesunden Profitabilitätsniveau» zurückkehren. Dieses Ziel musste nun um ein Jahr nach hinten verschoben werden. Die abermals schlechten Nachrichten kamen bei den Anlegern nicht gut an. Die Aktie sackte gestern um 11 Prozent ab und war bei Börsenschluss noch 106 Franken wert. Zum Vergleich: Zu ihren besten Zeiten im Januar 2018 war die Aktie über 300 Franken wert.

Stellenabbau und Neuzuzug

Um Kosten zu sparen, sollen von den insgesamt 215 Stellen in Winterthur 15 gestrichen werden. Und dies möglichst über die natürliche Fluktuation sowie die Reduktion von Pensen. «Wir werden aber auch Kündigungen aussprechen müssen», so Rickmann. Die Gespräche darüber hätten bereits begonnen. Trotz Stellenabbau stellt sie klar: «Der Standort Winterthur wird nicht infrage gestellt.»

So soll das Kompetenzzentrum für neue Mobilität vom kalifornischen Sunnyvale nach Winterthur verlagert werden. Es wurde vor zwei Jahren gegründet, um an neuen Lösungen im Akustik- und Wärmemanagement für die «Mobilität von morgen» zu forschen, wie es damals in einer Mitteilung hiess. Damit sind etwa selbstfahrende Autos sowie Elektrofahrzeuge gemeint.

«Einigen wenigen Mitarbeitern des Kompetenzzentrums ist angeboten worden, zukünftig in der Forschungs- und Entwicklungszentrale in Winterthur zu arbeiten.»

Dass die Aktivitäten des Zentrums neu in Winterthur angesiedelt werden, bedeutet aber nicht, dass hier neue Jobs entstehen. Es handelt sich wohl eher um eine Verlagerung: «Einigen wenigen Mitarbeitern des Kompetenzzentrums ist angeboten worden, zukünftig in der Forschungs- und Entwicklungszentrale in Winterthur zu arbeiten.»

Ursprünglich habe das Zentrum der Zusammenarbeit mit Unternehmen aus dem Silicon Valley gedient, die damals den Einstieg in die Automobilbranche beabsichtigten, sagt Rickmann, ohne Namen zu nennen. Da sich diese inzwischen zurückgezogen hätten, brauche es auch das Zentrum nicht mehr. Am Forschungs- und Entwicklungszentrum in Winterthur soll nun weiter an Lösungen für die neue Mobilität geforscht werden. Mit den neuen respektive höheren Abzügen für Forschung und Entwicklung, welche die AHV-Steuer-Vorlage vorsieht, habe der Umzug indes nichts zu tun.

Erstellt: 10.12.2019, 09:28 Uhr

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