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Das Konsi kämpft gegen die roten Zahlen

Dem Konservatorium droht ein akutes Finanzloch. Jetzt müssen die Lehrkräfte auf einen Teil des Lohns verzichten.

Eines von zwei Schulgebäuden des Konsis: Dieses modernere ist 50-, die Villa Rychenberg 130-jährig.
Eines von zwei Schulgebäuden des Konsis: Dieses modernere ist 50-, die Villa Rychenberg 130-jährig.
Marc Dahinden

Die roten Zahlen kamen nicht über Nacht. Am Konservatorium ist eine Entwicklung im Gang, die ihren Anfang nahm, als sich die Abteilung, die Berufsmusiker ausbildet, anschickte, nach Zürich zu ziehen, um ein Teil der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK zu werden. Der Wegzugtermin wurde zwar immer wieder hinausgeschoben, aber im Sommer 2014 war es dann soweit.

Dieser Wegzug bedeutete für das Konsi nicht nur das Ende einer langen Tradition als Ausbildungsstätte für Berufsmusiker, sondern er brachte auch grosse finanzielle Einbussen mit sich. Die Gebäude und die Infrastruktur jedoch verursachen weiter Kosten wie zuvor, ebenso die Angebote im überregionalen Bereich.

Der Regierungsrat zeigte Verständnis für diese Situation des Konservatoriums und bewilligte dessen Gesuch um eine Übergangsfinanzierung für drei Jahre: 900 000 Franken im ersten Jahr, 825 000 Franken im zweiten und noch 750 000 im dritten Jahr ohne die Profi-Studenten. Dann, so der Plan, sollte das Musikschulgesetz alle Hürden passiert haben und in Kraft gesetzt sein. Doch das kam anders.

2016 versenkte der Kantonsrat auf einen Streich all die Vorarbeiten an diesem neuen Gesetz. Das Parlament trat auf den Gesetzesentwurf gar nicht erst ein (siehe Box). Das Konsi stellte ein Gesuch in Zürich, die Übergangsfinanzierung zu verlängern, die Regierung lehnte das jedoch ab.

Die Folge wird ab diesem Sommer nun spürbar: Die letzte Tranche der Übergangsfinanzierung ist verbraucht, das Konsi ist auf sich gestellt, ein Loch von rund 800 000 Franken vor Augen.

Ziel: eine halbe Million sparen

Der heutige Chef des Konsi, Valentin Gloor, hat die undankbare Aufgabe, dieses drohende Defizit zum Verschwinden zu bringen oder mindestens zu verkleinern. Er tut, was man in solchen Situationen immer tun muss: Kosten senken und Einnahmen erhöhen. Die Lehrkräfte haben – in Solidarität mit ihrer Schule – einem Lohnverzicht um 1,8 Prozent zugestimmt, gültig ab Sommer für ein Jahr. «Das bringt Einsparungen von etwa 100 000 Franken», sagt Gloor.

In der sechsköpfigen Schul-Administration hat er einen Abgang nicht ersetzt und eine weitere Stelle halbiert: macht weitere rund 150 000 Franken. Die Schulgelder werden bloss ein Jahr nach der letzten Anpassung wieder erhöht: um 1 bis 3 Prozent bei Einzellektionen, um 5 bis 8 Prozent bei den Gruppen und Ensembles. «Hier lassen sich die Mehreinnahmen nicht vorhersagen», dämpft Gloor zu hohe Erwartungen, «denn es besteht immer das Risiko, dass dadurch Schülerinnen und Schüler den Unterricht nicht weiter besuchen. Das ist eine sehr zweischneidige Massnahme.»

Einen Extraertrag erwartet Gloor zudem von der Gründung eines Freundeskreises des Konservatoriums, und Einsparungen plant er bei der Finanzierung von speziellen Projekten. «Das Ziel ist eine Entlastung von einer halben Million pro Jahr, aber das ist mit grosser Unsicherheit belastet», sagt Gloor, «und manche Massnahmen sind auf längere Sicht wohl nicht sehr nachhaltig». Das Jahresbudget des Konsis beträgt gemäss den Jahresberichten rund acht Millionen Franken.

«Viel steht auf dem Spiel»

Und wenn all das nicht reicht, wenn die Zahlen so rot bleiben? «Dann stünde die Qualität und die Besonderheit dieser Musikschule auf dem Spiel», sagt Gloor, denn «um das Basisangebot halten zu können, müssten wir wohl den überregionalen Förderbereich streichen, was aber dem Selbstverständnis der Schule und der Trägerschaft zuwider läuft».

Die Trägerschaft, das ist der Verein Musikkollegium, der auch das Orchester führt; die beiden Bereiche sind aber rechnerisch und organisatorisch getrennt. Und im Musikkollegium sei die starke Überzeugung spürbar, dieses Bildungsangebot zu erhalten.

Weil es in Winterthur neben dem Konservatorium noch zwei weitere grosse und von der öffentlichen Hand subventionierte Musikschulen gibt, die Prova und die Jugendmusikschule, hat Gloor auch das Gespräch mit diesen gesucht. «Um die schon bestehende Zusammenarbeit möglicherweise noch auszubauen und Synergien zu erkennen.» Die Schulen sind in ihrem Selbstverständnis und in ihren Strukturen allerdings sehr unterschiedlich, auch wenn sich die Angebote angeglichen haben.

Das Konservatorium ist wie erwähnt das traditionsreichste Haus unter Führung des Musikkollegiums, die Prova ist 25-jährig und bewusst als Genossenschaft organisiert, und an derJugendmusikschule sind 17 Gemeinden beteiligt, unterrichtet wird dezentral in über hundert Schulhäusern. Trotz unterschiedlicher Schulkulturen diskutieren die Schulleitungen nun intensiv. Grössenmässig punkto Schüler und Lehrkräfte ist die Jugendmusikschule der Region die Nummer eins, gefolgt vom Konsi und der Prova.

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