Winterthur

«Borkenkäfer fängt an, sich auszubreiten»

Der oberste Stadtförster Beat Kunz erklärt im Interview, wo im Kampf gegen die Hitzewelle die Grenzen liegen und welche Probleme sich erst jetzt zuspitzen werden.

Die Baumpflege-Teams von Stadtgrün kontrollieren, wie sehr die Bäume unter der Hitze gelitten haben, wie hier im Adlergarten.

Die Baumpflege-Teams von Stadtgrün kontrollieren, wie sehr die Bäume unter der Hitze gelitten haben, wie hier im Adlergarten. Bild: PD

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Herr Kunz, Stadtgrün musste bereits zwei alte Buchen umtun, deren ausgetrockneten Kronenteile abzubrechen drohten. Haben Sie mit solchen Notfällungen gerechnet?
Beat Kunz: Ja, das mussten wir und das müssen wir weiterhin, wenn die Dürreperiode anhält.

Waren es zufällig Buchen oder ist diese Baumart besonders anfällig auf Hitze?
Grundsätzlich sind bereits geschwächte, verletzte und alte Bäume mit Pilzbefall oder faulen Stellen in Stamm, Ästen oder Wurzeln am anfälligsten auf zusätzlichen Stress, den die Hitze bringt. Aber ja, Rotbuchen sind besonders anfällig. Sie brauchen genug Feuchtigkeit, ihr Holz fault scheller und mit ihrer relativ dünnen Rinde bekommen sie schneller Sonnenbrand, das heisst, die Rinde vertrocknet und platzt ab.

Wie häufig ist die Buche in den Parks, entlang der Promenaden und im städtischen Forst?
Bei den 13 000 Bäumen auf Siedlungsgebiet, die der Stadt gehören, sind es rund 800 Stück. Im Wald aber ist sie mit etwa 30 Prozent der klar der häufigste Laubbaum.

Dann ist man alarmiert bei Stadtgrün, oder?
Es gibt keinen Grund zur Panik, aber natürlich legen unsere Baumpflegeteam und überhaupt unsere rund 60 Mitarbeitenden, die draussen täglich im Einsatz sind, die Priorität auf die Kontrolle der Bäume, die zuerst einmal rein äusserlich stattfindet. Um Wasser zu sparen, schliessen die Bäume zuerst ihre Spaltöffnungen an Blättern und und Nadeln, damit weniger Wasser verdunstet. Dadurch wird die Photosynthese reduzert, sprich die Energieproduktion. Fehlt noch mehr Wasser fallen dann die ersten Blätter und später Äste oder ganze Kronenteile, weil die Energie fehlt, diese zu ernähren. Das Holz wird spröde und es kommt zu Rissen. Wir kontrollieren die Bäume von Auge auf solche Anzeichen.

«Eine 25 Meter hohe Buche verdunstet mehrere hundert Liter Wasser pro Tag.»Beat Kunz, Leiter Stadtgrün Winterthur

Mussten Sie bei den Baumpflegeteams kurzfristig aufstocken?
Das können wir leider nicht, und auch der Normalbetrieb bei Stadtgrün muss weiterlaufen. Aber die Prioritäten haben sich natürlich verschoben.

Nützt es etwas, die Bäume zu bewässern?
Den Jungbäumen haben wir für die ersten Jahre Wassersäcke umgehängt oder wässern sie regelmässig. Bei grossen, alten Bäumen, wie sie in den Parks stehen, wären die Wassermengen aber schlicht zu gross. Eine 25 Meter hohe Buche verdunstet mehrere hundert Liter Wasser pro Tag. Die wenigen kurzen Regengüsse der letzten Tage ändern nichts an der allgemeinen Lage.

Was in den städtischen Gärten, Rasen und Blumen-Rabatten noch zu retten?
Das hängt stark davon ab, wie sonnenexponiert sie gelegen sind. Viel genutzte Schul- und Sportrasen und Parks werden natürlich gewässert. Aber viele andere Rasen sind braun, hier zum Beispiel, an der Kreuzung St. Georgen-Strasse/Lindstrasse, wo ich gerade stehe.

Und in den Stadtwäldern?
Einige Bäche sind ausgetrocknet. Den Rosentalbach bei den Walcheweihern mussten wir zusätzlich wässern, um die Steinkrebse vor den hohen Wassertemperaturen und dem Vertrocknen zu schützen. Bei Amphibien ist das natürlich nicht möglich. Gelbbauchunken beispielsweise schützen sich, indem sie sich vergraben. Auch um grössere Säugetiere wie Rehe oder Wildschweine muss man sich keine Sorgen machen. Sie sind mobil und finden Wasserstellen, zum Beispiel an der Töss. Wir müssen also nicht extra Tränken oder Futtertröge aufstellen oder dergleichen.

Einem Tierchen kommt die Hitze und das viele Totholz leider sehr gelegen: Dem Borkenkäfer.
Das ist leider so, er vermehrt sich unter den Fichtenrinden unter diesen Umständen leider besonders stark, auch in Winterthur. Es sieht schwierig aus. Im Eschenberg haben wir letzte Woche 21 Käfernester entdeckt, aber es sind vermutlich bedeutend mehr Bäume befallen. Wir haben bereits begonnen, das Käferholz zu fällen. Es gibt viel zu tun.

Auf dem Uetliberg kam es letzten Dienstag zu einem kleineren Waldbrand. Wie akut ist die Waldbrandgefahr in Winterthur?
Nach wie vor akut. Es herrscht stadtweit nach wie vor absolutes Feuerverbot. Solange es so trocken bleibt, muss man daran festhalten. (Landbote)

Erstellt: 09.08.2018, 16:05 Uhr

Beat Kunz, Leiter Stadtgrün Winterthur (Bild: jb)

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