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Das Oktoberfest ist keine Todsünde

Entweder man liebt das Oktoberfest, oder man hasst es. Ich bekenne mich zur zweiten Kategorie. Trotzdem habe ich mich am zweitletzten Abend in die Höhle des bayerischen Löwen gewagt und die Gaudi anhand der Todsünden analysiert.

Kaum dunkelt es ein, marschieren sie wieder zur Reithalle: Frauen und Männer, in Dirndl und Lederhosn, halb entblösster Busen, nackte Waden. Das Oktoberfest scheint sie anzuziehen wie Mallorca die Deutschen. Aber es sind keine Deutschen, die da kommen, und schon gar keine Bayern. Nein, sie könnten meine Nachbarn sein, heissen vielleicht Herr Hugentobler oder Frau Stierli. Trotzdem sind sie heute Abend flotte Buam und fesche Madln. Sie haben eine fremde Tradition übernommen – zumindest für eine Nacht. Ich betrete die Reithalle und merke: Die Bayerisierung ist weit vorangeschritten, höchstens 20 Prozent haben sich ohne Verkleidung reingetraut. Wieso huldigt man dem mir fremden Kult? Ich behaupte, die Erwartungen sind klar: Hemmungslos saufen, deftig essen, dazu Schunkelmusik, die für Gemütlichkeit sorgt, und deren Texte dazu auffordern, noch eine Mass zu bestellen. Und als Aphrodisiakum für die Buam gibt’s offenherzig gekleidete Madln. In einem Satz: Es geht um Sünde. Ob das Oktoberfest diese Erwartung erfüllt, kann ich also nur mit katholischen Massstäben messen. Am besten anhand der sieben Todsünden:

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