Kommentar

Das Konkordat, das nichts nützte

Der stellvertretende Chefredaktor Jakob Bächtold über das Versagen des Hooligankonkordats. Ein Kommentar.

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Mit über 85 Prozent Ja-Stimmen segneten die Zürcherinnen und Zürcher vor sechs Jahren das neue Hooligan-Konkordat ab. Die grosse Mehrheit glaubte damals den Politikerinnen und Politikern, die beteuerten, mit mehr Härte gegen Fussballfans bekomme man das Hooligan-Problem in den Griff. «Jetzt ist fertig mit Rumeiern», sagte damals Sicherheitsdirektor Mario Fehr (SP). «Das wird wirken», erklärte Barbara Günthard (FDP), Polizeistadträtin in Winterthur.

Die Ereignisse dieser Woche zeigen: Die Warner von damals hatten recht. Das Hooligan-Problem ist akut wie nie.

Nur wenige warnten damals, das Hooligan-Konkordat werde die Wunschziele nie erreichen. Zum Beispiel die Fanszene des FC Winterthur: «Das Konkordat setzt zu stark auf Repression, das ist der falsche Weg», sagte der damalige Fanbeauftragte des FCW, Roland Imboden. Und Remo Vögeli von der Fangruppierung 8400 erklärte: «Jetzt werden alle kollektiv bestraft anstatt nur jene, die gewalttätig sind.»

Die Ereignisse dieser Woche zeigen: Die Warner von damals hatten recht. Das Hooligan-Problem ist akut wie nie. Trotz Konkordat, trotz harten Kontrollen, trotz Ausweispflicht für alle Fans, trotz Alkoholverboten, trotz rechtsstaatlich grenzwertigen Befugnissen fürs Sicherheitspersonal.

Bei vorverurteilten Gewalttätern hingegen nützt das Konkordat offensichtlich nichts.

Genau wie die Fans damals voraussagten: Wenn ein Jugendlicher dabei erwischt wird, wie er eine Feuerwerksfackel ins Stadion schmuggeln will, dann bekommt er mit voller Härte ein Stadionverbot aufgebrummt. Aber gegen einen Rädelsführer wie den nun berühmt berüchtigten Stefan N. aus Winterthur finden die Behörden kein wirksames Mittel - auch mit dem Konkordat.

Wie der «Landbote» herausfand, ist er nicht «erst» seit drei, sondern bereits seit 15 Jahren als gewaltbereiter Hooligan bekannt. Trotzdem liessen ihn die Clubführung von GC und auch die Liga immer wieder gewähren. Da ist es geradezu absurd, wenn sich die Verantwortlichen des Fussballverbands nun damit brüsten, nach dem Vorfall in Luzern habe man rasch ein «sofortiges» Stadionverbot verhängt.

«Jetzt ist fertig mit Rumeiern», sagte Sicherheitsdirektor Fehr vor sechs Jahren - und viele Fans bekommen die verschärften Massnahmen seither bei jedem Matchbesuch in der Kurve zu spüren. Bei vorverurteilten Gewalttätern hingegen nützt das Konkordat offensichtlich nichts.

Erstellt: 17.05.2019, 14:35 Uhr

Jakob Bächtold, stv. Chefredaktor (Bild: Marc Dahinden)

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