Winterthur

«Das ist eben die Demokratie»

Yvonne Beutler (SP) bedauert, dass die Stadt weiter auf die erste Frau an der Spitze warten muss. Doch auch ohne Präsidium werde Rotgrün den Ton angeben.

Eine gefasste Verliererin: Yvonne Beutler blickt trotz Wahlniederlage optimistisch in die Zukunft.

Eine gefasste Verliererin: Yvonne Beutler blickt trotz Wahlniederlage optimistisch in die Zukunft. Bild: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frau Beutler, es hat nicht gereicht. Sind Sie enttäuscht?
Beutler: Es ist eine Enttäuschung, aber kein Weltuntergang.

Sie vergiessen keine Tränen?
Nein.

Sie sagten immer, Winterthur habe die Wahl zwischen dem Modell Stadtvater und der modernen Strategin. Offenbar wollte Winterthur den Stadtvater – haben Sie die Stimmung in der Stadt falsch eingeschätzt?
Ich bin authentisch. Ich stand für das ein, was ich bin. Mein Modell wäre ein modernes Stadtpräsidium gewesen, das eine Balance kennt zwischen Repräsentieren und der strategischen Führungsarbeit. Die Bevölkerung hat sich entschieden, mit dem bisherigen Modell weiterzufahren. Das ist Demokratie und das kann ich gut akzeptieren.

«Die einen wählten mich wegen meines Leistungsausweises als Finanzvorsteherin. Die anderen wählten mich nicht, damit ich es bleiben kann.»Yvonne Beutler, 
Stadträtin (SP)

Das Resultat war mit über 3000 Stimmen Unterschied recht klar. Lag es am Bisherigenbonus?
Gegen einen Bisherigen anzutreten braucht immer Mut. Ich habe es getan, damit die Bevölkerung eine Wahl hat. Darum bin ich mit meinem Resultat zufrieden.

Sie traten erst im zweiten Wahlgang an. Das haben die Wähler offenbar nicht goutiert.
Wenn ich höre, aus welchen Gründen man mich wählte oder nicht wählte, gingen die Aussagen diametral auseinander. Die einen sagten, sie wählen mich wegen meinem Leistungsausweis als Finanzvorsteherin. Die anderen wählten mich gerade deshalb nicht – damit ich Finanzvorsteherin bleibe. Manche freuten sich, dass ich antrete, andere waren irritiert. Und andere Stimmen fanden, man kann diesem Mann doch nicht sein Amt wegnehmen. Es ist sehr schwierig, eine Analyse zu machen.

Sie wären die erste Frau im Stadtpräsidium gewesen. Spielte die Frauenfrage eine Rolle?
Diesen Punkt bedaure ich am Resultat am meisten. Ich hätte es sehr schön gefunden, wenn Winterthur als sechstgrösste Stadt eine Stadtpräsidentin bekommen hätte. Wer weiss, wann die nächste Gelegenheit dazu kommt.

Seit März gibt es eine linksgrüne Mehrheit im Stadtrat. Warum hat es mit dem Präsidium dennoch nicht geklappt?
Weil die Bevölkerung anders entschieden hat.

Wollten die Wählenden einen Ausgleich schaffen? Ein bürgerlicher Präsident, um eine totale Dominanz von Linksgrün abzuwenden?
Der Ausgleichsgedanke ist hypothetisch, denn auch ein Stadtpräsident hat nur eine Stimme. Diese Überlegung mag den einen oder anderen überzeugt haben, aber in der Realität spielt das überhaupt keine Rolle. Entscheidender ist, welche Schwerpunkte wir als rotgrüne Mehrheit in den nächsten vier Jahren setzen werden.

Wie arbeiten Sie und Michael Künzle nach diesem intensiven Wahlkampf zusammen? Wurde nicht viel Geschirr zerschlagen?
Ich habe ihn nie als Person angegriffen, sondern gesagt, wofür ich stehe. Ich habe Michael Künzle in den vergangenen sechs Jahren tatkräftig unterstützt und werde das auch weiterhin tun. Wahlen heisst, den Leuten eine Wahl zu bieten. Es gibt für mich keinen Grund, warum das unsere Zusammenarbeit belasten sollte.

Bleiben Sie Finanzvorsteherin?
Wir werden im Stadtrat in der kommenden Woche die Departementsverteilung diskutieren. Bevor diese Diskussion geführt ist, werde ich mich nicht äussern.

Treten Sie in vier Jahre nochmals fürs Präsidium an?
Wer weiss, was in vier Jahren sein wird! Ich beantworte diese Frage dann, wenn sie sich stellt.

Oder peilen Sie direkt den Regierungsrat oder Nationalrat an?
Ich bin als Stadträtin wiedergewählt worden, ich werde mit Herzblut Stadträtin sein. Was für weitere Herausforderungen das Leben für mich bereit hält, da bin ich selbst gespannt.

Ihre Partei, die SP hat in der «Esse» eine Wahlfeier vorbereitet. Ist die Party nun abgesagt?
Nein, wir feiern! Das haben wir uns verdient. Wir haben am 4. März etwas Historisches geschafft und das feiern wir jetzt ein zweites Mal. Und stossen auf den tollen Wahlkampf an, den wir miteinander geführt haben. Ich möchte mich bei allen Helferinnen und Helfern bedanken.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.04.2018, 17:28 Uhr

Artikel zum Thema

Künzle bleibt Stadtpräsident

Kampf ums Präsidium Winterthur hat gewählt. Wir sind für Sie im Superblock und bei den Wahlfeiern dabei gewesen. Alle Stimmen, Emotionen und Impressionen des heutigen Wahlsonntages hier nochmals zum nachlesen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!