CVP provoziert mit einer Grundsatzfrage
Matthias Baumberger (CVP) will dem Stadtrat ein Bekenntnis abringen, wie dieser zum Erhalt religiöser Symbole im öffentlichen Raum steht. Der Vorstoss bezieht sich auf das Verschwinden eines Engelbildes.
«Ist es ein politisches Ziel des Stadtrates, möglichst viele christlich-abendländische Symbole zum Verschwinden zu bringen?» Diese provokative Frage richtet CVP-Fraktionspräsident Matthias Baumberger in einer kürzlich eingereichten Interpellation an die Stadtregierung. Ungewöhnlicher als der Tonfall ist die Herleitung. Baumberger führt seinen Vorstoss auf ein Ereignis zurück, das bereits 13 Jahre zurückliegt – auf eine Zeit, als noch keiner der heutigen Stadträte im Amt war.
«Bilderstürmerische Manier»
Konkret geht es um die Sanierung der Abdankungskapelle im Friedhof Rosenberg in den Jahren 2002/03. Ein Wandbild, das Engel zeigte, wurde damals abgedeckt, um dem Raum eine neutralere Stimmung zu geben (siehe Kasten). Ein Ansinnen, das Baumberger in seinem Vorstoss so zusammenfasst: «Die Stadt ist sogar so weit gegangen, dass unter dem Vorwand einer Renovierung, in bilderstürmerischer Manier, alle christlichen Symbole verdeckt wurden.» Dafür gebe es keinen anderen Grund als Intoleranz. Dabei sei es doch gerade in Zeiten, wo von der Gesellschaft eine hohe Integrationsleistung und von Neuankommenden ein Integrationswille verlangt werde, wichtig, die lokale Kultur sichtbar zu machen.
Der Druck der Atheisten
Auf Nachfrage, warum er eine Renovation, die über ein Jahrzehnt zurückliegt und damals unbestritten war, zum Thema macht, relativiert Baumberger. Die Kapelle stehe nicht im Zentrum seiner Anfrage, auch wenn ihn verschiedene Leute darauf angesprochen hätten. Vielmehr sei sie für ihn der Anlass gewesen, sich über die Thematik Gedanken zu machen. Es gehe ihm vielmehr darum zu erfahren, wie sich der Stadtrat grundsätzlich zur Frage der christlichen Symbole stellt. Baumberger sieht die christlichen Traditionen im Rückzug. Als Beispiele nennt er Lieder, die aus dem Unterricht gestrichen würden, weil sie nicht religionsneutral seien, oder Versuche, die Kirchenglocken zum Verstummen zu bringen – mit einer «Salamitaktik», wie er sagt. Dabei seien es gerade nicht Vertreter anderer Religionen, die keine christlichen Symbole duldeten, sondern «Freidenker, Piraten – Leute, die sehr aggressiv Religionen ablehnen».
«Polemisch und dumm»
Angesprochen ist damit etwa Marc Wäckerlin, der für die Piratenpartei im Gemeinderat sitzt und sich bei den Freidenkern engagiert. Wäckerlin hält gar nichts von Baumbergers Vorstoss: «Diese Interpellation könnte ein erfolgreicher Versuch sein, das tiefste je da gewesene Niveau zu unterschreiten.» Da die Symbole schon vor Jahren entfernt wurden, seien die Fragen Baumbergers nicht nur polemisch, sondern auch dumm. «Es geht offensichtlich darum, den Islam der Flüchtlinge mit Christentum zu bekämpfen.» Dabei müsse gerade der Friedhof nicht nur Christen, sondern allen Menschen zur Verfügung stehen.
Diesen letzten Punkt nennt auch Gemeinderätin Christa Benz (SP). Sie sehe kein Problem darin, dass es in der Kapelle keine christlichen Symbole gebe. Aus der Situation in der Kapelle abzuleiten, der Stadtrat wolle das abendländische Erbe leugnen, sei zudem «etwas waghalsig».
Support von SVP und FDP
Von 60 Parlamentariern haben 15 die Interpellation mitunterzeichnet, darunter eine Mehrheit der SVP und die halbe FDP-Fraktion. FDP-Gemeinderat David Schneider, der die christliche Privatschule SalZH leitet, begründet seine Unterstützung so: «Das Weglassen von christlichen Symbolen, um Fragen und Problemen aus dem Weg zu gehen, entspricht nicht unserem freiheitlichen Denken.»
Schneider betont gleichzeitig: Alle sollen ihre Glaubenseinrichtung praktizieren dürfen. Auch Baumberger ist an dieser Feststellung gelegen. Es gehe ihm allein um einen Erhalt von Bräuchen und Traditionen, nicht darum, den christlichen Glauben zu propagieren. «Jeder soll und darf glauben, was er will.» Heute aber müssten in der Abdankungskappelle 75 Prozent auf etwas verzichten, weil es 10 Prozent gebe, die religiöse Symbole aktiv ablehnten.
Erstellt: 13.07.2016, 18:32 Uhr
Die Renovation der Kapelle im Friedhof Rosenberg
2003 wurden auf dem Friedhof Rosenberg das neue, 7,4 Millionen Franken teure Krematorium, und die für 630?000 Franken renovierte Abdankungskapelle eingeweiht. Die Kapelle war zuvor farblich neu gestaltet und neu möbliert worden. Teil der Arbeiten war auch die Abdeckung des grossen Engelsbildes unter dem Bogen in der Kapelle. Christian Wieland, der frühere Leiter der Stadtgärtnerei, sagt, die Stadt habe eine neutralere Erscheinung der Kapelle gewollt, auch im Hinblick auf die Bestattungsverordnung. Auf Geheiss der Denkmalpflege sei das Bild mit Platten überdeckt und so erhalten worden. Die neutrale Stimmung werde von den meisten Pfarrern sehr geschätzt. Die heutige Atmosphäre ohne sakrales Gemälde sei pietätvoller, sagt Wieland und verweist auf Fotografien der alten Situation: «Das darauf sichtbare Tor öffnete sich am Schluss einer Abdankung und der Sarg verschwand wie von Geisterhand und etwas furchterregend im Verbrennungsraum.»
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