Winterthur

Christa Rigozzi: «Ich liebe diese Hunde und ich will ihr Leben verbessern»

Sie hecheln und keuchen: Die beliebten Möpse und Bulldoggen haben oft Atemprobleme, weil sie überzüchtet sind. Das will der Schweizer Tierschutz ändern.

Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi hat seit viereinhalb Jahren selber eine Französische Bulldogge namens «Joker».

Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi hat seit viereinhalb Jahren selber eine Französische Bulldogge namens «Joker». Bild: Marc Dahinden

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Christa Rigozzi werde aus eigener Erfahrung über extreme Kurznasigkeit berichten, hiess es in der Medienmitteilung. Und tatsächlich: «Ich habe seit viereinhalb Jahren eine französische Bulldogge», sagt die ehemalige Miss Schweiz. Joker heisst der Hund und er ist gesund.

JJ aber, der Hund ihrer Eltern, die sich auch in diese «wunderbare Rasse» verliebt hatten, bekam vor zwei Jahren Probleme mit dem Atmen. So sehr, dass er den ganzen Tag gebrochen habe. Mittlerweile wurde JJ operiert und es gehe im besser.

Gefährlicher Jö-Effekt

JJ ist kein Einzelfall. In der Schweiz nimmt die Beliebtheit von sogenannten kurznasigen Rassen zu. Die französische Bulldogge ist mittlerweile die viertbeliebteste Hunderasse der Schweiz, Tendenz steigend (hinter Chihuahuas, Labrador und Yorkshire Terrier).

Das Problem: Die Möpse, Bulldoggen oder Boxer schnarchen, schniefen und hecheln. Die extrem kurznasigen Hunde können kaum atmen. Denn Hunde regulieren ihre Körpertemperatur mit den Oberflächen der Nasenmuscheln, schwitzen können sie nicht. Bei kurznasigen Rassen fallen diese Oberflächen weg.

«Die Tiere sollen niedlich aussehen und werden daher nach dem Kindchen-Schema gezüchtet – grosse Augen, kleine Nasen.»Julie Schwechler, Vorstandsmitglied bei der Schweizerischen Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz

Die Folgen sind Beschwerden bis hin zu kollabierenden Atemwegen. Die Schweizerische Vereinigung für Kleintiermedizin hat daher eine Kampagne gegen Kurzköpfigkeit gestartet.

«Das Problem ist die Überzüchtung der Hunderassen», sagt Julie Schwechler, Vorstandsmitglied bei der Schweizerischen Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz. Die Tiere sollen niedlich aussehen und werden daher nach dem «Kindchen-Schema» gezüchtet. Grosse Augen und kleine Nasen erinnern an Kleinkinder und lösen einen «Jö-Effekt» aus.

Doch das Erscheinungsbild ist mit grossen Qualen verbunden. Betroffene Hunde müssen meist operiert werden. Dabei werden etwa Nasenlöcher geweitet, Gaumensegel gekürzt und Nasenmuscheln entfernt.

Viele Hunde sind importiert

Das Schweizer Tierschutzgesetz verbietet zwar Qualzuchten. «Aber es hapert am Vollzug», sagt Schwechler. So werde nur verlangt, die besten Tiere für die weitere Zucht zu verwenden. «Da aber oft alle Tiere kurzköpfig sind und gesundheitliche Probleme haben, nützt das wenig.»

Zudem werden mehr als die Hälfte dieser Hunderassen aus dem Ausland importiert, wo die Schweizer Gesetze nicht greifen. «Im Moment sind daher die Hundehalter entscheidend. Sie müssen informiert werden», sagt Schwechler. Die Kampagne sei ein erster, aber wichtiger Schritt auf einem langen Weg.

Erstellt: 02.02.2018, 18:12 Uhr

Schweizer Hundemesse

Dieses Wochenende findet die 15. Schweizer Hundefachmesse in den Eulachhallen Winterthur statt. Bis Sonntag, 4. Februar, steht dabei das Thema Kommunikation im Mittelpunkt.

Spezialgast der Hund 18 ist dieses Jahr die Stiftung Schweizerische Schule für Blindenführhunde. Mehr als 140 weitere Aussteller präsentieren in den Hallen ihr Angebot. Zu entdecken gibt es Stände zur die beste Fütterung von Hunden, Tierversicherungen oder zum Dogdance-Turnier in Winterthur.

Wer herzig sein will, muss leiden? Eigentlich sind Qualzuchten verboten. Doch bei der Umsetzung des Gesetzes hapert es in der Schweiz.

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