Winterthur

Chinesische Diplomaten intervenierten bei Künzle

Vertreter der chinesischen Regierung wollten eine Aufführung im Theater Winterthur verhindern. Sie wandten sich an den Stadtpräsidenten und sprachen persönlich vor.

Mike Künzle erhielt eine Rüge aus China.

Mike Künzle erhielt eine Rüge aus China. Bild: jb

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Heute Abend geht im Winterthurer Stadttheater die zweite und letzte Vorführung des chinesischen Tanztheaters Shen Yun über die Bühne.

Das von Exilchinesen in New York gegründete Ensemble widmet sich der chinesischen Geschichte und Gegenwart und thematisiert dabei auch die aktuelle Menschrechtssituation in China. Das missfällt dem chinesischen Regime.

Der chinesische Botschafter in der Schweiz, Geng Wenbing, wandte sich deshalb an den Winterthurer Stadtpräsidenten Michael Künzle (CVP) mit der Aufforderung, die Darbietungen zu untersagen. Künzle bestätigt auf Anfrage eine entsprechende Kontaktaufnahme des Botschafters.

«Ein von China ausgesprochenes Verbot einer Bewegung hat bei uns grundsätzlich keine rechtliche Wirkung.» 

Dieselbe Aufforderung formulierte das chinesische Konsulat in Zürich, danach erfolgte ein Besuch von Vertretern des Konsulats in Winterthur.

Die Aufführungen des weltweit anerkannten und erfolgreichen Tanztheaters fanden dennoch statt. «Das Theater Winterthur ist als öffentliches Gemeinwesen dazu verpflichtet, alle Anfragen an das Theater gleich zu behandeln und eine einmal abgeschlossene Nutzungsvereinbarungen mit Veranstaltern nicht zu verletzen», sagt Künzle.

Das Theater wird abgesetzt – offiziell aus anderen Gründen

In einer letztjährigen Shen-Yun-Aufführung in Winterthur ging es unter anderem um die Praktik Falun Gong, die in China verboten ist und deren Anhänger verfolgt werden. Damals beschwerten sich Besucher bei der Theaterleitung, die Vorführung enthalte versteckte Werbung für Falun Gong.

Eine Vertreterin der Veranstalter widerspricht dieser Darstellung vehement. Künzle stellt zwar klar: «Ein von China ausgesprochenes Verbot einer Bewegung hat bei uns grundsätzlich keine rechtliche Wirkung.»

Dennoch haben sich der Stadtpräsident und die Theaterleitung darauf geeinigt, künftig keine Zusammenarbeit mehr mit den Shen-Yun-Veranstaltern anzustreben. Allerdings sei dieser Entscheid schon vor der chinesischen Intervention gefällt worden.

Weitere Hintergründe rund um die Absetzung der Shen-Yun-Aufführung in Winterthur lesen sie hier. (Der Landbote)

Erstellt: 16.03.2018, 17:14 Uhr

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