Winterthur

Das grosse Reinemachen bei der Stefanini-Stiftung

Nach diversen personellen Wechseln wurde inzwischen auch der Privatnachlass von Bruno Stefanini in die Stiftungs-Gruppe überführt, darunter 300 Immobilien.

Bettina Stefanini, Präsidentin Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte. Bild: Archiv, Marc Dahinden

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Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) hat sich unter Stiftungsratspräsidentin Bettina Stefanini neu aufgestellt, personell wie strukturell. Mit der Überführung des privaten Nachlasses ihres Gründers, des im letzten Dezember verstorbenen Kunstsammlers und Immobilienbesitzers Bruno Stefanini, ist der Besitz unter dem Dach der Stiftungs-Gruppe an Volumen und Wert namhaft gewachsen. Ein Überblick.

Die neuen Köpfe:

Besonders viele wichtige Posten wurden in den letzten Monaten bei der Terresta Immobilien- und Verwaltungs AG neu besetzt. Die Tochterfirma der Stiftung bewirtschaftet sämtliche Liegenschaften und Grundstücke. Neben Bettina Stefanini, Thomas Wetzel und Heinz Roth (alle im Stiftungsrat) wurden mit Michael Hauser und Zita Cotti zuletzt zwei «neutrale Sachverständige» in den Verwaltungsrat gewählt, das Aufsichtsgremium der Firma. Cotti leitet in Zürich ein Architekturbüro und berät die Stiftung in Sachen Wohnungsbau. Hauser kennt als ehemaliger Stadtbaumeister den Platz Winterthur bestens. Neuer Geschäftsleiter ist Renzo Fagetti ebenfalls Architekt. Er folgte auf Markus Brunner und ist schon seit knapp einem Jahr für die Terresta tätig, um sich ein Bild über Wert und Zustand der knapp 400 Immobilien zu machen. Davon sind über 200 in Winterthur, alleine 50 in der Altstadt. Die Finanzen überwacht neu Roland Kleeb, der zuvor bei einer grossen Bau- und Baustofffirma tätig war. Er ersetzte Umit Stamm.

Mit Stamm und Brunner hatte Bettina Stefanini einen langjährigen Rechtsstreit um die Abänderung der Stiftungsurkunde und Neubesetzung im Stiftungsrat ausgefochten. Sie und ihr Bruder Vital obsiegten schliesslich vor Bundesgericht. Gegen Brunner und Stamm läuft ein Verfahren der Zürcher Oberstaatsanwaltschaft wegen Urkundenfälschung. Der Prozess ist auf Ende Oktober angesetzt. Bettina Stefanini wiederum wurde wegen Nötigung angezeigt. Ihr Verteidiger geht aber davon aus, dass die Staatsanwaltschaft auf Nichtanhandnahme entscheidet.

Bei der Stiftung ist Christoph Lichtin die zentrale neue Figur. Der Direktor des Historischen Museums Luzern und Leiter Kantonale Museen leitet ab August die Stiftung. Seine Haupt- und Mammutaufgabe wird zunächst sein, die schätzungsweise 30000 bis 80000 starke Sammlung von historischen Objekten nach wissenschaftlichen Standards zu inventarisieren. Bei rund 10000 Gemälden ist dies bereits passiert, darunter sind Bilder von Grössen wie Albert Anker, Ferdinand Hodler und Alberto Giaccometti.

Die Strukturbereinigung:

Neu wurden Kunstsammlung, Liegenschaften und Grundstücke unter dem Dach der Stiftung zusammengefasst. Stefaninis privater Immobilienbesitz hatte sich zuvor auf acht verschiedene Firmen verteilt. Die Liegenschaftsverwaltung übernahm seit jeher die Terresta. Diese acht Firmen gingen nun allesamt in der Belplan Immobilien AG auf, einer Tochterfirma der Stiftung. «So vereinfachen wir die Prozesse und sparen Verwaltungskosten», erklärt Bettina Stefanini. Im Juli sind Belplan, Terresta und SKKG zudem gemeinsam ins Sulzer-Hochhaus gezogen und belegen dort zwei Stockwerke. Die Stiftung verlegt ihren Hauptsitz noch in diesem Sommer von Küsnacht nach Winterthur.

«Wir sind gerade dabei, den Wert der neuen Liegenschaften und Kunstgegenstände abzuschätzen.»Bettina Stefanini

Mit der Überführung von Stefaninis Privatliegenschaften hat sich das Immo-Portfolio der Belplan mit 300 zusätzlichen Wohn- und Geschäftshäusern sowie Grundstücken praktisch vervierfacht. Dazugekommen sind auch Prachtbauten wie das Schloss Berstenberg am Hallwylersee.

Neu in Stiftungsbesitz ist auch ein Grossteil von Stefaninis privater Kunstsammlung, die man in der ganzen Schweiz zusammentragen musste, aus Kellern und Archiven. Dabei kamen auch Trouvaillen wie ein Brief vom französischen Impressionisten Claude Monnet (1840–1926) und einer von Carlota, der Kaiserin von Mexiko (1864–67), zum Vorschein.

Um wie viel Millionen das Stiftungsvermögen gewachsen ist, lasse sich noch nicht beziffern. «Wir sind gerade dabei, den Wert der neuen Liegenschaften und Kunstgegenstände abzuschätzen», sagt Stefanini. Bis im nächsten Jahr wolle man Klarheit. Finanziell soll sich die Stiftung künftig über die Mieteinnahmen alimentieren statt über die Nutzniessung. Doch bei den Immobilien hat sich ein Investitionsstau in Millionenhöhe aufgetürmt. Viele Wohnblöcke aus den 60er- und 70er-Jahren sind alt, lottrig, bis abbruchreif. Stefanini-Häuser stehen für tiefe Mietzinse, aber auch tiefe Standards.

Zweck der Stiftung bleibt die «Pflege der abendländischen, insbesondere der schweizerischen Kunst-, Kultur- und Geschichtswerte.» Für die Leitung der Kulturförderung hat sie derzeit eine Stelle ausgeschrieben. Ab 2020 will die Stiftung wieder diverse Kulturinitiativen unterstützen, die eben der «Erhaltung, Erforschung und Vermittlung des Kulturerbes» dienen.

Erstellt: 11.07.2019, 08:14 Uhr

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