Winterthur

Damit der Traum vom Tram wieder wahr wird

Die Grünliberalen fordern zum wiederholten Mal, die Stadt solle Platz einplanen für eine Strassenbahn.

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Winterthur war ja mal eine Tramstadt, doch das ist eine Weile her. Nach den Pferdeomnibussen wurde 1898 die erste Tramstrecke von Töss zum Hauptbahnhof eröffnet, weitere Linien folgten: nach Seen, Wülflingen und via Stadtrain nach Oberwinterthur.

1938 aber entschieden die Stimmbürger, die Frauen waren ja noch nicht gefragt, künftig auf den Trolleybus zu setzen. 1951 fuhr das letzte Tram. Geblieben von damals ist die Urhalle des Depots Deutweg aus dem Jahr 1914, damals ein Tramdepot. Diese Urhalle soll im Rahmen der Umgestaltung des Areals erhalten, sichtbar gemacht und neu genutzt werden. Das Tram rollt deswegen indes nicht wieder.

Es sei denn, man höre auf die Grünliberalen. Mit schöner Unregelmässigkeit bringen sie sich ein mit der Frage oder der Forderung nach einem Tram-Revival. Mitte 2016 hatten sie den letzten derartigen Vorstoss eingereicht. Nun bringen sie das Thema wieder vor.

Diesmal mit dem kräftigsten Mittel, das Gemeinderäte zur Hand haben, mit einer Motion, und unterstützt von den anderen Ökoparteien, den Grünen, der AL, der SP und der EVP. Zusammen haben sie eine Mehrheit im Gemeinderat, das Geschäft hat also ein gewisses Gewicht – und Chancen.

Planung dauert Jahrzehnte

Die Parole heisst aber nicht einfach «Ein Tram muss her, subito!». Gefordert wird vielmehr, dass der Stadtrat «dem Gemeinderat einen Kreditantrag für die Evaluation des öffentlichen Hochleistungs-Verkehrssystems ab 2050 für Stadt und Agglomeration Winterthur» vorlegt.

«Es ist höchste Zeit sich verbindlich auf eine verkehrspolitische Stossrichtung nach 2030 festzulegen»

Oder vereinfacht gesagt: Jetzt muss man andenken, was in 30 Jahren Wirklichkeit werden soll. Die Projekte Limmattalbahn und Glattalbahn hätten gezeigt, dass bei solchen Planungen in verdichtetem Stadtraum 25 bis 35 Jahre vergehen, bis gebaut wird.

Die Motionäre schreiben, Winterthur wachse schneller, als das Gesamtverkehrskonzept prognostizierte. Daher sei es «höchste Zeit, die vielen Ideen und Projekte, welche in den vergangenen Jahren diskutiert wurden, auszuwerten und sich verbindlich auf eine verkehrspolitische Stossrichtung nach 2030 festzulegen». Alle aktuellen und künftigen Bauprojekte müssten jederzeit kompatibel sein mit den Verkehrsträgern der Zukunft.

Schienenbasiertes System

Eine innerstädtische Luftseilbahn, wie sie auch schon zur Diskussion stand, wird von den Motionären diesmal nicht genannt. Aber sie glauben, dass «ein schienenbasiertes ÖV-System, ob als Tram oder Stadtbahn unter Nutzung und Ergänzung vorhandener Schienenstränge zukunftstauglich» ist.

Eine zentrale Rolle bei all diesen Überlegungen spielt natürlich der Hauptbahnhof. Dort steigen heute täglich rund 120000 Personen ein, aus oder um. Und bis 2050 rechnet man mit 180000 Reisenden. Deshalb gelte es, «Entflechtungen zu prüfen». Die Frage sei nicht nur, ob «zukünftige Gleise oberhalb oder unterhalb des Hauptbahnhofs durchführen müssten, sondern allenfalls auch um Winterthur herum».

Ein Zug, auf den die Grünliberalen schon vor drei Jahren hinwiesen, scheint inzwischen abgefahren zu sein: Die Steigung bei der Gleisquerung Grüze wird zu steil sein für Strassenbahnen.

Erstellt: 11.12.2019, 17:50 Uhr

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