Aadorf

Biber nagen Sichtschutz ab

Einst durch die Jagd ausgerottet, verbreitet sich der Biber heute durch seinen Schutz ungehindert. Einige Anwohner der Überbauung Buchwiese stören sich anden Schäden des Nagetiers.Denn die durch die Schädenverursachten Kosten müssen sie selbst tragen.

Um Stämme gewickelte Gitternetze?sollen Bäume und Pflanzen nun vor den Bibern schützen.

Um Stämme gewickelte Gitternetze?sollen Bäume und Pflanzen nun vor den Bibern schützen. Bild: Patrick Gutenberg

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Ende des 19. Jahrhunderts gab es in der Schweiz keine Biber mehr. Sein Fell, Fleisch und das sogenannte Bibergeil – ein als Universalheilmittel gepriesenes Sekret – waren begehrt und so geriet der Biber oftmals ins Fadenkreuz.Seit 1962 ist der Biber in der Schweiz geschützt, wenige Jahre zuvor fanden die ersten Wiederansiedlungen statt. Im Kanton Thurgau wurden dann 1968 neun norwegische Biber angesiedelt. Verbreiteten sie sich anfangs nur zaghaft, ist die Population seit der Jahrtausendwende sprunghaft angestiegen. Auf 600 Biber schätzt die Jagd- und Fischereiverwaltung des Kantons Thurgau den aktuellen Bestand.

«Das läuft aus dem Ruder»

Je mehr Biber, desto mehr Kontakte mit Menschen. Das sorgt für Konflikte. Die im Fluss Lützelmurg, zwischen dem Bahnhof und dem Buchwiesen-Quartier in Aadorf, ansässigen Nagetiere sind nicht bei allen beliebt. Der Biber «fällte» dort die Hecken, die den Anwohnern als Sichtschutz zum Bahnhof dienen. Die Meinungen im Quartier gehen jedoch auseinander. Eine Anwohnerin, deren Stauden angeknabbert wurden, sagt: «Das gehört zur Natur, mit denen muss man einfach leben.» Andere, die ebenfalls Schäden an ihrem Grundstück erleiden mussten, sehen es weniger positiv: «Das läuft aus dem Ruder», sagt ein Anwohner und verweist auf die starke Populationsentwicklung in den letzten Jahren. «Wie viele haben wir wohl in den nächsten Jahren?» An einer kürzlich durchgeführten Infoveranstaltung forderte ein Anwohner ausserdem eine Entfernung der Biber aus dem Wohngebiet. Dass allerdings nicht nur der Biber, sondern auch seine Bauten geschützt sind, macht die Lage nicht einfacher.

Verständnis und Tipps

Michael Vogel, Biberverantwortlicher des Kantons Thurgau, muss bei solchen Konflikten vermitteln. «Der Biber hat eine wahnsinnige Schaffenskraft», sagt er. Ausserdem sei er sehr anpassungsfähig, er könne seinen Lebensraum durch Bautätigkeit entsprechend anpassen. «Alles, was ein Biber braucht, ist ein Gewässer und ein wenig Nahrung.»

Vogel hat Verständnis für den Ärger der Anwohner und gibt Empfehlungen ab: «Man muss sich fragen, was man schützen will, und sollte diese Pflanzen eingittern, um sie so zu erhalten.» Alles könne aber nicht sinnvoll geschützt werden. Ein Abschuss der Biber wäre theoretisch nach einer Einwilligung des Bundesamts für Umwelt möglich, dazu muss aber ein «unzumutbarer Schaden» nachgewiesen werden. Laut Vogel konnte in Aadorf allerdings «kein entsprechender monetärer Schaden» ausgewiesen werden.

Grössere Artenvielfalt

Laut Jagdgesetz werden zurzeit nur Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Kulturen von Bund und Kanton vergütet. Eine von SVP-Kantonsrat Paul Koch eingereichte Motion will auch Schäden an der Infrastruktur – wie etwa von Bibern untergrabene Wege oder Strassen – vergüten lassen. Für Schäden an Pflanzen in Privatgärten hat diese Bestrebung jedoch keine Auswirkungen.

«Kritische Stimmen gab es in Aadorf von Beginn weg, aber der Biber geniesst durch seine herzige, putzige Art anfangs oft auch Sympathien», sagt Vogel. Die ökologische Bedeutung des Bibers in den Gewässern sei jedoch gross. Der Bach ist laut Vogel dann natürlich nicht mehr so aufgeräumt, wie das «ordnungsliebende Mitbürger» gerne hätten, biete dafür aber Platz für unzählige Kleinstlebewesen. «So trägt der Biber als sogenannte Schlüsselart sehr viel zur Artenvielfalt bei.»

Erstellt: 18.07.2016, 22:59 Uhr

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