Illnau-Effretikon

Damit die A1 nicht mehr überflutet

Ein neues Versickerungsbecken inTagelswangen soll verhindern, dass zu viel Regenwasser auf die Autobahn gerät. Das Projekt hat eine Geschichte

Ein grosser Moment: Stadtingenieur Dieter Fuchs, Stadtpräsident Ueli Müller, Tiefbauvorstand Urs Weiss und Projektleiter Martin Pfister (v.l.) stechen Erde aus dem künftigen Becken.

Ein grosser Moment: Stadtingenieur Dieter Fuchs, Stadtpräsident Ueli Müller, Tiefbauvorstand Urs Weiss und Projektleiter Martin Pfister (v.l.) stechen Erde aus dem künftigen Becken. Bild: Enzo Lopardo

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Drei Tiefbauvorstände und eine überschwemmte Autobahn hat es gebraucht, bis der Spatenstich endlich stattfand. «Ein denkwürdiges Ereignis», sagte Ueli Müller (SP), Stadtpräsident von Illnau-Effretikon, deshalb gestern vor einer Schar geladener Gäste, darunter Stadt- und Gemeinderäte von zwei Gemeinden.

Denn die Versickerungsanlage oder die beiden Versickerungsbecken, die nun im Gebiet Schoren gebaut werden sollen, liegen auf Lindauer Gemeindegebiet. Bauherrin ist aber die Stadt Illnau-Effretikon, sie hat das Land erworben.

Hier soll das Regenwasser, das aus dem Effretiker Industriegebiet Vogelsang und der Einfamilienhauszone Spiegelhof/Nauen stammt, versickern.

Erste Anlage 1972 gebaut

Schon 1972 wurde eine erste Anlage gebaut, allerdings auf der anderen Seite der Autobahn A1. «Damals waren wir wohl noch mit Pferdekutschen unterwegs, als es gebaut wurde», scherzte Müller. Die Verantwortlichen merkten dann aber rasch, dass das Becken zu klein geraten ist (siehe Kasten).

Im Jahr 2000 führte dann Dauerregen zur Überschwemmung der A1. Die Polizei musste einen Fahrstreifen sperren. Es hat letztlich weitere 15 Jahre Planung gebraucht, bis die Bauarbeiten gestern starten konnten.

«Ein denkwürdiges Ereignis.»Ueli Müller,
Stadpräsident

Nun soll als erstes der Humus abgetragen werden. Dieser wird entlang der Wangenerstrasse deponiert, damit er später zum Auffüllen des alten Beckens verwendet werden kann. Die Stadt war ausserdem dazu verpflichtet, das verlorene Kulturland anderswo zu kompensieren.

Denn mit dem Bau der Anlage gehen rund 630 Quadratmeter Fruchtfolgeflächen verloren. Das Land wird einerseits mit dem Auffüllen des alten Beckens und andererseits mit einem Stück Ackerbaufläche in Adlikon bei Andelfingen kompensiert.

Insgesamt werden zwei Becken gebaut. Im Vorbecken setzen sich feste Stoffe ab und im Schilfteich, dessen Boden aus Kies und Schilf besteht, kann das Wasser dann versickern und zum Grundwasser gelangen.

Nach einer Versuchsphase wird es im Jahr 2020 dann offiziell in Betrieb genommen. Die Kosten inklusive Landerwerb und Rückbau der alten Anlage sind mit 3,5 Millionen Franken im Budget eingestellt. Nur der Neubau kommt auf 1,8 Millionen Franken zu stehen.

Der Stadtrat betrachtet die Ausgabe als gebunden. Dafür gebe es einen sachlichen, einen örtlichen und einen zeitlichen Grund, sagte Müller. Sachlich gesehen, sei die Ausgabe sicher gebunden. Denn: «Es kommt einfach Wasser.» Der Ort sei bestimmt. Und was den Zeitpunkt betrifft, so habe man zwar eine Zwischenlösung, aber es brauche eine definitive.

Erstellt: 10.04.2018, 17:52 Uhr

Von der alten Versickerungsanlage zur neuen

Namenswechsel und Dauerbrenner in der Fragestunde

Das Versickerungsbecken trug einst den Namen «Nauen». Doch weil es eigentlich eher im Gebiet Schoren angesiedelt ist, hat es der Stadtrat Illnau-Effretikon im Laufe der Projektgeschichte umgetauft.

So oder so, das Land liegt in einer Mulde neben der Autobahn A1 und in der Nähe der im Richtplan eingetragenen Kiesegrube von Tagelswangen.

1972 entstand mit dem Bau der Nationalstrasse N1 (heute A1) die erste Versickerungsanlage. Da sie sich bald als zu klein erwies, wurde 1975 ein Notüberlauf in eine ehemalige Kiesgrube erstellt. In den nächsten fünf Jahren nahm die Leistung weiter ab, der Zufluss aber stieg. 2000 lief das Becken über, es kam zur Überflutung der A1.

2002 baute die Stadt als Sofortmassnahme eine Pumpe, mit der das Wasser als provisorische Massnahme in die Entwässerung der Autobahn geleitet wird.

Das Provisorium ist zum Providurium geworden. Die Pumpe läuft jährlich bis zu 1400 Stunden und befördert 225 000 Kubikmeter Wasser. Wenn jeweils viel Regen bevorsteht, dann müssen die Mitarbeiter des Tiefbauamts die Pumpe vorgängig in Betrieb setzen, damit das Wasser im alten Becken abläuft.

In der Fragestunde ist das Projekt zum Dauerbrenner geworden. Immer wieder fragten die Gemeinderäte den zuständigen Tiefbauvorstand, wann denn nun die Anlage gebaut werde.

2006 lehnte das Parlament den vom Stadtrat bewilligten Kredit ab und verlangte, dass er einen Antrag an den Gemeinderat stelle. 2013 bewilligte der Stadtrat den Kredit erneut. Er blieb im Budget. Im Herbst 2015 lag die Baubewilligung von Kanton und Gemeinde vor.

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