Winterthur

Das sagen Befürworter und Gegner zum Entscheid der Stadt

Ein neues Hallenbad sei nicht finanzierbar. Mit diesen Nachrichten platzte der Stadtrat am Donnerstag mitten in den Abstimmungskampf um die Traglufthalle.

Wenn es nach der Stadt geht, bleibt das «Geisi» für längere Zeit das einzige Hallenbad in Winterthur.

Wenn es nach der Stadt geht, bleibt das «Geisi» für längere Zeit das einzige Hallenbad in Winterthur. Bild: Marc Dahinden

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Der Stadtrat hat sich gestern deutlich gegen ein zweites Hallenbad in Winterthur ausgesprochen. Er beantragt dem Gemeinderat, die Motion für die Projektierung eines zweiten Hallenbades für nicht erheblich zu erklären. Der Stadtrat anerkennt zwar den Bedarf für mehr gedeckte Wasserfläche. Eine weitere Investition von 30 bis 50 Millionen Franken werde sich Winterthur in den nächsten Jahren aber nicht leisten können, sagt der Stadtrat. Insbesondere die Kosten für Betrieb und Zinsen passten nicht ins Budget der Stadt. Auch könne nicht auf andere Investitionen verzichtet werden.

Es sei fair und richtig, dass der Stadtrat über seine Haltung zu einem zweiten Hallenbad noch vor der Abstimmung informiert habe, sagt Traglufthallen-Befürworter Markus Wenger. «Es hätte auch eine Woche oder zwei Wochen früher sein können, aber es ist noch klar vor der Abstimmung», sagt der FDP-Gemeinderat. Damit bleibe den Winterthurerinnen und Winterthurern genügend Zeit, sich auf der Basis der neuen Informationen eine Meinung zu bilden.

Inhaltlich habe ihn die Mitteilung des Stadtrates nicht überrascht. Dass der Stadtrat den Bau eines zweiten Hallenbades ablehne, sei bereits bekannt gewesen, auch wenn er dies nie so deutlich ausgesprochen habe. «Auch die Beträge, die ein Hallenbad kosten würde, waren in der Vergangenheit nicht so hoch.» Immer aber sei klar gewesen, dass ein zweites Hallenbad einen Haufen Geld kosten werde.

«Ein zweites Hallenbad wird es in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht geben, dieses Thema ist vom Tisch.»

Nach der Mitteilung des Stadtrates sei eines klar, sagt Wenger. «Ein zweites Hallenbad wird es in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht geben, dieses Thema ist vom Tisch.» Damit breche den Traglufthallen-Gegnern ein Argument weg. Immer wieder hätten diese gesagt, eine temporäre Traglufthalle sei nicht nötig, weil das zweite Hallenbad schon bald fertig sei. «Dieser Nebel fällt jetzt weg und die Sicht ist klar», sagt Wenger. Nur mit einer Traglufthalle erhalte Winterthur innert nützlicher Frist mehr Schwimmfläche.

An der Motion für ein zweites Hallenbad will Wenger festhalten. Zwar lasse sich das Vorhaben nicht bald umsetzen. Dennoch sei es wichtig, die Abklärungen zu treffen, sagt Wenger. So könne allenfalls der Standort für das zweite Hallenbad reserviert werden. Damit die Vorbereitungen getroffen sind, wenn die Stadt wieder über die notwendigen finanziellen Mittel verfügt.

«Der Zeitpunkt geht gar nicht», sagt Fredy Künzler vom Komitee Nein zur Traglufthalle. Er vergleicht das Vorgehen des Stadtrates mit demjenigen einer Firma, die mitten im Börsentag für den Kurs relevante Neuigkeiten veröffentlicht. Der Zeitpunkt des Stadtratsentscheides sei auch darum erstaunlich, weil die Fakten, mit denen der Stadtrat sein Nein zur Motion begründet alle schon bekannt gewesen seien. «Der Stadtrat hätte seinen Entscheid problemlos schon vor 14 Tagen fällen können», sagt Künzler. Und damit zu einem Zeitpunkt, als die Abstimmungsunterlagen noch nicht verteilt gewesen seien.

«Der Stadtrat hätte seinen Entscheid problemlos schon vor 14 Tagen fällen können»

Auf den Abstimmungskampf habe der Stadtratsentscheid allerdings kaum Auswirkungen, sagt Künzler. Denn nicht der Stadtrat entscheide letztlich über den Bau eines zweiten Hallenbades, sondern der Gemeinderat und das Volk. Und im Gemeinderat hätten ja alle Parteien die Motion unterstützt, die das zweite Hallenbad fordert. Dieses müsse ja nicht mit einem 50-Meter-Becken gebaut werden. Für den Schwimmuntericht und viele Sportvereine reiche ein 25-Meter-Becken völlig aus. «Dann kostet das Hallenbad auch nicht 35 bis 50 Millionen Franken, wie es der Stadtrat sagt, sondern viel weniger.» Im Appenzellischen hätten 20 Millionen für ein Schwimmbad ausgereicht.

Nicht mehr hören kann Künzler das Argument, die Stadt habe für ein zweites Schwimmbad kein Geld. «Immer wird gejammert, dass es uns finanziell so schlecht geht.» Richtig sei, dass die Stadt wachse und Investitionen tätigen müsse. Doch dafür erhalte Winterthur auch Gegenwert, neue Schulhäuser für die nächsten Jahrzehnte unter anderem. Auch das zweite Hallenbad werde etwas kosten, aber auch dies sei allen Beteiligten, vom Stadtrat über den Gemeinderat bis zu den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern schon lange bekannt gewesen.

Erstellt: 03.10.2019, 15:36 Uhr

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