Weihnachtsmarkt

Das Original aller Weihnachtsmärkte kommt ohne Klimbim und Glühwein aus

Schon zum 46. Mal findet derzeit der Christchindlimarkt statt. An zwei Dutzend Ständen findet man Kunsthandwerk aller Art, Guetzli und Geschenke, 300 Sorten Konfitüre und der Kälte trotzende Verkäuferinnen. Eine ist seit 30 Jahren dabei.

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Es jingle-bellt nirgends im Rathausdurchgang, es treten keine Santa-Kläuse mit Rentieren auf, und wer ein Glas Glühwein will, muss sich das anderswo besorgen.

Der Christchindlimarkt im Rathausdurchgang hat diese ganze Kommerzialisierung und Amerikanisierung nicht mitgemacht, er findet dieser Tage bis Samstag zum 46. Mal statt und ist sich selber treu geblieben.

Der Christchindlimarkt im Rathausdurchgang hat die ganze Kommerzialisierung und  Amerikanisierung nicht mitgemacht.

Die Frauen (ganz selten mal ein Mann) hinter den Ständen versuchen, sich so gut wie möglich vor der Kälte zu schützen: Ein gasbetriebener Wärmestrahler gehört fix dazu, einige legen ein dickes Brett auf den kalten Boden, fast alle tragen Stiefel und haben eine Thermoskanne voll Tee dabei.

«So gerüstet habe ich kein Problem, stundenlang hier zu stehen, die Kälte ertrage ich gut», sagt Sonja Verlodt, die zum sechsten Mal am Markt teilnimmt mit ihren Karten, mit Schmuck und Geschenkpapier – alles hat die gelernte Farbdesignerin selber gestaltet. Neben ihrem Job als Englischlehrerin

«Mein gut bezahltes Hobby»

Sonja Verlodt ist eine von fünf Frauen, die seit fünf Jahren den Christtkindlimarkt organisieren: Bewilligungen besorgen, Heizstrahler bestellen und einen Wachtmann beauftragen, der nachts die Stände beaufsichtigt. Und natürlich ist auch immer wieder der eine oder andere Stand neu zu vergeben.

«Wer neu dazu kommt, darf zwei Jahre hindereinander teilnehmen, dann gibts ein Jahr Pause», sagt Lotti Kneubühler, die zum Organisationsquintett gehört. Selber näht sie Taschen und Täschli aus Blachen und seit ein paar Jahren auch aus Kinderschwimmflügeli. Sie ist im Vorstand der Schwimmbadgenossenschaft Wolfensberg, wo ein Teil der alten orangen Flügeli herkommt, die sie verarbeitet.

Regelmässig komme auch ein Paket aus Scuol, wo sie auf einem Ausflug des Turnvereins einen Mitarbeiter des Bads kennengelernt habe, der seither defekte Flügeli für sie sammle. Daraus näht sie Portemonnaies, kleine Taschen und etwas grössere Necessaires, zu kaufen für 15 bis 38 Franken. «Die laufen recht gut», sagt Kneubühler, die ihr Atelier in Veltheim im alten Kino Rex hat. Reich werde sie mit ihrem Label Pippilotta nicht: «Ich sage immer: Es ist mein gut bezahltes Hobby.»

Mädesüss-Konfitüre im Glas

Kein Hobby, sondern ein Teil des Broterwerbs ist der Stand für Elly Hilzinger, sie verkauft dort hauptsächlich selbst gemachte Konfiture, und das in 300 Sorten. Natürlich gehören Erdbeer, Quitten und Himbeer dazu, aber sie hat auch Exotisches und eher Fremdartiges im Angebot: Papaya etwa, Waldmeister, Zucchetti/Orange oder Mädesüss, ein einheimisches Kraut, das sie im Wald pflückt und dann im Wasser siedet.

 «Es läuft jeweils sehr gut hier»

Elly Hilzinger hat eine separate Konfiture-Küche auf dem Bauernhof, den sie in Gachnang mit ihrem Mann bewirtschaftet, 80 Tiere von Esel und Lama bis zu Milchkühen gehören auch dazu.

Am Verkaufsstand zu stehen ist für sie Routine und Teil des Alltags: 80 Markttage seien es jedes Jahr, in Frauenfeld ist sie seit bald 20 Jahren dabei, auch am Thurgauer Herbstmarkt in Winterthur ist sie seit Jahren und seit zehn am Christchindlimarkt. Damit aufhören will sie nicht: «Es läuft jeweils sehr gut hier», sagt sie.

Am längsten dabei ist Jsabella Bühler-Bundi, seit 30 Jahren schon. Damals kam sie als Teenager mit der Mutter, die Textiles verkaufte; heute bietet sie Keramikprodukte an, die sie selber herstellt. Auch für sie ist diese Arbeit ein kreatives Hobby neben ihrem Brotberuf.

Zusammen mit ihrer Mutter führt Jsabella Bühler den Moto Shop in Kollbrunn. Und wenn der Christkindlimarkt wieder vorbei ist, gehts dort dafür so richtig los. Der Umzug von Kollbrunn ins nächste Dorf, nach Rikon, steht Ende Jahr bevor.

Rathausdurchgang: heute 9 bis 21 Uhr, Freitag 9 bis 18.30, Samstag bis 18 Uhr mit Bistro im Peterhanskeller. (Der Landbote)

Erstellt: 06.12.2017, 17:31 Uhr

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