Musikfestwochen

Das Festival und die hohen Preise

Bekannte Bands für einen Auftritt zu buchen, wird immer teurer, sagt Musikfestwochen-Booker Matthias Schlemmermeyer. Ein Gespräch über die Preisspirale.

Die Veranstalter der Musikfestwochen sehen sich mit immer höheren Antrittsgagen konfrontiert, wenn sie bekannte Bands buchen wollen.

Die Veranstalter der Musikfestwochen sehen sich mit immer höheren Antrittsgagen konfrontiert, wenn sie bekannte Bands buchen wollen. Bild: Heinz Diener

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Musikfestwochen beginnen 2018 wieder in der zweitletzten Sommerferienwoche. Letztes Jahr galt die Vorverlegung als Versuch. Müssen wir uns nun langfristig daran gewöhnen?
Matthias Schlemmermeyer: Ja, wir gehen davon aus, dass wir bei dem Datum bleiben. Wir hatten letztes Jahr durchs Band positive Reaktionen. Zum Beispiel hatte die Vorverlegung keinen Einfluss auf die Zahl der Helfer, es war also nicht so, dass zu viele Leute in den Ferien waren. Auch die Zuschauerzahlen waren stabil.

Grund für die Vorverlegung war die verschärfte Konkurrenzsituation, hat sich etwas gebessert?
Es ging uns darum, dass wir nicht am gleichen Wochenende wie das Zürich Openair sein wollten, das in 30 Kilometer Entfernung die gleiche Zielgruppe bedient und 10 000 bis 20 000 Zuschauer anzieht. Bei den Besuchern kollidieren wir jetzt nicht mehr so stark. Bei den Künstlern können wir dagegen keinesfalls von einer Entspannung reden. Aber nicht wegen dem Zürich Openair, beim Booking ist die Konkurrenz international. Die Künstler sind heute sehr mobil, jedes Wochenende finden zahllose Festivals statt.

In einer Mitteilung der Musikfestwochen ist zu lesen, vor allem die boomenden Festivals in den USA und in Osteuropa veränderten den Markt. Inwiefern?
Bis vor fünf Jahren war der Festivalmarkt in den USA relativ unbedeutend. Viele Bands waren von Juni bis September in Europa verfügbar. Jetzt entscheiden sie sich, entweder die erste oder die zweite Hälfte des Sommers in den USA zu bleiben. Es gibt viele Bands, die ich gerne für die Musikfestwochen gebucht hätte, die aber nicht zur rechten Zeit in Europa sind, und sie extra einzufliegen ist zu teuer und nicht ökologisch. Dann sind in Ost-, aber auch Südeuropa sehr viele neue Festivals mit zahlungskräftigen Sponsoren entstanden. Dahinter steckt etwa die Telecom-Industrie, die Gagen zahlt, bei denen wir nicht mithalten können. Man merkt den Effekt auch den Programmen der grossen Festivals an, dem Gurten oder dem St. Gallen Openair, wo die ganz grossen Namen nicht mehr spielen.

«Dass die Nachfrage so gross ist, treibt den Preis für Bands teils in absurde Höhen.»Matthias Schlemmermeyer, Booker der Musikfestwochen

Warum kann die Schweiz denn da nicht mithalten. Die Kaufkraft ist bekanntlich hoch?
Die Festivals in der Schweiz sind traditioneller, sie wollen keinen namensgebenden Sponsor. Bei den neuen Festivals, die nur aus kommerziellen Überlegungen oder als Marketingvehikel entstehen, sind die Hemmungen geringer. Da heisst ein Festival schon mal nach einem Bierhersteller – wie das Super Bock Super Rock Festival in Lissabon.

Die Konkurrenz ist aber auch bei den mittelgrossen Bands gross?
Ja, weil sie die ganz grossen Bands nicht mehr bekommen, akquirieren unsere grossen Konkurrenten heute dort, wo wir unsere Headliner akquiriert haben. Eine Band wie Kraftklub, die bei uns letztes Jahr Headliner war, spielt jetzt als Headliner am Gurten.

Und wie reagieren die Musikfestwochen? Mit kleineren Bands oder höheren Ausgaben?
Sowohl als auch. Wir weichen auf kleinere Bands aus und bezahlen mehr für die grösseren. Dass die Nachfrage so gross ist, treibt den Preis für Bands zum Teil in absurde Höhen. Das Risiko, ein Festival zu veranstalten, ist viel grösser geworden.

Das klingt paradox: Hier der Bieterwettkampf um die Live-Auftritte, da das Streaming, mit dem kaum etwas verdient wird.
Das bedingt sich auch. Gerade weil durch Streaming so wenig verdient wird, versuchen die Bands, das Geld woanders zu holen, also im Live-Markt.

Wohin führt das bei den Musikfestwochen langfristig – einem Verzicht auf Bezahlkonzerte?
Die Hauptkonzerte waren ursprünglich dazu gedacht, Geld für das kostenlose Programm zu gewinnen. Das ist immer noch die Idee, aber sie sind auch wichtig für die Strahlkraft, damit die kleineren Bands kommen. Wenn man die grossen Acts nicht mehr hat, findet man überregional in den Medien nicht mehr statt und die Musikagenten haben einen nicht mehr auf dem Schirm.

Verdient das Festival noch an den Bezahlkonzerten?
Über die letzten Jahre gesehen haben wir daraus einen Beitrag ans Gratisprogramm leisten können. Wir gehen aber davon aus, dass wir künftig andere Wege finden müssen.

Wachsen die Gesamtausgaben für das Booking?
Nicht wirklich. Die Frage ist: Wen kriegen wir dafür. Tendenziell zahlen wir für den gleichen Act jedes Jahr 10 bis 20 Prozent mehr.

Gebucht wird teils frühzeitig, spekulieren Sie auch auf Bands, die an Popularität gewinnen?
Im kostenlosen Programm unbedingt. Das ist unsere Nische. Bei den Bezahlkonzerten nicht. Bei nur drei Bands pro Abend können wir keine Risiken eingehen. Wir brauchen Acts mit einer gewissen Fangemeinde. Das ist bei grösseren Festivals anders, die können auch einmal spekulieren.

Noch nicht ausgeschöpft scheint das Potenzial bei der Kollekte. Nur 1.30 Franken landeten letztes Jahr pro Besucher und Abend im Topf – planen Sie etwas?
Wir haben mehr Sammelboxen angeschafft und mehr Helfer rekrutiert. Und auch die Kollekte per SMS wird es wieder geben. Aber alles hat seine Grenze. Wir sind froh, wenn die Leute grosszügiger sind, werden aber nichts forcieren. Es ist letztlich freiwillig.

(Der Landbote)

Erstellt: 18.07.2018, 17:28 Uhr

Matthias Schlemmermeyer. (Bild: mas)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Paid Post

Soforthilfe für Smartphones

Ob Displaybruch, defekte Kamera oder Wasserschaden – Wintek Swiss hat meist eine Lösung.