Winterthur

Axa springt als Sponsor von Ganser ab

Der Versicherungskonzern Axa zieht sich zurück als Sponsor eines Vortrags des umstrittenen Historikers Daniele Ganser. Man teile nicht alle seine Positionen zu 9/11, heisst es.

Historiker Daniele Ganser wird oft als Verschwörungstheoretiker kritisiert.

Historiker Daniele Ganser wird oft als Verschwörungstheoretiker kritisiert. Bild: Christoph Kummer

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Vier Vorträge zum Thema Energiewende sind in Winterthur ­geplant. Den Auftakt sollte Ende Monat der Energie- und Friedensforscher Daniele Ganser machen. Doch nun wird dessen Vortrag aus der Reihe ausgelagert, die Vortragsserie hat offiziell nur noch drei Redner. Grund dafür ist die Hauptsponsorin, die Versicherung Axa. Diese hat sich kürzlich entschieden, ihre Unterstützung auf die restlichen drei Redner zu beschränken. Ausschlag­gebend waren wachsende Be­den­ken, ob das Unternehmen sich als Plattform für den kontrovers diskutierten Ganser und damit in­direkt für seine Theorien engagieren soll, heisst es in der Antwort der Axa. So vertrete Ganser in der Öffentlichkeit auch Positionen zu den Ereignissen in New York am 11. September 2001, denen die Axa sehr kritisch gegenübersteht. «Ich habe ein gewisses Verständnis für diesen Entscheid», sagt Daniel Bühler, Präsident der Veranstalterin «Eine Welt» und bekannt als Afro-Pfingsten-Organisator. Trotzdem sei er erstaunt über die Polemik, die um Ganser entstanden sei. «Ich habe ihn selber schon zweimal gesehen und seine Vorträge als sehr spannend erlebt.» Ganser werfe Fragen auf. Er sei nicht unumstritten, aber es gelte, die Meinungsfreiheit zu respektieren. «Man sollte niemandem den Dialog verweigern», findet Bühler.

Ganser selber ist überrascht, dass ein Sponsor abgesprungen ist: «Das habe ich noch nie erlebt.» Gerade Versicherungen sollten doch Interesse daran haben, «den Terroranschlag nochmals gründlich zu durchleuchten».

Schon mal Knatsch um Logos

Für Bühler bedeutete der Rückzug von Axa einen Mehraufwand in der Kommunikation. Am Betrag, den die Axa als Sponsorin zahlt, ändere sich nichts, da dieser für die gesamte Veranstaltungsreihe gelte. Auch das Casinotheater hatte sich bei Bühler gemeldet und darauf hingewiesen, dass das Theaterlogo ebenfalls auf den Tickets des Ganser-Vortrags zu sehen sei. Dies wolle man nicht, unter anderem deshalb, weil nur ein Redner, Ernst Ulrich von Weizsäcker, im Casinotheater auftrete.

Immer noch hinter Ganser steht der Architekt und Baubiologe Bosco Büeler, der sich im Vorfeld für dessen Auftritt starkgemacht hatte. Mit seiner Internetplattform Gesundes-haus.ch ist Büeler nun der alleinige Sponsor von Gansers Auftritt in Winterthur. «Es ist für uns kein Risiko, wenn wir einen der wenigen kritischen Referenten einladen», sagt Bosco Büeler auf Anfrage. Er kenne Ganser und seine Arbeit seit Jahren. «Es wäre dringend nötig, wenn wir viele solche Menschen hätten, die sich nicht von den Grossen und Mächtigen instrumentalisieren lassen», so Büeler. Der Nachfrage nach Gansers Auftritt tut dies keinen Abbruch. Das Interesse sei gross, heisst es bei den Veranstaltern.

Vor einem Jahr war Ganser das letzte Mal in Winterthur. Auch damals gab es Knatsch um die Logos auf den Tickets. Zu sehen war das Logo von Winterthur Tourismus (heute: House of Winterthur). Eine Gemeinderätin fand dies stossend und stellte eine Anfrage an den Stadtrat. Dessen Antwort: Mit dem Winterthurer Logo werde bloss auf den Veranstaltungsort hingewiesen. (Landbote)

Erstellt: 12.02.2018, 10:30 Uhr

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