Politik

Das Jugendparlament startet mit neuem Vorstand ins Vereinsjahr

An der ersten Generalversammlung des Jugendparlaments erzählte Nicolas Galladé (SP), wie das zu seiner Zeit im Jugendparlament war und antwortete auf Fragen der Jugendlichen. Und: Es kam überraschend zu einer Kampfwahl.

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Er sei extra für diesen Anlass in den Estrich gestiegen, sagte Stadtrat Nicolas Galladé (SP). In einem Sichtmäppchen hatte er alte Zeitungsartikel und Mitgliederlisten der Jugendlobby Kaktus mitgebracht. Er kam auf Einladung des Vereins Jugendparlament Winterthur, der im Frühling 2019 gegründet wurde. Am Samstag fand die erste Generalversammlung in der Jugendinfo an der Wartstrasse statt.

Es war eine kleine Runde, die sich einfand. Nur neun Jugendliche sassen in einem Kreis da und hörten zu, was Galladé vom früheren Jugendparlament erzählte, das er vor über 20 Jahren mitbegründet hatte. Er erinnerte sich etwa an bosnische Flüchtlinge, die hätten ausgeschafft werden sollen. «Da waren viele Kolleginnen und Kollegen von uns dabei.» Das Jugendparlament habe sich für diese eingesetzt – so konnten damals 30 bis 40 Jugendliche in Winterthur bleiben und ihre Ausbildungen fertig machen. Ein weiteres Thema war die Jungbürgerfeier, die man habe öffnen und mitorganisieren wollen. «Das war kontrovers damals», sagte Galladé. «Und spannend für die Medien!»

Sich über Gemeinsamkeiten definieren

Galladé verklärte die alten Zeiten nicht. Er zeigte einen Artikel über das Ende «seines» Jugendparlaments, das den Titel trug: «Lasst doch das Jugendparlament in Frieden sterben.» Galladés Botschaft war klar: «Es ist gut, wenn junge Menschen sich einbringen.» Das könne auf ganz verschiedene Arten passieren. Klar sei auch, dass das Interesse nicht immer gleich gross sei.

Auf die Frage, wie er die Rolle des Jugendparlaments sehe, sagte er, er sehe es nicht als «Polittrainingslager». Denn es könne ja vielleicht auch sein, dass Jugendliche ein paar Dinge besser können als Erwachsene. Er ermunterte die Jugendlichen, offen zu bleiben und sich nicht über Gegensätze, sondern über Gemeinsames zu definieren.

«Wir wollen Jugendlichen eine Plattform bieten.» – Elmonda Bajraliu, Co-Präsidentin Jugendparlament Winterthur (Bild: Heinz Diener)

Das Gemeinsame, das die Jugendlichen verbindet: Sie wollen sich in der Politik engagieren. «Wir wollen eine Plattform bieten», sagte Co-Präsidentin Elmonda Bajraliu in der Pause. «Eine Gelegenheit, mitzureden.» Die 19-jährige hat im letzten Jahr ihre Banklehre abgeschlossen und ist den Jungfreisinnigen beigetreten. Sie sieht das politische Engagement auch als persönliche Weiterentwicklung.

Umkämpftes Co-Präsidium

Bajraliu stellte sich für das Co-Präsidium erneut zur Verfügung, das sie seit der Gründung inne hatte. Eine kleine Überraschung bot die 15-jährige Amélie Galladé, Tochter der Kreisschulpflegepräsidentin und alt Nationalrätin Chantal Galladé (GLP) und Nichte des Stadtrats Nicolas Galladé. Sie stellte sich ebenfalls zur Wahl für das Co-Präsidium – wie auch der bisherige Tim Kramer.

Gewählt wurde allerdings das bisherige Duo. «Dass ich fürs Präsidium antrete, war eine spontane Entscheidung», sagte Amélie Galladé. «In der Politik ist es immer gut, eine Auswahl zu haben.» Über ihre Nichtwahl war sie nicht enttäuscht – sie freue sich, im Vorstand zu sein. Dieser wurde auch neu gewählt – mit zwei neuen und drei bisherigen Mitgliedern. Seine Aufgabe wird es sein, Mitglieder anzuwerben. Heute hat der Verein laut Amélie Galladé rund 25 Mitglieder.

Post-its mit Anliegen für die erste Session

An eine Fensterscheibe klebten die Jugendlichen Post-its mit ihren Anliegen für die erste Session am 2. Mai. «Gesicherte Velowege» werden da zum Beispiel gefordert, «tiefere ÖV-Preise für Jugendliche», «mehr Glascontainer» oder schlicht «mehr fürs Klima». «Die Session sollte ein lässiger Anlass sein», sagte Amélie Galladé. Und vor allem solle sie die Meinung der Jugendlichen widerspiegeln und sie animieren, politisch aktiv zu werden.

Auch das Jugendparlament Winterthur Land, das sich derzeit in Pfungen im Gründungsprozess befindet, war ein Thema an der GV. Die Jugendlichen waren sich einig: Man wolle keinen Wettbewerb gegeneinander führen, sondern sich gegenseitig unterstützen.

Erstellt: 19.01.2020, 15:06 Uhr

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