Kundgebung

Das wollen die jungen Klimademonstranten

Am Samstag nächste Woche finden schweizweit Klima-Demonstrationen statt – erstmals auch in Winterthur. «Wir sind nicht mehr nur Schüler», sagen die Organisatoren. Sie hoffen auf Tausende Teilnehmer.

«Klimagerechtigkeit», dringend gefordert: Jugendliche malen im alten Busdepot Transparente für den 6. April.
Video: Enzo Lopardo / Michael Graf

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Schülerstreiks fürs Klima lockten im Februar und März Zehntausende auf die Strasse. In 25 Städten wurde demonstriert. In Winterthur blieb es bisher allerdings ruhig. Das ändert sich gerade. Für den Samstag, 6. April, ist auch in Winterthur eine grosse Kundgebung angekündigt.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Im alten Busdepot Deutweg, wo bis vor wenigen Wochen noch die Holzhäuser der provisorischen Asylunterkunft standen, knien am Mittwochabend ein knappes Dutzend junge Frauen und Männer über ihren Transparenten. «Climate Justice», Klimagerechtigkeit, steht da in fetten Lettern, oder: «Wenige zerstören das Zuhause von uns allen».

«Viel Hoffnung in der Luft»

Die Transparente sollen am übernächsten Samstag auf dem Neumarkt geschwenkt und für andere Aktionen genutzt werden sollen. «Eigentlich hätte man schon vor zehn oder zwanzig Jahren auf die Strasse gehen sollen», findet Moritz Brander, der den Ort für die Malaktion organisiert hat. «Aber da war ich noch zu jung.»

Er ist 20, hat die Matur in der Tasche und fängt demnächst den Zivildienst an. Andere, die mitmachen, sind noch jünger. Ilenia Scaramuzza ist 17 und geht an die Kantonsschule Rychenberg, Sina Schmidberger ist ebenfalls 17 und macht eine KV-Lehre bei der Suva. «Der Zusammenhalt ist toll», sagt sie. «Es ist so viel Hoffnung in der Luft, dass wir hier Grosses bewirken können.» Wie viele Teilnehmer erwarten die jungen Winterthurer? «1500», schätzt Moritz. «Ach was, mindestens dreimal so viele!», tönt es aus der Runde.

Organisation via Telegram

Organisiert haben sich die jungen Leute über einen Gruppenchat in den Nachrichtendiensten Whatsapp und Telegram. Ursprünglich wurde er vor allem benutzt, um die Anreise zu den Demonstrationen in Zürich zu koordinieren, doch allen sei klar gewesen, dass Winterthur eigene Kundgebungen braucht. 30 bis 40 Leute sind in der Kerngruppe, die sich mehrfach zu Sitzungen getroffen hat. Entschieden wird dort basisdemokratisch. Heisst: Es gibt keine Anführer, man muss sich einigen.

«Nicht nur Gymnasiasten»

Einer der aktivsten Teilnehmer ist Caesar Anderegg. Der 26-jährige Winterthurer studiert in Zürich politische Philosophie und organisierte dort Hochschul-Protestgruppen. Er sagt: «Wir erleben derzeit eine wichtige Öffnung. Es sind nicht mehr nur Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, etwa die Hälfte des Kernteams sind Lehrlinge und Berufsleute.»

Die Forderungen der Winterthurer Demonstranten sind die gleichen, die die Klimastreik-Bewegung national lanciert hat: Städte sollen den Klimanotstand ausrufen, das Ziel von null Emissionen bis 2030 anstreben, Umweltschäden nicht einfach in Drittweltländer auslagern (Klimagerechtigkeit) und über einen Systemwandel nachdenken. Wie genau dieser aussieht, bleibt offen. Am Samstag nächste Woche liegt der Fokus auf der Klimagerechtigkeit: Der individuelle Verzicht, etwa auf Fleisch und Flugreisen, sei wichtig, reiche allein aber nicht, sagt Anderegg. «Allein der Finanzplatz Schweiz verursacht mit seinen Investments 20-mal mehr C02 als die gesamte Schweiz.» Es brauche strukturelle Veränderungen und griffige Massnahmen.

Konzerte auf dem Neumarkt

Logos von Parteien und Umweltorganisationen sind an der Demo Tabu – die Organisatoren wollen ihre Bewegung nicht vereinnahmen lassen. Ansonsten sei jeder willkommen, jung und alt, sagt Anderegg. Im Anschluss an die Kundgebung um 14 Uhr hat das OK-Team auf dem Neumarkt ein Open-Air-Konzert mit sechs Bands auf die Beine gestellt. (Landbote)

Erstellt: 28.03.2019, 15:37 Uhr

Artikel zum Thema

«Yeah! Klimastreik»

Winterthur Bald findet auch in Winterthur eine Klima-Demo statt. Für die städtisch finanzierte Jugendinfo gibt es fast kein anderes Thema mehr. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!