Winterthur

«Das ist fast so, als würde man stehlen»

Wenn Kunden mit dem Detailhandel nicht fair umgehen, ist die Altstadt in ein paar Jahren nicht wiederzuerkennen, sagt Remo Cozzio, Präsident der City-Vereinigung. Ein Gespräch über Weihnachtsgeschenke, teure Messer und eine Art von Diebstahl.

«Im Internet kann man nur kaufen, was man schon kennt.» Remo Cozzio, Präsident der City-Vereinigung Junge Altstadt

«Im Internet kann man nur kaufen, was man schon kennt.» Remo Cozzio, Präsident der City-Vereinigung Junge Altstadt Bild: PD

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Herr Cozzio, Weihnachten rückt näher. Haben Sie schon alle ­Geschenke parat?
Remo Cozzio: Ja, darum kümmere ich mich immer rechtzeitig.

Sie gehören also zu denen, die unter dem Jahr Ideen sammeln oder schon Geschenke kaufen.
Ganz genau. Ich versuche, jeweils bis Ende November alles bereitzuhaben.

Aber die Schleifen sind dann noch nicht umgebunden, so viel Spontaneität muss sein.
Doch, doch, wo denken Sie hin, da ist dann alles schön eingepackt.

Haben Sie ein bevorzugtes ­Geschenkeversteck?
Mehrere. Für jede Päckchengrösse habe ich ein «Geheimfächli». Die Herausforderung ist, am Schluss wieder alle Päckchen zu finden. Bis jetzt hat das geklappt.

Sie haben sich für dieses Gespräch richtiggehend loseisen müssen. Der Laden brummt also?
Ja, wir sind ein Geschäft, das viele Geschenkideen hat und viele Artikel, die sich als Geschenke eignen, darum ist für uns die Weihnachtszeit besonders wichtig.

Sie verkaufen vor allem auch Messer. Sind denn Messer weihnachtlich?
Durchaus. Messer lösen heute nicht mehr Emotionen im Angstbereich aus. Wir verkaufen ja vor allem Sackmesser und Kochmesser. Kochen ist ein beliebtes Hobby in der Schweiz. Und ein echter Koch weiss, es gibt Messer und Messer.

Was ist das teuerste Koch­messer, das es bei Ihnen gibt?
Wir haben ein japanisches Messer für etwas über 2500 Franken.

Und das wird gekauft?
Ja, wir haben schon einige davon verkauft, ich war selber etwas überrascht über die Nachfrage. Es gibt einfach Leute, die daran Freude haben. Für die ist so ein Messer ein Schmuckstück. Und genau wie Schmuck hält es ja auch ein Leben lang. Wenn man die Nutzung zu den Kosten in ­Relation setzt, ist das Messer schon fast wieder günstig.

«Man darf den Online- und den Detail­handel nicht vergleichen. Was wir im Verkauf bieten, ist ein Produkt, eine Beratungsdienstleistung.»Remo Cozzio, Präsident der City-Vereinigung

Jetzt wickeln Sie mich ein. ­Darum Themenwechsel: Sie sind auch Präsident der City-Vereinigung. Wie läuft das Weihnachtsgeschäft allgemein?
Es läuft im Grunde gut, am letzten Sonntagsverkauf und am letzten Abendverkauf hatten wir aber Wetterpech. Der sintflutartige Schneeregen hat die Stadt am Donnerstagabend in wenigen Minuten leergeschwemmt. Wir sind aber guter Dinge, ein Sonntagsverkauf und ein Abendverkauf kommen noch. Und dann das Abendshopping bis 21 Uhr am Vorweihnachtsabend.

Ein Euro kostet aktuell fast 1.17 Franken. Das haben wir alle auch noch anders in Erinnerung. Merken Sie einen positiven Effekt?
Ja, wir merken erste Auswirkungen. Im Ausland einzukaufen, hat an Attraktivität verloren.

Der Internethandel hingegen macht unvermindert Druck.
Man darf den Online- und den Detail­handel nicht vergleichen. Was wir im Verkauf bieten, ist ein Produkt, eine Beratungsdienstleistung. Im Internet kann man nur kaufen, was man schon kennt.

Haben Sie keine Leute im Laden, die das Produkt anschauen, um es dann im Internet zu bestellen?
Doch, die haben wir. Und das ist aus meiner Sicht fast so, als würde man stehlen. Man muss aber unterscheiden: Wenn jemand ­Informationen googelt und dann etwas kauft, ist das legitim. Im ­Laden Beratung zu verlangen, um im Internet zu kaufen, das passt aber nicht zusammen. Die Leute, die das tun, arbeiten auch irgendwo und möchten bezahlt werden wie unser Verkaufspersonal, das auch von etwas leben muss.

«Im ­Laden Beratung zu verlangen, um im Internet zu kaufen, das passt nicht zusammen. Das ist aus meiner Sicht fast so, als würde man stehlen.»Remo Cozzio

Haben Sie schon Leute im Laden zurechtgewiesen?
Zurechtgewiesen nicht, aber ich hatte schon Diskussionen, wenn zum Beispiel jemand sagte, er ­habe ein Produkt im Internet zu einem tieferen Preis gesehen. Ich erkläre dann, dass unser Angebot auch eine Dienstleistung ist und dass man die Altstadt in ein paar Jahren nicht mehr wiederkennen wird, wenn alle nur noch im Internet kaufen.

Zurück zur Ausgangsfrage: Ich habe noch nicht alle Geschenke beisammen. Es fehlt zum ­Beispiel noch etwas für meine Partnerin. Fällt Ihnen etwas ein?
Sehr beliebt ist bei uns zum Beispiel aktuell ein Handtaschenlicht, mit dem man auch das Handy laden kann. Oder ein Klassiker wie ein Maniküre-Necessaire – das geht immer.

(Der Landbote)

Erstellt: 16.12.2017, 10:34 Uhr

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