Label-Vergleich

Bio, aber wie klimafreundlich?

Nächste Woche eröffnet in Winterthur der zweite Alnatura-Shop mit viel Bio-Import-Ware aus Deutschland im Sortiment. Doch das EU-Bio-Label schneidet im Vergleich mit den anderen Gütesiegel deutlich schlechter ab.

Bei den Bio-Labels den Überblick zu behalten, ist für Konsumenten schwierig.

Bei den Bio-Labels den Überblick zu behalten, ist für Konsumenten schwierig. Bild: Madeleine Schoder

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Bio boomt, nach wie vor. Der Umsatz mit Bio-Lebensmittel wächst jährlich zwischen fünf und zehn Prozent. 2017 lag er bei 2,7 Milliarden Franken.

Fast jeden zehnten Franken geben die Schweizerinnen und Schweizer inzwischen für ökologisch produzierte Lebensmittel aus, die Zürcherinnen und Zürcher gar jeden siebten, zumindest bei der Migros.

Damit das Wachstum anhält, baut diese auch auf die Zusammenarbeit mit der deutschen Bio-Kette Alnatura. In diesem Jahr gehen drei neue Filialen auf, eine davon nächsten Donnerstag im Zentrum Neuwiesen, mit «5000 Produkten auf 500 Quadratmetern». Doch wie viel Bio steckt drin in den Alnatura-Produkten?

«Bedingt empfehlenswert»

Zunächst: Alnatura ist kein Gütesiegel per se, sondern eine deutsche Marke, die Bio-Produkte verkauft. Die meisten ihrer Produkte – von Ravioli bis zum Baby-Brei – wurden in Deutschland produziert und sind mit dem EU-Bio-Label zertifiziert, dem Blatt auf hellgrünem Grund, geformt aus weissen Sternchen.

«Die EU-Kriterien, die gelten, sind zu lasch und einige gar nicht erst definiert.»

Diese Produkte sind deutlich günstiger, werden aber nach tieferen Standards hergestellt. Das hat der Bio-Label-Vergleich von 2015 gezeigt (siehe Box rechts). Dort landete das EU-Bio-Label mit 83 von 200 Punkten auf dem letzten Platz, und schnitt selbst schlechter als Nachhaltigkeits-Gütesiegel wie UTZ (Kaffee, Kakao) oder MSC (Fisch).

Prädikat: «Bedingt empfehlenswert». Bewertetet wurde nach achtzehn Kriterien, darunter «Tierwohl» oder «Prozess und Kontrolle», aber auch «Soziales und Fairness». Eva Hirsiger von der Umwelt-Organisation Pusch fasst die Mängel der EU-Norm so zusammen: «Die Kriterien, die gelten, sind zu lasch und einige gar nicht erst definiert.»

Nicht definiert sind zum Beispiel soziale Standards, wie Anstellungsbedinungen auf den Betrieben und Plantagen, was vor allem bei Import-Gemüse und Früchten problematisch ist. Es wurden Fälle publik, bei denen in Spanien Erntehelfer auch auf Bio-Gewächshaus-Plantagen zu einem Tageslohn von 25 Euro schufteten. Auch Kriterien zur Biodiversität fehlen, weshalb hier gar das Zertifikat IP-Suisse besser abschneidet.

Und letzter Punkt: Das Label lässt es zu, dass man nicht den gesamten Hof auf Bio umstellt, sondern nur bei einzelnen Gemüsesorten, was die Öko-Bilanz verschlechtert. 2021 tritt europaweit eine neue Bio-Verordnung inkraft, allerdings ohne massgebliche Verschärfungen. Zwar gelten die Normen neu auch für Import-Ware. Wie gut diese im Ausland umgesetzt und kontrolliert werden, bleibt fraglich.

Knospe als Massstab

In der Schweiz gelten bei Demeter (158/200 Punkten) und der Knospe von Bio-Suisse (161/200) die strengsten Anforderungen, etwa beim Anbau: Bei der Knospe müssen mindestens sieben Prozent des bewirtschafteten Landes als Öko-Ausgleichsfläche ausgewiesen werden.

Klimaschädliche Importe von Obst und Gemüse per Flugzeug sind nicht erlaubt, ebenso wenig Ware, die auch in der Schweiz wächst. Coop Naturaplan (168/200) und Migros Bio (141/200) richten sich nach der Knospe. Bei der Migros-Pressestelle betont man zudem, dass man in den Alnatura-Shops auch Demeter, Knospe und andere Bio-Labels erhältlich sind.

Knackpunkt «Klima»

Insgesamt zogen die Autoren des Bio-Label-Vergleichs ein positives Fazit: Die Hälfte stuften sie als «ausgezeichnet» oder «sehr empfehlenswert» ein. Beim Faktor «Klima und Energie» schnitten die meisten Labels aber eher schlecht ab. Kriterien zum Klimaschutz und zur Energieeffizienz fehlten oder waren zu allgemein formuliert.

Kürzere Transportwege, Verzicht auf synthetischen Dünger, energieeffizientere Gewächshäuser oder Solarstrom wären Ansätze, um die Bilanz zu verbessern. Doch die Labels scheinen, wenn überhaupt, seither nur leicht nachgebessert zu haben (siehe Vergleich unten). Wie gut tatsächlich, zeigt sich nächstes Jahr. Dann soll auf labelinfo.ch ein aktueller Vergleich aufschaltet werden.

Welche Bio-Labels schneiden im grossen Bio-Vergleich wie gut ab?

Quelle: labelinfo.ch (2015)

Erstellt: 29.03.2019, 17:57 Uhr

Labels im Vergleich

2015 verglichen die Organisationen Pusch, WWF, Heks und der Konsumentenschutz 31 schweizweit verbreitete Bio- und nachhaltige Lebensmittelabels.

Dies anhand der Kategorien «Ökologie und Soziales» (100) und «Prozesse und Kontrolle» (60) und «Management» (40 Punkte), mit jeweiligen Teilkriterien wie «Biodiversität», «Tierwohl» oder «Transparenz». Infos unter www.labelinfo.ch.

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