Winterthur

«Belästigungen gehören in Clubs und Bars zum nächtlichen Alltag»

Die Code-Frage «Isch d Luisa da?» soll es Frauen im Ausgang erleichtern, Hilfe zu erhalten, wenn sie ­belästigt werden. Winterthurer Clubs führen das Konzept als erste in der Schweiz ein.

Das Treiben in Clubs ist nicht immer nur fröhlich. Belästigte Frauen sollen sich künftig leichter Hilfe holen können.

Das Treiben in Clubs ist nicht immer nur fröhlich. Belästigte Frauen sollen sich künftig leichter Hilfe holen können. Bild: pixabay

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Sie wollen Frauen in Clubs besser vor sexueller Belästigung schützen – mit einem Code. Wie funktioniert das genau?
Kajo Böni*: Wenn eine Frau bedrängt wird, kann sie sich mit der Code-Frage «Isch d Luisa da?» an das Personal wenden. Das weiss dann sofort, was zu tun ist. Wir bringen die Frau an einen geschützten Ort und handeln dann gemäss ihrem Wunsch, rufen also zum Beispiel ein Taxi oder informieren das Sicherheitspersonal.

Konnten Frauen das denn bisher nicht?
Doch. Aber die Betroffenen müssen sich jetzt nicht mehr gross erklären und auch nicht darüber nachdenken, wie sie am besten vorgehen sollen. Zudem erregen sie kein grosses Aufsehen. Belästigungen gehören in Clubs und Bars zum nächtlichen Alltag. Oft melden Frauen die Belästigungen aber nicht, da Übergriffe oft mit Scham behaftet sind oder sie sich überfordert fühlen.

Wie konkret wissen Sie Bescheid über sexuelle Belästigung in Winterthurer Clubs? Führt die Clubvereinigung, für die Sie sprechen, eine Statistik?
Nein, und darum geht es auch nicht primär bei «Luisa». Wir möchten mit dem Projekt einfach ein klares Statement machen: Belästigungen werden bei uns nicht toleriert. So wollen wir auch ein Sicherheitsgefühl vermitteln.

«Oft melden Frauen die Belästigungen nicht, da Übergriffe mit Scham behaftet sind oder sie sich  überfordert fühlen.»

Kajo Böni

In Deutschland und Grossbritannien gibt es die Kampagne schon länger. Wissen Sie, ob sie erfolgreich ist?
Nein, wir kennen keine konkreten Zahlen.

Wie hat man Situationen mit Belästigung bisher in der Winterthurer Clubszene gelöst?
Das war je nach Club unterschiedlich. Das ist auch ein Vorteil der Kampagne, dass wir ein einheitliches Schema einführen, wie man richtig reagiert. Im Vordergrund steht dabei nicht, den Täter zu identifizieren, sondern dem Opfer zu helfen.

Die Kampagne betrifft nur Frauen. Was ist mit Übergriffen auf Männer?
Die sind natürlich auch ein Thema und ich habe mir diese Frage ebenfalls gestellt. Die Kampagne wurde zwar für Frauen konzipiert. Aber wenn ein Mann nach Luisa fragt, werden wir genau gleich reagieren.

Sind Übergriffe auf Frauen im Ausgang das grössere Problem als Gewalt unter Männern?
Übergriffe auf Frauen finden einfach oft subtiler statt. Gewalt gegenüber Männern ist meistens öffentlicher, da sind wir sofort präsent und können reagieren, allenfalls auch mit einem Hausverbot oder einer Anzeige.

Sehen Sie keine Gefahr, dass die Code-Frage missbraucht wird?
Sicher, es kann sich jemand einen Spass daraus machen – das ist aber vor allem kindisch. Oder es kann natürlich auch sein, dass ein Mann angeschwärzt wird, der nichts gemacht hat. Aber das ist ja das Gute an der Kampagne, dass sie nicht primär darauf abzielt, den Täter zu identifizieren.

Wenn Frauen nichts sagen, weil das Personal mehrheitlich männlich ist, ist die Situation mit der Code-Frage nicht gelöst.
Das ist in Winterthur sicher nicht das Problem. An den Bars arbeiten mindestens zur Hälfte Frauen. Das trifft im Salzhaus, aber auch in den meisten anderen Clubs zu.

Zehn Winterthurer Clubs machen mit. Wie machen Sie die Kampagne bekannt?
In den Clubs weisen Kleber im Eingangsbereich und Plakate in den Frauen-WCs darauf hin.


*Kajo Böni ist Teil der Salzhaus-Geschäftsleitung. Er spricht indiesem Interview stellvertretend für die Bar- und Clubvereinigung, die «Luisa» in Winterthur lanciert hat. (Der Landbote)

Erstellt: 12.10.2017, 11:12 Uhr

Kajo Böni ist Geschäftsleitungsmitglied im Salzhaus.

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