Kleinpartei

Beten? «Nein, wir sind keine Kirche»

Die EVP hat sich zur Juniorpartnerin von SP und Grünen gemacht und tendiert nun doch wieder zur Mitte hin. Wer soll diesem Kurs folgen? Parteipräsidentin Barbara Günthard Fitze erklärt ihn.

«Wir haben mit dem Wechsel der Mehrheit unser Ziel erreicht. jetzt möchten wir den Ausgleich suchen», sagt Barbara Günthard Fitze, Präsidentin der EVP Winterthur.

«Wir haben mit dem Wechsel der Mehrheit unser Ziel erreicht. jetzt möchten wir den Ausgleich suchen», sagt Barbara Günthard Fitze, Präsidentin der EVP Winterthur. Bild: PD, EVP

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Vor den Wahlen positionierte sich die EVP klar und eindeutig im sozialökologischen Lager. Deutlicher als je zuvor, richtig?
Barbara Günthard Fitze: Wir sind schon seit Jahren ökologisch orientiert. Soziale Themen hatten es in den letzten vier Jahren eher schwer, und deshalb haben wir mit den Grünen und der SP auf einen Wechsel hingearbeitet.

Und jetzt, da Ihre Seite die Wahlen gewonnen hat, unterstützt die EVP nicht die linke Kandidatin fürs Stadtpräsidium, sondern den bürgerlichen Amtsinhaber. Das müssen sie erklären.
Wir hatten darüber eine grosse Diskussion. Wir haben mit dem Wechsel der Mehrheit eigentlich erreicht, was wir anstrebten. Jetzt suchen wir den Ausgleich.

Jetzt also wieder ein Richtungswechsel der EVP zur Mitte hin?
Ja. Wir finden, Mike Künzle hatte sich in den letzten vier Jahren stark an der Wirtschaft orientiert, in den zwei Jahren zuvor war das nicht so stark. Jetzt muss er sich nur schon wegen der neuen Mehrheit wieder zur Mitte hin bewegen. Und das finden wir gut, das wollen wir unterstützen.

In Finanzfragen erlebten wir die EVP vor zwei, drei Jahren als gar nicht so links, sondern zur bürgerlichen Mitte hin tendierend...
Ja, das stimmt...

...aber diese Woche hielt Barbara Huizinga namens der EVP ein flammendes Votum gegen eine Schuldenbremse. Warum das?
Zum Thema Schuldenbremse wurde zwar sehr viel diskutiert, aber es kam zu keinem guten Ende. Wir fragen uns stets: Was nützt der Stadt effektiv? Und wir kamen zum Schluss: Eine solche Schuldenbremse bringt der Stadt zu wenig. Es ist meines Erachtens keine Frage von links oder rechts, sondern ein sachlicher Entscheid. Es geht uns um die Sache und um die Menschen hier.

Sie selber politisieren im Kantonsrat, wo die EVP klein und in einer schwierigen Situation ist.
Ja, das ist so, wir sind acht von total 180 Kantonsräten und gehören, wenn man so will, zu den Linken. Aber es geht häufig darum, bürgerliche Regierungsräte zu stützen, weil ihre eigenen Parteien das nicht tun. Beim Wassergesetz etwa, das ist unglaublich.

«Wir haben die bessere Basis als die CVP mit ihren 300 Mitgliedern.»Barbara Günthard Fitze

Sprechen wir noch übers Personal der EVP: Maja Ingold und Nik Gugger haben sich aus der Lokalpolitik verabschiedet, Sie selber durften nicht als Stadträtin kandidieren, weil Ihr Bruder der Mann von Barbara Günthard ist. Wer kommt nach? Ist es schwierig nach Guggers Dominanz?
Wir müssen als kleine Partei sicher besser schauen, wer was kann, und wer das alles leisten will. Solche Persönlichkeiten, wie wir sie hatten, sind hilfreich, aber sie sind wie wir alle nicht ewig.

Reicht Ihre Basis, um stets neue Kräfte zu finden? Wie viele Mitglieder hat die EVP Winterthur?
Ich weiss es ganz genau: 132 Mitglieder. Und ich würde sagen: Wir haben die bessere Basis als die CVP mit ihren 300 Mitgliedern.

Warum die bessere Basis?
Eine bessere Wählerbasis, meine ich: Wir haben wieder vier Sitze, die CVP trotz des Stadtpräsidenten und ihrer Grösse nur drei.

Wer wählt EVP? Landeskirchliche Kreise, freikirchliche Leute?
Beides. Und man sieht bei den Panaschierstimmen, dass wir tendenziell mehr Stimmen bei SP und Grünen holen als von der rechten Seite. Aber natürlich haben wir schon primär Wählerinnen und Wähler, die einen Bezug zu christlichen Werten haben.

Gibt es keine Abgrenzung zu den Freikirchen? Seit kurzem ist mit Sämi Müller ein Freikirchen-Pastor in der EVP-Fraktion.
Die Freikirchen sind sehr heterogen, bunt gemischt. Da hat es alles: SP-Wähler genauso wie SVP- oder FDP-Wähler. Und natürlich auch viele EVP-Wähler.

Betet man in der EVP jeweils vor Versammlungen und Treffen?
Nein, wir sind keine Kirche. (Landbote)

Erstellt: 21.03.2018, 15:31 Uhr

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