Winterthur

Brühlgut-Stiftung hat Defizit – und schafft neue Stellen

Die Brühlgut-Stiftung hat eine einschneidende Reorganisation hinter sich. Nun sind bereits Korrekturen nötig. Chef Andreas Paintner über das grosse Defizit, einen verlorenen Grossauftrag und ein wundersames Stellenwachstum.

Arbeiten trotz Beeinträchtigung: Trotz Defizit soll es in der Brühlgut-Stiftung nicht zu Entlassungen kommen.

Arbeiten trotz Beeinträchtigung: Trotz Defizit soll es in der Brühlgut-Stiftung nicht zu Entlassungen kommen. Bild: Marc Dahinden

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Herr Paintner, die Brühlgut- Stiftung weist für das Jahr 2015 ein Defizit von knapp 900'000 Franken aus. Wo harzt es?
Andreas Paintner: Gut die Hälfte des Defizits ist der Unterdeckung unserer Pensionskasse geschuldet, hier mussten wir hohe Rückstellungen tätigen. Hinzu kam ein Umsatzrückgang in mehreren Bereichen. Und wir konnten nicht alle freien Plätze für beeinträchtigte Personen besetzen, was aber im Leistungsauftrag des Kantons vorgeschrieben wäre.

Hatten Sie die schlechten Zahlen, nach einem ebenfalls sehr grossen Defizit im Jahr 2013, erwartet?
Nicht in diesem Ausmass, das Ganze ist sehr unangenehm für den Betrieb. Vor allem die Pensionskasse wird uns in den nächsten Jahren weiter beschäftigen.

Sie haben offenbar auch einen Grossauftrag der Firma Rieter verloren, was ist da passiert?
Konkret ging es um die Fertigung von maschinellen Teilen für Zugbänder, unsere Mitarbeiter waren da stets gefragt, da es für die Herstellung der Teile Handarbeit braucht. Von einem Tag auf den anderen wurde dieser Auftrag stark reduziert, Rieter erklärte das mit dem schlechten Geschäftsgang.

Wie wichtig ist der Auftrag für die Brühlgut-Stiftung?
Sehr wichtig, im Bereich Industrie ist es unsere grösste Kooperation. Er bietet eine grosse Zahl an Arbeitsplätzen für Mitarbeitende mit Beeinträchtigung.

Was auffällt: Sie schreiben für das Jahr 2015 ein grosses Defizit, gleichzeitig wurden die Mitarbeiterstellen um 30 auf total 264 Stellen aufgestockt. Wie passt das zusammen?
Wir haben im Rahmen unserer internen Reorganisation in den letzten drei Jahren viel verändert. Gewisse dieser Veränderungen müssen wir nun hinterfragen, da gehört auch das Stellenwachstum dazu. Ein Teil der Mehrstellen ist aber auch der Betriebsaufnahme unserer Kita Spielblock am Superblock geschuldet. Das Reorganisationsprojekt mit dem Namen «Zukunft Brühlgut- Stiftung» regelte vor allem Verantwortlichkeiten neu. Geschäftsbereiche wurden gestrichen, neu geschaffen oder verschmolzen, der Betrieb radikal umgebaut. Was hat das mit den Mitarbeiterzahlen zu tun?
Die Reorganisation als solche war stets unbestritten und als Ganzes sicher ein Erfolg. Eine solche grosse Veränderung ist personell aufwendig und führt zu vorübergehenden Schnittstellenproblemen. Teilweise waren zudem Doppelbesetzungen aufgrund personeller Wechsel notwendig.

Das tönt nach Chaos.
Das war es nicht, die Organisationsentwicklung wurde planmässig umgesetzt. Es ist normal, dass beim Aufbrechen von alten Strukturen nicht alles sofort perfekt abgestimmt verläuft.

Und was tun Sie jetzt? Kommt es zu Entlassungen?
Wir werden ganz sicher niemanden entlassen. Die Stellenzahl muss nun wieder auf Budgetniveau gesenkt werden, aber das fangen wir mit der natürlichen Fluktuation ab. Wir schauen nun bei frei werdenden Stellen, ob es sie auch wirklich braucht.

Wo liegt dieses Niveau genau?
Als Stiftung haben wir das Ziel, mindestens kostendeckend zu arbeiten. Danach muss sich auch das Personalbudget ausrichten. Viele Abläufe müssen sich immer noch erst einspielen, damit wir sie richtig bewerten können.

Aber nochmals: Die Reorganisation hat sich für den Betrieb gelohnt, Sie haben nun einfach ein paar Stellen zu viel?
Eindeutig, wir können so auch in Zukunft gute Angebote für Menschen mit einer Beeinträchtigung bieten. Wir arbeiten seit über einem Jahr in der neuen Struktur. Ein positives Beispiel: Der Bereich Ökonomie, zu dem auch unsere Cafés in der Innenstadt zählen, wurde zu einer eigenen Abteilung. Das war sehr wichtig, da er sich beispielsweise von den Bereichen Wohnen oder Produktion stark unterscheidet.

In der Geschäftsleitung, der Sie vorstehen, hat sich auch einiges getan. Zwei Mitglieder sind neu hinzugekommen. Wurden noch weitere Kaderstellen geschaffen?
Nein, es gab keine Stellenmehrung im Kader, aber angepasste Stellenprofile, die nun anderen Kaderstufen zugerechnet werden.

Wie geht es nun finanziell weiter, wie sieht die aktuelle Halbjahresbilanz aus?
Die angetönten Korrekturen laufen, wir sind auf einem besseren Weg. Gleichzeitig sieht es so aus, als könnten wir dieses Jahr wieder mehr Plätze für beeinträchtigte Personen besetzen. Das ist wichtig, damit wir den Leistungsauftrag des Kantons erfüllen können. (landbote.ch)

Erstellt: 16.08.2016, 18:40 Uhr

«Wir müssen gewisse Veränderungen hinterfragen»:
Andreas Paintner, Geschäftsführer der Brühlgut-Stiftung. (Bild: Marc Dahinden)

Zur Person

Andreas Paintner arbeitet seit Ende 2013 als Geschäftsführer für die Brühlgut-Stiftung. Zuvor war er Bereichsleiter Alter und Pflege bei der Stadt Winterthur. Dort war Paintner in die Kritik geraten, nachdem alle vier Heimärzte der Stadt gekündigt hatten. Laut einem externen Gutachten gab es im Heimbereich «Mängel im Führungsverhalten». Zudem sei die Organisationsstruktur hierarchielastig und bürokratisch gewesen.

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