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Charles Vögele ist passé – jetzt kommt OVS

Nach dem Verkauf von Charles Vögele an eine italienische Investorengruppe werden alle 145 Filialen des Schwyzer Modehauses auf das Konzept der Kleidermarke OVS umgestellt. Auch in Winterthur hat der Umbau begonnen.

OVS «is coming», und Charles Vögele landet in der Mulde: Am Untertor endet eine Schweizer Mode-Ära.
OVS «is coming», und Charles Vögele landet in der Mulde: Am Untertor endet eine Schweizer Mode-Ära.
Johanna Bossart

Das lila Schild hängt zwar noch am Untertor, aber die Zeit der Schwyzer Modekette Charles Vögele in Winterthur ist endgültig abgelaufen. Knapp ein Jahr ist es her, seit die Investorengruppe Sempione Retail rund um den italienischen Modekonzern OVS die Charles-Vögele-Gruppe mit ihren 145 Standorten in der Schweiz übernommen hat.

Nun hat die neue Eigentümerin begonnen, Filiale um Filiale auf das Konzept der Marke OVS umzustellen, die man aus früherer Zeit noch als Oviesse kennt.

Die Ware der Charles-Vögele-Kollektion wurden und werden abverkauft, die Standorte neu eingerichtet oder umgebaut. 40 Millionen Franken hat der Konzern dafür bereitgestellt. Am Untertor ist der Laden per 31. Juli geschlossen worden, seither sind die Handwerker im Haus. Am 7. September ist Neueröffnung als OVS.

Ambitiöse Pläne

Im leeren Schaufenster hängt ein Plakat: «Wir suchen dich». Der Konzern braucht neues Personal. Zwar wurden mit den Standorten auch die Mitarbeiter übernommen. Mit der Marke OVS soll sich der Warenumschlag aber beschleunigen, und wenn mehr Kleidung über den Tresen wandern soll, braucht es auch mehr Verkäuferinnen.

«Wir wollen in der Heimat von Charles Vögele Marktführer werden»

Stefano Beraldo, CEO der Modekette OVS

Ausserdem wird die Einrichtung der Läden aufwendiger. Ein Grossteil der über 100 ausgeschriebenen Stellen entfällt denn auch auf «Visual Merchandiser», Dekorateure, die auf die Inszenierung der Mode spezialisiert sind.

Die Marke OVS hat in der Schweiz hochfliegende Ziele. «Wir wollen in der Heimat von Charles Vögele Marktführer werden», sagte OVS-Chef Stefano Beraldo zum Wirtschaftsmagazin «Eco» des Schweizer Fernsehens. Um die Konkurrenz zu distanzieren müsste OVS den Umsatz von Vögele, der zuletzt bei knapp 320 Millionen Franken lag, laut Branchenkennern allerdings mehr als verdoppeln.

Für die Italiener ist es der zweite Versuch, sich auf dem Schweizer Markt zu etablieren. Einer Kooperation mit Globus und später mit C&A um die Jahrtausendwende, damals noch unter dem alten Namen Oviesse, war kein Glück beschieden. Unter Beraldo indes brummt das Geschäft. In Italien wuchs der Marktanteil von OVS von 2 auf 7 Prozent, den Umsatz wuchs allein 2016 um 3,3 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, , wie die NZZ am Sonntag kürzlich vorrechnete. Und das in einem rauen Wirtschaftsumfeld.

Billig und schnell

Zum Erfolgsmodell der Marke gehört die Breite des Angebots. Ein Drittel des Sortiments sind Kinder- und Babykleidung. Die Umlaufgeschwindigkeit ist hoch. Um rasch auf Trends zu reagieren, lässt OVS nebst in Asien auch in Europa produzieren, in Italien und Portugal. Gleichzeitig sind die Preise tief, noch einmal tiefer als bei Charles Vögele: Jeans für 29.95 bis 49.95, Hemden ab 19.95, T-Shirts ab 9.95 – Kleidung an der Nahtstelle zum Einwegprodukt.

Die Margen in der Schweiz sind für OVS attraktiver als im Heimmarkt. Offen ist die Frage, inwieweit der Effekt durch die höheren Löhne verpufft. Branchenkenner gehen davon aus, dass ein Weiterbetrieb aller 145 Filialen langfristig wenig realistisch ist und sich die Zahl bei etwa 100 einpendeln dürfte. Vorab erhalten bleiben werden grössere Standorte wie derjenige in Winterthur.

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