Flitzer

Bendrits Mentor aus Winterthur

Facebook-Star Bendrit Bajra spielt an der Seite von Beat Schlatter in «Flitzer» den schlitzohrigen Coiffeur Kushtrim, der ein lukratives Wettgeschäft betreibt. Im richtigen Leben vertraut Bendrit in allen geschäftlichen Fragen einem Winterthurer, Sado Maksuti.

Erfolgsduo:  Facebooker und Filmstar Bendrit (rechts) mit seinem Winterthurer Manager Sado Maksuti.

Erfolgsduo: Facebooker und Filmstar Bendrit (rechts) mit seinem Winterthurer Manager Sado Maksuti. Bild: zvg

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Morgen startet die Mundart-Komödie «Flitzer» von Beat Schlatter in den Kinos. Mit dabei sind alle, die in der Schweizer Fussball- und TV-Welt Rang und Namen haben, etwa die TV-Experten Gilbert Gress und Rainer Maria Salzgeber oder FCZ-Boss Ancillo Canepa. Und dann ist da der leicht pummelige Facebook-Star Bendrit Bajra aus Schwamendingen, der über sich selbst sagt: «Sport isch für mich wie e Droge. Und ich säge Nei zu Droge.»

Bendrit, heute 21, avancierte als Teenager zum ersten Schweizer Social-Media-Star. Über 200 000 Abonnenten folgen ihm auf Facebook und Grossfirmen wie Samsung, Emmi oder Western Union zahlen viel Geld, um mit ihm zu werben. In kurzen Filmchen auf Facebook nimmt er bevorzugt die Unterschiede zwischen Schweizern und Ausländern auf die Schippe – und sich selbst.

Eines von Bendrits Facebook-Filmchen.

«Flitzer» ist Bendrits erster Kinofilm. «Zum ersten Mal überhaupt musste ich Texte auswendig lernen», sagt er. Seine Facebook-Sketches seien sonst immer improvisiert, das Erbe einer Schulzeit, die er mehr vor der Tür als im Zimmer verbrachte. Die Rolle von Kushtrim, einem sprücheklopfenden albanischem Coiffeur, der in seinem Salon ein florierendes Geschäft mit illegalen Sportwetten betreibt, sei ihm auf den Leib geschrieben: «Kushtrim, das bin quasi ich, nur mit anderem Kostüm.»

«Ohne Sado wäre das Video machen für mich ein Hobby geblieben.»Bendrit Bajra,
Social Media-Star

Vom weissen Lamborghini, den Kushtrim im Film fährt, war er allerdings nicht so begeistert: Die Federung sei zu hart, das Lenkrad zu klein und zu schwergängig. Über Autos kann man mit Bendrit lange reden. Er ist nicht nur gelernter Autoverkäufer, er besitzt auch selbst vier Stück und verbringt seine Freizeit, wie viele seiner jungen Landsleute, gerne in der Waschanlage.

Die Winterthur-Connection

Ins Winterthurer «La Pergola» kommt er mit seinem Alltagsauto, einem weissen BMW X6. Der Wirt begrüsst Bendrit wie einen alten Freund. Er holt die Kamera und macht Bilder für seine Facebook-Seite. Und er bedankt sich, dass sein Sohn bei der Vorpremiere von «Flitzer» in Dietlikon auf dem Sitz neben Bendrit sitzen durfte. Zum Essen eingeladen hat Sado Maksuti (41), Bendrits Manager seit seinen Anfangstagen.

Maksuti war einst einer der grössten Party-Organisatoren des Landes und brachte Stars wie Pitbull, Bushido oder DJ Antoine nach Winterthur – und oft auch ins «Pergola». Heute hat er der Partywelt den Rücken gekehrt und ist im Immobiliengeschäft tätig. Bendrit betreue er aus «Leidenschaft». Längst verbinde sie eine Freundschaft.

«Ich habe die Leute entdeckt, bevor sie ihren grossen Durchbruch hatten.»Sado Maksuti, 
Bendrits Manager

«Ohne Sado wäre das Videomachen für mich heute bloss ein Hobby», sagt Bendrit. Maksuti entdeckte ihn, als er erst wenige Dutzend Follower hatte. «Ich hatte mich gewundert, worüber meine beiden Töchter ständig lachen», erzählt er. «Sie zeigten mir die Videos und ich sah: Das hat Potenzial.» Schon damals im Nachtleben sei es so gewesen: «Ich habe die Leute entdeckt, bevor sie ihren grossen Durchbruch hatten.»

Er kontaktierte Bendrits Vater. Der war überrascht, aber rasch war man sich einig. Zwei Bedingungen hatte Maksuti gestellt, erinnert sich Bendrit. «Dass ich die Lehre zu Ende mache und dass ich keine Drogen nehme, auch keinen Alkohol.» Das fiel ihm leicht: «Ich habe in meinem Leben erst einmal etwas getrunken. Ich mag den Geschmack nicht.»

Worüber er keine Witze macht

Am Abend des Treffens ist Bendrits Gesicht auf der Titelseite des «Blick am Abend»: «Bendrit macht Behinderte hässig», steht da. Es geht um einen Spruch, den Filmfigur Kushtrim dem von Beat Schlatter gespielten Kunden an den Kopf wirft: «Deine Idee ist geistig behindert.» Die Formulierung habe er selbst vorgeschlagen, sagt Bendrit, die Filmfigur sollte klingen wie jemand im richtigen Leben reden würde. Sich über Menschen mit Behinderungen lustig zu machen, würde ihm nicht einfallen, sagt er. «Auch das ist eine Regel, die wir vereinbart haben», sagt Maksuti. Witze über Rasse, Behinderung oder sexuelle Ausrichtung sind Tabu.

Viele Junge träumen von einer Karriere auf Youtube, Facebook oder Instagram. Dass es bei ihm klappte, sei ein Stück weit Glück gewesen, sagt Bendrit, aber auch das Verdienst Maksutis. «Er hat mir gezeigt, dass man sich etwas konzentrieren muss, und dass es eine gewisse Regelmässigkeit braucht. Ein Sponsor muss wissen, in welchem Zusammenhang sein Produkt erscheint.» Von Klicks alleine lebt man nicht, Geld bringen Sponsorings.

Warum Leute wie er für Werbekunden so interessant geworden sind, werde ihm klar, wenn er über seinen eigenen Medienkonsum nachdenke. «Wie die meisten Jungen gucke ich eigentlich nie Fernsehen, ausser Fussball.» Auf Facebook kann man sein Publikum zudem passgenau zusammenschneidern. «Der Autohändler, bei dem ich arbeite, wirbt nur via Facebook: Wir platzieren Inserate in unserem Einzugsbereich und je nach Auto bei unterschiedlichen Zielgruppen. Für Schweizer den Hyundai, für junge Albaner den BMW.»

«Sich immer neu erfinden»

Eine andere Regel, die ihn Maksuti lehrte: Du musst dich immer neu erfinden. Auf die Facebook-Videos folgten Kolumnen, Auftritte auf Stand-up-Bühnen und jetzt ein Kinofilm. Und dann? «Ich würde gerne weitere Rollen spielen», sagt Bendrit. Auch ernsthafte. Bendrit im «Tatort»? «Warum nicht? Wenn ich von etwas begeistert bin, mache ich es hundert Prozent und denke vierundzwanzig Stunden am Tag an nichts Anderes, gehe auch nicht mehr in den Ausgang.»

Obwohl er sich längst eine eigene Wohnung leisten könnte, und dank Maksuti auch Gefallen am Immobiliengeschäft entwickelt hat, wohnt Bendrit bei seinen Eltern. «Die Leute machen gerne Witze darüber, dass wir Shipis so lange zuhause wohnen», sagt Bendrit. «Aber man spart eine Menge Geld und das Essen deiner Mutter kann niemand je ersetzen.»

(Der Landbote)

Erstellt: 10.10.2017, 17:12 Uhr

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