Ausgliedern

Das soll anders werden mit der Theater AG

Wenn das Theater Winterthur nicht mehr zur Stadtverwaltung gehört, werden Entscheidungswege kürzer, werden Firmen Anlässe sponsern, und die Qualität bleibt so hoch wie heute. Das sind die Versprechen, die es einzulösen gilt.

Das Gebäude und dessen Unterhalt bleiben der Stadt, der Theaterbetrieb mit allen Angestellten geht an eine Aktiengesellschaft über.

Das Gebäude und dessen Unterhalt bleiben der Stadt, der Theaterbetrieb mit allen Angestellten geht an eine Aktiengesellschaft über. Bild: Marc Dahinden

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Glaubt man den Worten von Stadtpräsident Michael Künzle und Theaterleiter René Munz, führt kein Weg an dieser Ausgliederung des Theaters aus der Stadtverwaltung vorbei. Eine extern in Auftrag gegebene Betriebsanalyse habe gezeigt, sagten die zwei, dass der Status Quo zu einem Qualitätsabbau und letztlich auch zu einem grossen Publikumsverlust führen werde.

Das Ziel der Theater Winterthur AG aber sei: Die Qualität so hoch zu halten wie sie ist, und nach dem Programm-Abbau in den Sparjahren in Zukunft wieder mehr Publikum anzulocken.

Weshalb eine neue Organisationsform? Und was bedeutet dies für den Theaterbetrieb, das Publikum und den Steuerzahler? Wir haben Theaterdirektor René Munz die vier wichtigsten Fragen gestellt. Video: huy

Hinter den Kulissen wird sich vieles ändern, wenn das Theater eine AG ist – so zumindest das Versprechen und die Hoffnung.

Mehr Geld zur Verfügung

Die Entscheidungswege werden kürzer, Entscheide fallen schneller. Ein kompetenter Verwaltungsrat unterstützt die Direktion in der Strategie des Hauses. Das Theater kommt besser als heute an Firmen und Stiftungen ran, die als Sponsoren und Geldgeber spezielle Projekte ermöglichen werden.

Die Personalplanung und die Jahresrechnung können dem Theaterbetrieb angepasst werden: Hochsaison im Winter, wenig los im Sommer während der Theaterpause. Und, nicht unwesentlich: Das Theater könnte Geld zur Seite legen, wenns mal gut läuft, und dieses dann in schlechteren Tagen einsetzen.

«Wir werden diesen Prozess kritisch begleiten»Aus einer Stellungnahme der SP Winterthur

Gewinne abschöpfen aber ist nicht möglich: Die Theater AG wird gemeinnützig sein; und wer ihr etwas spendet, kann das in der Steuererklärung abziehen.

Wenn das Theater mehr Einnahmen erzielt, heisst das nicht, dass die Stadt entsprechend weniger zahlen muss. Im Gegenteil: Der jetzt vorliegende Antrag geht von einem jährlichen Subventionsbetrag von 4,25 Millionen Franken aus; das sind 400 000 Franken mehr, als das Theater die Stadt bis anhin gekostet hat.

Zudem bleiben das Gebäude und dessen Unterhalt bei der Stadt. Das Theater muss keine Miete zahlen.

Autos und Pralinés im Foyer

Erste Erfahrungen mit Sponsoring hat das Theater schon in seiner heutigen Form gemacht: Es seien schon Autos im Foyer gestanden, sagte Stadtpräsdent Künzle, und kürzlich wurde die Aufführung einer kubanischen Tanzkompanie von einem Praliné-Hersteller unterstützt, der so seine neue Kuba-Linie bewarb.

Sponsoring und Fundraising seien sehr arbeitsintensiv, doch ohne komme man heute nicht mehr über die Runden, sagten die Theaterleute an der Medienorientierung. Sie liessen keine Zweifel offen: Wenn Winterthur die heutige Qualität halten will, brauchts mehr (privates) Geld.

Bei den Parteien kommt der Antrag generell gut an, wie aus ersten Stellungnahmen hervorgeht. Die Grünliberalen begrüssen die Ausgliederung ohne Wenn und Aber. Auch Felix Helg (FDP), der schon 2007 und dann 2012 an Vorstössen zur Verselbstsändigung beteiligt war, freut sich, dass diese nun näher rückt.

SP: Ja mit Bedingungen

Die SP, die Privatisierungen stets skeptisch gegenüber steht, schreibt im Communiqué, man werde auch diesen Prozess «kritisch begleiten».

Die Qualität des Theaters müsse hoch bleiben, die Anstellungsbedingungen dürften nicht schlechter werden, und die Gemeinnützigkeit der Theater AG müsse garantiert sein. Lieber als eine Theater AG hätte die SP eine Genossenschaft gesehen.

Wie gehts nun weiter? Ziemlich rasant. Schon im Herbst soll der Gemeinderat das Geschäft behandeln, damit im Februar 2019 die Volksabstimmung stattfinden kann. Im Frühling würde die AG gegründet, deren erste Saison begänne im September 2019.

(Der Landbote)

Erstellt: 05.07.2018, 17:50 Uhr

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