Winterthur

Bistro statt Tiefgarageneinfahrt

Das Café-Bistro Caliente wird seit zwei Jahren von jungen Leuten geführt und hat sich zu einem richtigen Quartiertreff entwickelt.

Die Caliente-Besitzer Katja und Dario Ristagno.

Die Caliente-Besitzer Katja und Dario Ristagno. Bild: Enzo Lopardo

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Wenn man die schnurgerade Wartstrasse Richtung Wülflingen herunterfährt, fällt einem unweigerlich das kleine Haus aus den 40er Jahren ins Auge. Wie ein Nagelhaus hat es sich neben den neuen Blocks behauptet. Wäre es es nach der Bauherrschaft gegangen, wäre das Caliente im Jahr 2014 mit der alten Überbauung abgerissen worden. Ur­sprüng­lich war hier ein Le­bens­mittelgeschäft, später dann lange Zeit eine Schreinerei. Bis sich der Vorbesitzer hier seinen Traum von der eigenen Beiz verwirklichte.

Der inzwischen verstorbene Mann, ein Schweizer mit italienischen Wurzeln, hat dem Caliente auch den spanischen Namen gegeben. Eigentlich sollte hier die Einfahrt der Tiefgarage für die 60 Wohnungen hinkommen. Weil er mehr geboten hat und weil er das Bistro im Sinne des Vorbesitzers weiterführen wollte, hat Dario Ristagno den Zuschlag bekommen und nicht das Immobilienunternehmen. Inzwischen sind alle Beteiligten aber zufrieden, wie es gekommen ist und sehen im Caliente auch eine Aufwertung für die neuen Wohnungen.

Klassische Kochlehre

Der 33-Jährige Ristagno war auf das Bistro aufmerksam geworden, weil er schon seit zehn Jahren im Restaurant Ombra, an der Ecke Blumenau- /Wülflingerstrasse wirtet. Seit gut zwei Jahren führt er jetzt erfolgreich das Caliente. Unterstützt wird er dabei von seiner Freundin Catia Lopes. Inzwischen hat sich das Bistro zu einem richtigen Quartierteff entwickelt. «Das Caliente hat eine unglaubliche gute Ausstrahlung und ist ein echter ein Mehrwert für das Quartier», sagt eine junge Frau , die im Garten gerade einen Espresso trinkt.

Ursprünglich war hier nur ein Café-Bistro mit Bar geplant. Inzwischen hat es sich anders entwickelt, das Caliente bietet an sechs Tagen in der Woche Pizza an. «Ich bin eigentlich mehr der klassische Gastronom und habe immer gesagt: Pizza oder Kebab mache ich nie», sagt Ristagno lachend. Er hat Koch gelernt und die Hotelfachschule absolviert. «Nachdem wir Vincenzo kennenlernten, hat sich das geändert.» Vincenzo Genovese hatte früher ein Pizzamobil und zähle halb Winterthur zu seine Bekannten.

Gemischtes Publikum

Der Pizzaiolo habe eigentlich schon immer mit dem Vorbesitzer etwas zusammen auf die Beine stellen wollen, dazu sei es aber nie gekommen. «Vincenzo ist einfach authentisch in dem was er macht und konnte mich überzeugen», sagt Ristagno. Er hat den 68-Jährige Pizzaiolo kurzerhand angestellt und der kümmere sich sehr selbständig auch um das «ganze Drumherum».

Ristagno legt Wert darauf, dass das Caliente ein Café-Bistro mit einer guten Pizza und keine Pizzeria ist. «Die Leute sollen bei sich wohlfühlen, wenn sie nur etwas trinken», bekräftigt Catia Lopes nach. Das Publikum scheint sehr durchmischt, bei unserem Besuch sitzen auf der Terrasse ältere Damen beim Kaffee, ein junges Paar teilt sich eine Pizza während drinnen ein Stammgast beim Bier seine Zeitung liest.

EM auf der Terrasse

«Das Quartier hat uns sehr gut aufgenommen», sagt Ristagno. Dafür hätten sie auch einiges unternommen. Die EM wird auf der Terrasse gezeigt und eine 1. Augustfeier steht auch an. Letzten Sommer wurde ein Wildschwein am Spiess gebraten und dreimal imJahr ein Flohmarkt veranstaltet. «Damit verdienen wir nichts, das ist mehr um mit Leuten in Kontakt zu kommen.» Kontaktpflege sei vor allem die Aufgabe von Catia Lopes. Die gelernte Krankenschwester hat gerade ihre Stelle bei der Spitex in Uster gekündigt und will sich jetzt mit vollem Einsatz der Gastronomie widmen. «Die Berufe haben einige Parallelen», sagt die 27-Jährige. Zum Beispiel auf Menschen einzugehen und deren Bedürfnisse erahnen.

(landbote.ch)

Erstellt: 08.06.2016, 11:34 Uhr

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