Mobilität

Bereit für die abgasfreie Revolution

Ohne Emissionen, leise und günstig im Unterhalt: Elektroautos sind auch in der Schweiz auf dem Vormarsch. Laut Experten bremsen verschiedene Steckertypen das Wachstum. In Winterthur scheint dieses Problem weniger ausgeprägt.

Hier sind die Stromtankstellen in der Stadt Winterthur. Klicken Sie auf die roten Punkte, um zu erfahren, wo Sie Ihr Elektroauto aufladen können.


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Leise rollt das Elektroauto durch die Strassen. Nur gelegentlich ist beim Beschleunigen ein leises Surren zu hören. Spätestens seit der Lancierung des «Tesla sind Elektroautos auch in der Schweiz angekommen. 2014 zählte das Bundesamt für Statistik rund 4450 Fahrzeuge mit rein elektrischem Antrieb. Letztes Jahr waren es bereits etwa 7500 Autos. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 60 Prozent.Im Verhältnis zu Benzinfahrzeugen ist der Anteil bis heute allerdings immer noch gering. 2015 waren 4,46 Millionen Personenwagen zugelassen. Elektroautos haben somit lediglich einen Anteil von 0,17 Prozent. Je länger je mehr drängen aber neue, günstige Modelle auf den Markt und machen Elektroautos auch für die Massen erschwinglich. Das Problem: Ncht in jedem Elektrofahrzeug ist der gleiche Steckertyp eingebaut. Daher kann auch nicht jedes Auto an jeder Stromtankstelle aufgeladen werden.

Einkaufen und Strom tanken

«Typ 1», «Typ 2», «CEE Rot» oder «Combined Charging» — um bei den vielen Ladesteckern den Überblick zu behalten, helfen Internetseiten wie «Chargemap». Dort ist ersichtlich, wo ein kompatibler Stecker vorhanden ist. Gemäss den Übersichtskarten existieren in Winterthur viele der gängigen Anschlusskabel.

Der Detailhändler Lidl beispielsweise stellt den Kunden vor der Filiale in Töss eine Stromtankstelle mit drei Kabeln für alle gängigen Modelle zur Verfügung. Dort laden pro Tag im Schnitt fünf Kunden ihre Autos auf. «Erfahrungsgemäss beträgt die durchschnittliche Ladezeit 25 Minuten», sagt Sprecherin Corina Milz. Die Stromtankstellen seien ein echtes Kundenbedürfnis. In den nächsten Wochen wird auch die Filiale in der Grüze mit einer Ladestation ausgerüstet.

Strom laden nur in der Not

Auch beim Restaurant Concordia in Veltheim sind Elektroautos kostenlos auftankbar. «Die Ladestation ist aber grundsätzlich für Gäste vorgesehen, die auch etwas bei uns konsumieren», sagt Inhaber Nik Gugger. An den zwei verschiedenen Steckern sind im Schnitt vier Fahrzeuge pro Tag angeschlossen.

Die Garage Hutter Auto bietet ebenfalls offene Ladestationen an. Diese würden aber nur sporadisch genutzt. «Fahrer von Elektroautos planen in der Regel gut voraus, wann sie Strom nachladen müssen», begründet Didier Brägger, Geschäftsführer der Hutter Auto Rietbach. Von der Zukunft der elektrischen Mobilität ist er überzeugt: «Der Anteil steigt kontinuerlich. Heute ist bereits jedes dreissigste von uns verkaufte Auto elektrisch.»

In Winterthur scheint es also Ladestationen für alle Steckertypen zu geben. Das Problem scheint zudem kleiner als angenommen, wie die Erfahrungen von drei Autobesitzern zeigen (siehe unten). Und wer Geld in ein Adapterset investiert, kann künftig an jeder Ladestation tanken.

Das Taxi mit «Tesla-Effekt»

Paul Sommer fährt einen Tesla Model S. Allerdings nicht zum Spass, sondern im «Dienst». Er ist Taxifahrer des Winterthurer Unternehmens Taxi Capa. Wobei Sommer mit dem Tesla deutlich mehr Spass bei seinen Fahrten hat: «Das Auto ist super und ich muss nie bremsen, sondern nur den Fuss vom Gaspedal nehmen.» Nach zwei bis drei Tagen habe er sich an die neue Fahrweise gewohnt.

Ende Juni hat Taxi Capa den Tesla in seine Flotte von fünf Fahrzeugen aufgenommen. Damit fahren Sommer und seine Arbeitskollegen 80 Prozent der Touren innerhalb der Stadt. «Ein Elektroauto macht da absolut Sinn, weil es emissionsfrei ist und ich es während meinen Pausen an einer Stromtankstelle aufladen kann.» Das tut Sommer vorzugsweise in Hegi neben dem Hauptsitz von Taxi Capa oder in Töss.

Einen gewissen «Tesla-Effekt» kann Sommer bestätigen. Es gebe Kunden, die explizit danach fragen würden. Ein Vater beispielsweise habe seinem Sohn einmal eine 30 minütige Fahrt geschenkt. «Es ist speziell, wie sich vor allem junge Leute mit den technischen Details auskennen.» Ansonsten sind es vor allem Business-Kunden. «Wir hatten schon Gäste, die nach unserer Visitenkarte fragten, damit wir sie am Nachmittag zurück an den Flughafen bringen konnten.»

Privat fährt Sommer ein Benzinauto. «Es ist eine starke Umstellung — ich habe immer das Gefühl, etwas sei kaputt.» Ein Tesla sei viel ruhiger und angenehmer zu fahren. In den nächsten Jahren will der amerikanische Autobauer Tesla Motors weitere Modelle auf den Markt bringen, die günstiger und für die breite Masse erschwinglich sein sollen. Sommer wartet schon gespannt auf den Tesla 4. «Auch meine Frau will dann auf ein Elektroauto umsteigen.» (dob)

Elektrisch in die Ferien

Daniel Glenck und seine Familie verbrachten ihre Ferien im letzten Sommer im hohen Norden. Über 3500 Kilometer legten sie mit ihrem elektrisch angetriebenen Renault Zoé zurück. Die Reise führte mit dem Autozug nach Hamburg und von Dänemark aus quer durch Skandinavien. Trotz der grossen Distanz hatten Glenck und seine Familie dabei keine Probleme. «Ich hatte mich vorgängig erkundigt, wo es Ladestationen gibt. Und die skandinavischen Länder sind ja sowieso ein Paradies für Elektroautos.»

Gekauft hat Glenck seinen Renault Zoé im letzten April. «Mich interessieren Technik und Modernes generell, darum habe ich mein altes Benzinauto eingetauscht.» Im Alltag pendelt der Kantonsschullehrer beinahe täglich von seinem Wohnort Winterthur nach Bülach. Dies in erster Linie wegen der Flexibilität — «mit dem Zug bräuchte ich praktisch gleich lange».

Geladen wird das Elektroauto meistens während der Nacht. Glenck hat dafür eine Steckdose in der Tiefgarage. Für längere Reisen hat er ein Zweitkabel mit Adaptern dabei. «Damit kann ich mein Auto an alle Steckdosen anschliessen.» Gängige Ladestationen benutzt Glenck deshalb nur selten.

Ein Reichweitenproblem hatte er nie wirklich. «Zu Beginn klebt man förmlich an der Anzeige, doch mit der Zeit kennt man den Verbrauch des Autos und beachtet sie nicht mehr so häufig.» Der Wert sinke bei Elektroautos sowieso zu Beginn stärker, damit man am Schluss genug Reserve habe und die Batterie nicht plötzlich leer sei.

Kaufinteressenten empfiehlt Glenck, das Elektroauto mehrere Tage zu mieten. «Eine Probefahrt mit dem Verkäufer einer Garage reicht dafür nicht aus. Man sollte das Elektroauto auf den gängigen Strecken testen und auch in der Nacht damit herumfahren.» (dob)

«Benziner nerven mich»

Seit diesem Mai fährt Fredy Künzler einen Kia Soul EV. Meistens ist dieser im Familienalltag für Einkäufe und Ausflüge im Einsatz. Für den kurzen Weg ins Büro im Stadtzentrum benutzt der Winterthurer SP-Gemeinderat sein Elektroauto eher selten: Meistens ist er mit dem Fahrrad oder zu Fuss unterwegs.

Sein Elektroauto lädt Künzler hauptsächlich nachts an der eigenen Ladestation in der Tiefgarage seines Reihenhauses auf. «Das Kabel dazu habe ich selber mit einem Kollegen eingezogen. Der Elektriker musste es am Ende nur noch anschliessen.» Die Umstellung vom Benzin- zum Elektroauto war für Künzler kein Problem. Da die Reichweite aber deutlich kleiner sei als vorher, müsse er nun etwas mehr planen, wann er sein Auto auflade. «Daran habe ich mich aber schnell gewöhnt.» Um eine Tankstelle mit passendem Anschluss zu finden, nutzt Künzler die Smartphone-App Chargemap. Mit dieser können auch die Nutzer ihre Erfahrungen teilen und neue Stromtankstellen melden.

Ein grosser Unterschied besteht laut Künzler auch beim Fahrspass, der bei einem Elektroauto grösser sei. «Wenn ich in den Ferien im Ausland einen Benziner fahren muss, nervt das.» Das merke man spätestens bei einer Probefahrt. «Wenn du 30 Minuten mit einem Elektroauto herumgefahren bist, willst du nachher nicht mehr zurück.» Die Anschaffungskosten seien zwar höher, dafür sei sein Auto günstiger im Unterhalt.

Auch in Sachen Energieeffizienz ist Künzler mit seinem Kia Soul EV glücklich. Sein Elektroauto verbrauche rund dreimal weniger Energie als ein Benziner: «Mein Modell benötigt auf 100 Kilometern rund 15 Kilowattstunden Strom.» Das sind umgerechnet weniger als zwei Liter Benzin. (dob) (Landbote)

Erstellt: 13.12.2016, 15:32 Uhr

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