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Das letzte Möbelhaus verlässt die Marktgasse

Ende Februar müssen Sessel, Sideboards und Stehlampen raus aus dem Rothaus. Während das Möbelhaus Pfister die Filiale an der Marktgasse definitiv verlässt, laufen die Gespräche mit den anderen betroffenen Mietern noch.

Möbel Pfister schliesst im Februar seine Türen an der Marktgasse.
Möbel Pfister schliesst im Februar seine Türen an der Marktgasse.
Marc Dahinden

Das Rothaus an der Marktgasse soll saniert und umgebaut werden. So viel steht seit diesem Frühling fest. Voraussichtlich im kommenden März will die Eigentümerin, die Assetimmo Immobilien-Anlagestiftung, mit den Bauarbeiten beginnen. Spätestens dann müssen die bisherigen Mieter des Rothauses und der angrenzenden Häuser ausgezogen sein. Neben dem Möbelhaus Pfister an der Marktgasse 37 sind der Modeschmuckladen Claire’s an der Hausnummer 33, die Interdiscount-Filiale an der 31 und das Musikfachgeschäft «Die Gitarre» am Kirchplatz 8 betroffen. Wie es für die bisherigen Mietern weitergeht, war bislang allerdings unklar.

Zumindest für das Möbelhaus Pfister ist der Auszug per Ende Februar nun ein definitiver. Der Mietvertrag sei seitens der Vermieterin unter Berücksichtigung einer 12-monatigen Kündigungsfrist aufgelöst worden: «Wir bedauern es sehr, von der Marktgasse 37 wegziehen zu müssen und den City-Standort von Pfister in Winterthur aufzugeben», schreibt ein Sprecher des Möbelhauses auf Anfrage. Entlassungen werde es keine geben: «Alle Mitarbeitenden werden ab 1. März 2020 in einer ähnlichen Funktion im Unternehmen weiter beschäftigt.» Weitere Pfister-Filialen gibt es etwa in Dübendorf, Zürich und St. Gallen. Wer im Sommer 2021 in die Räumlichkeiten von Möbel Pfister ziehen wird, steht laut dem Vermieter noch nicht fest.

Weniger Gewerbefläche

Heute geschäftet die Möbel-Pfister-Filiale auf sechs Etagen und belegt damit den Grossteil der Fläche des Hauses. Im vierten Stock, wo aktuell heruntergesetzte Gartenmöbel auf Kundschaft warten, sollen insgesamt fünf Wohnungen entstehen. Dabei handelt es sich um drei Zweizimmerwohnungen sowie um je eine Dreizimmer- und eine Fünfzimmerwohnung. Gemäss den Plänen soll jede Wohnung eine eigene Terrasse erhalten. Mit dem Umbau betraut wurde das Winterthurer Büro Bellwald Architekten. Im Baugesuch werden die Investitionen auf 15 Millionen Franken beziffert, die Bauzeit soll sich auf 18 Monate belaufen. Die geplanten Wohnungen – die kleinste ist 50, die grösste 145 Quadratmeter gross – sind eine Premiere.

«Damit verliert die Altstadt ihr letztes grosses Möbelhaus.»

Heinz Schudel, Geschäftsführer City-Vereinigung Junge Altstadt

Denn die jüdische Kaufmannsfamilie Biedermann liess das Gebäude 1907 als erstes Warenhaus in Winterthur erbauen – mit grossen Schaufenstern für die Auslage. Das Gebäude im Jugendstil gehörte zu den frühen Werken der Winterthurer Architekten Rittmeyer & Furrer. Die Steinskulptur eines Schneiderleins unter dem prägenden Eckerker erinnert an die Anfänge als Textilkaufhaus.

Heinz Schudel, Geschäftsführer der City-Vereinigung Junge Altstadt, bedauert den Wegzug: «Damit verliert die Altstadt ihr letztes grosses Möbelhaus.» Man habe Möbel Pfister die Liegenschaft an der Technikumstrasse 92/94 als Alternative vorgeschlagen, wo Flächen von drei mal 300 Quadratmetern frei gewesen wären. Allerdings sei der Vorschlag unbeantwortet geblieben. «Wir haben keine Kenntnis von einem solchen Angebot», teilt indes der Möbel-Pfister-Sprecher mit. Heinz Schudel wünscht sich, dass nach dem Umbau wieder ein grosser Mieter ins Rothaus einzieht, der etwas anbietet, das noch fehlt: «Kleider und Schuhe gibt es genug, ein Möbelhaus wäre gut.»

Laufende Gespräche

«Wegen des anstehenden Umbaus haben wir alle Mietverträge gekündigt», sagt ein Sprecher der Eigentümerin Assetimmo. Alle Parteien hätten die Option auf einen Folgevertrag erhalten. Mit drei Mietern seien die Gespräche noch am Laufen.

«Wir gehen davon aus, dass eine gute Lösung für die Zukunft gefunden wird», schreibt eine Sprecherin von Interdiscount. Man sei wie auch der Vermieter daran interessiert, am Standort an der Marktgasse auch nach dem Umbau eine Interdiscount-Filiale zu betreiben. Die betroffenen Mitarbeitenden sollen solange in anderen Verkaufsstellen weiter beschäftigt werden.

«Die Idee wäre sicher nach dem Umbau wieder zurückzukommen, weil sich beide Standorte in Winterthur lohnen», sagt Ivana Savic, Geschäftsführerin der beiden Claire’s Filialen in Winterthur: «Letztlich ist das aber sicher auch von der neuen Miete abhängig.» Für Informationen zum aktuellen Stand der Gespräche verweist sie an die nächst höhere Stelle. Diese war für den Landboten gestern nicht erreichbar.

Ebenfalls nicht zu erreichen war Franco Marioli, Geschäftsführer von «Die Gitarre» – sein Musikgeschäft ist montags jeweils geschlossen.

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