Comeback

Biber und Schnuppern bescheren der Pfadi einen Boom

Jahrelang war die Pfadi im Krebsgang. Dank Schnuppertagen und der neuen Biberstufe steigen die Mitgliederzahlen wieder.

Rund 600 Kinder nahmen vor einer Woche in der Breite am Regionstag der Pfadi Winterthur teil; am Samstag ist Schnuppertag.

Rund 600 Kinder nahmen vor einer Woche in der Breite am Regionstag der Pfadi Winterthur teil; am Samstag ist Schnuppertag. Bild: Julian Ledergerber

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Zuerst ein Outing, eine Offenlegung der Interessenbindung: Der Pfadiname des Schreibenden war Pfyl. Ich war Mitglied bei Diviko und dort im Trupp Marsegg. Den Truppruf könnte ich heute noch, schreie ihn aber nicht mehr jeden Samstag aus voller Kehle. Doch ich erinnere mich nicht ungern an jene Zeit. An die Foulardkämpfe, das Krokizeichnen, an das Morsen mit Taschenlampen, das zwar kaum je zu einer verständlichen Meldung führte, aber das meiste des Morse-ABCs für immer ins Hirn einbrannte. Ich gestehe: Ich war fast ein Vollblut-Pfadfinder. Nur den Frass, so nannte man damals das, was aus den Pfadi-Küchen kam, mochte ich nicht besonders.

Die Pfadi, das zeigt die nationale Statistik, kam Jahre später in die Krise. Zwischen 1995 und 2010 sank die Mitgliederzahl von gut 60000 auf 45000 Kinder und Jugendliche. Die Sportvereine boomten, Fussball vor allem, Games lockten vor grosse und kleine Bildschirme, Morsen und Marschieren waren out. Nochmals fünf Jahre später war der Tiefstpunkt erreicht mit 42000 Mitgliedern. Seither ist die Kurve wieder am Steigen, recht steil gehts sogar bergauf: Ein Plus von 12 Prozent innert vier Jahren, Stand Anfang 2019: 47065.

Kinder schon früh abholen

In der Pfadi Region Winterthur sehe es ähnlich aus, sagt Melanie Röthlisberger. Sie ist promovierte Sprachwissenschaftlerin, Jahrgang 1986 und Präsidentin des Vereins, also nicht ins Tagesgeschäft der regionalen Pfadileitung involviert. Cambia, so ihr Pfadiname, zeigt, dass die Mitgliederzahl innert sieben Jahren von 1300 auf über 1600 stieg.

Wie das? Gelang es, vermehrt Migrantenkinder abzuholen, was sich früher als schwierig erwies? «Es liegt wohl weniger daran, obwohl wir mit fügitiv eine Arbeitsgruppe haben, die sich für geflüchtete Kinder und Jugendliche engagiert», sagt Röthlisberger. Eher komme das Wachstum aus der neuen Stufe für die Kleinsten. Biber (und teilweise Fünkli) heisst die, schon Vier- und Fünfjährige können mitmachen. «So bringt man Kinder natürlich schon ganz früh in die Pfadi», sagt Röthlisberger. Mit sechs Jahren folgt dann die Wolfsstufe, ab 10 die Pfadi, ab 14 wird man Pio und ab etwa 17 Rover. «Die Einführung der Biberstufe hat sicher zum Mitgliederzuwachs beigetragen», bestätigt man auch auf der nationalen Pfadi-Zentrale in Bern, «ebenso die Einführung des nationalen Pfadi-Schnuppertags vor fünf Jahren».

Am Samstag ist Schnuppertag

Ein solcher Schnuppertag steht nun wieder vor der Tür, am Samstag, 23.März. Der Anlass findet natürlich draussen statt, die Informationen dazu finden sich aber auch bei der Pfadi online, auf www.pfadi.ch. Dort können Eltern die Postleitzahl eingeben und werden weitergeleitet zu den lokalen Abteilungen. Und man sieht einen Werbespot mit dem Fazit: Outdoor kann kein Sportler einem Pfadfinder das Wasser reichen.

Geschieht auch die Information über das An- und Abtreten mittlerweile übers Internet, oder ist weiterhin der Aushang im Schaukasten entscheidend? «Die meisten Abteilungen haben heute ihre eigene Homepage», sagt Cambia, und klärt Pfyl gleich noch über andere Neuerungen auf: «Das An- und Abtreten heisst heute Hoi Zäme und Tschüss, und statt Uniform sagen wir heute Pfadihemd.»

Erstellt: 21.03.2019, 16:45 Uhr

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