Winterthur

BDP verschwindet von der Bildfläche

Am Montag gab Yvonne Gruber bekannt, dass sie sich der FDP-Fraktion nicht nur anschliesst, sondern gleich in die FDP übertritt. Zwischen Gruber und der BDP herrscht Eiszeit.

Yvonne Gruber (r.) stiess am Samstag mit dem bürgerlichen Komitee auf den Wahlsieg von Michael Künzle an – als frischgebackene FDP-Gemeinderätin.

Yvonne Gruber (r.) stiess am Samstag mit dem bürgerlichen Komitee auf den Wahlsieg von Michael Künzle an – als frischgebackene FDP-Gemeinderätin. Bild: facebook/Forum Winterthur

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«Die BDP begeht Selbstmord.» So lautet einer der Kommentare in den sozialen Medien zum Parteiwechsel Yvonne Grubers. Tatsächlich ist die BDP trotz knappem Sitzgewinn bei den Wahlen wegen Grubers Manöver künftig im Grossen Gemeinderat nicht mehr präsent.

Dem Übertritt in die FDP voraus ging ein Zerwürfnis Grubers mit ihrer Partei. Nach vier Jahren in der EVP-Fraktion stellte Gruber fest, dass sie sich eigentlich der FDP näher fühlte als der EVP und beschloss ohne Rücksprache mit der Partei, sich der FDP anzuschliessen.

«Wir waren klar der Meinung, dass es keinen Grund für Gruber gibt, die gute Zusammenarbeit mit der EVP aufzukünden.»Rosemarie Quadranti,
Präsidentin der kantonalen BDP

Die Kantonalpartei hatte jedoch andere Pläne. «Wir haben ein Wörtchen mitzureden bei der Frage, welcher Fraktion sich die BDP-Politikerinnen anschliessen. Und wir waren klar der Meinung, dass es keinen Grund gibt, die Zusammenarbeit mit der EVP aufzukünden», sagt Rosmarie Quadranti, Präsidentin der BDP Kanton Zürich. Die EVP habe Gruber vor vier Jahren als Neuling aufgenommen und stets unterstützt.

«Sie konnte viel lernen.» Zudem arbeite man auch anderen Ebenen mit der EVP zusammen. «So etwas gibt man nicht einfach auf. Doch Gruber sah dies anders», sagt Quadranti.

«Profil gewinnen»

Gruber bestätigt, dass die Kantonalpartei ihre Pläne nicht goutierte, sich der FDP anzuschliessen. Verständnis dafür hat sie jedoch nicht. «Ich wollte der BDP helfen, an Profil zu gewinnen und sich klar bürgerlich zu positionieren.» Doch die Hilfe wurde nicht geschätzt, vielmehr beantragte die Kantonalpartei deswegen sogar ihren Parteiausschluss.

«Ein wenig ein schlechtes Gewissen habe ich gegenüber der Partei und den Wählern schon.»Yvonne Gruber,
Gemeinderätin FDP

Gruber kam einem Entscheid jedoch zuvor und trat selber aus der BDP aus und in die FDP ein. «Ein wenig ein schlechtes Gewissen habe ich gegenüber der Partei und den Wählerinnen und Wähler schon. Ich habe lange mit mir gerungen, sah aber keine andere Lösung.»

Quadranti hält fest, es sei nicht so, dass die BDP ein Problem mit der FDP habe. «Das ist nicht unsere Aussage, es gibt selbstverständlich Berührungspunkte mit der FDP, aber wir haben gegenüber der EVP eine gewisse Verpflichtung.» Sie betont zudem, der Sitz gehöre weiterhin der BDP. «Tritt Gruber zurück, rückt wieder ein BDP-Mitglied nach.»

Eine Winterthurer Sektion der BDP gibt es nicht. Verantwortlich für die hiesige BDP ist Kantonsrat Marcel Lenggenhager. Für ihn ist klar: «Die BDP Winterthur ist nicht tot.» Mit Irene Morueco sei die BDP zum Beispiel in der Schulpflege vertreten.

«Gruber ist für uns kein Verlust. Ich frage mich, ob sie die BDP-Linie überhaupt kannte»Marcel Lenggenhager
BDP-Kantonsrat

Wahrnehmen wird man die BDP in Winterthur jedoch kaum mehr. Lenggenhager räumt auch ein, die Personaldecke für Ämter sei dünn. «Aber der Sitzgewinn hat gezeigt, dass die Mittepolitik der BDP in Winterthur Wähler findet.» Er ist zuversichtlich, dass man den Sitz in vier Jahren verteidigen kann. «Wir haben den Sitz dank der BDP gewonnen— nicht dank Yvonne Gruber.»

Lenggenhager und Gruber waren schon vor ihrem Wechsel keine Freunde. «Dass Gruber nicht mehr in der BDP ist, ist für uns kein Verlust. Ich frage mich, ob Gruber die BDP-Linie überhaupt kannte», sagt Lenggenhager. Und Gruber sagt über ihn: «Er wollte mich schon lange loswerden.»

FDP: Gespräche im Vorfeld

Vom Parteiknatsch profitieren kann die FDP. «Wir sind glücklich über diesen Sitz — jede Partei ist glücklich, wenn sie einen Sitz gewinnt», sagt FDP-Fraktionspräsident Stefan Feer.

Schon die Aufnahme in die Fraktionsgemeinschaft erfolgte jedoch nicht ganz ohne Bedingungen. Es gab mehrere Gespräche im Vorfeld. «Wir hatten beobachtet, dass Gruber bei der EVP häufig nicht mit der Fraktion stimmte. Bei der FDP ist die Fraktion enger geführt und wir wollten sicher gehen, dass sie sich bei uns eingliedern kann.»

Dass die eigentlich bürgerliche BDP nun so heftig reagiere, findet Feer «ein bisschen schräg.»

«Sie war keine grosse Stütze»

Die ehemalige Partnerin EVP wurde von Grubers Wechselentscheid überrascht. «Wir haben nicht damit gerechnet. Sie erklärte sowohl vor als auch nach den Wahlen, sie wolle bei uns bleiben», sagt EVP-Fraktionspräsidentin Lilian Banholzer.

Entsprechend enttäuscht ist sie über Grubers Vorgehen. «Sie hat uns gegenüber nicht offen kommuniziert.» Ein schmerzlicher Verlust sei ihr Abgang nicht: «Sie war keine grosse Stütze, inhaltlich wird es nun fast einfacher, die Fraktion zu führen.»

(Der Landbote)

Erstellt: 17.04.2018, 17:22 Uhr

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