Traglufthalle

Déjà-vu für den Schwimmklub

Zwei Niederlagen seien genug, sagt der Schwimmclub Winterthur. Nach der deutlichen Ablehnung der Traglufthalle will er kein weiteres Projekt mehr lancieren. Sportvereinen fehle der Support der Gesellschaft.

Der Schwimmclub will kein Hallenbadprojekt mehr lancieren, man habe keine Energie mehr.

Der Schwimmclub will kein Hallenbadprojekt mehr lancieren, man habe keine Energie mehr. Bild: skl

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Sie bedauere das klare Nein zur Traglufthalle und sei traurig, sagt Yvonne Del Castillo vom Schwimmclub Winterthur. Geschockt habe sie das deutliche Resultat aber nicht. Die Ausgangslage sei sehr schwierig gewesen, mit dem Stadtrat und diversen Parteien auf der Gegenseite. «Wir mussten mit einer Niederlage rechnen», sagt Del Castillo. Bei der Abstimmung über das Cabriodach 2012 habe es ja trotz der Unterstützung des Stadtrates und aller Gemeinderatsparteien auch nicht für ein Ja gereicht.

«Einst galt Winterthur als Bäderstadt»

Besonders schade sei das Nein darum, weil Winterthur einst als Bäderstadt gegolten habe und sowohl bei den Frei- wie auch bei den Hallenbädern Pionierin gewesen sei, sagt del Castillo, die im SC Winterthur für die Kommunikation zuständig ist. Nun liefen Winterthur Städte wie Uster oder Schaffhausen den Rang ab. «Es ist unverständlich, dass es ringsum kein Problem ist, eine Traglufthalle aufzustellen und es in Winterthur einigen gut organisierten Anwohnern gelingt, gleich zwei gute Projekte zu bodigen.»

«Wir haben uns schliesslich gegen ein direktes Engagement entschieden, weil wir sehr viel Angriffsfläche geboten hätten»Yvonne De Castillo

Der Abstimmungskampf sei schwierig gewesen, sagt Del Castillo. «Ich habe viele Nein-Stimmen gehört», sagt sie. Ästhetische Gründe, die Ökologie und die Kosten seien gegen die Traglufthalle angeführt worden und viele Winterthurerinnen und Winterthurer hätten ihre Hoffnung auf ein zweites Hallenbad geäussert. Umgekehrt seien die Argumente pro Traglufthalle nicht einfach zu vermitteln gewesen. Dass die Öffentlichkeit von der Halle ebenso hätte profitieren können, wie die der Schwimmclub und die Schwimmschulen sei wohl vielen Stimmberechtigten nicht klar gewesen. «Wir hätten in der Traglufthalle trainiert und im Hallenbad wäre so Platz frei geworden.»

Bewusst gegen ein direktes Engagement entschieden

Der SC Winterthur habe sich genau überlegt, ob er sich als Verein stärker für die Traglufthalle einsetzen solle, sagt Del Castillo. «Wir haben uns schliesslich gegen ein direktes Engagement entschieden, weil wir sehr viel Angriffsfläche geboten hätten». In der Bevölkerung sei das Gefühl, von einer Traglufthalle würden nur die Vereine profitieren, auch ohne persönlichen Einsatz von Sportlerinnen und Sportlern stark verankert gewesen. Der SCW habe sich deshalb entschieden, für die Traglufthalle via Trägerverein zu kämpfen.

Möglicherweise gebe es in Winterthur nicht so viele Schwimmerinnen und Schwimmer, denen Platz im Hallenbad fehle, räumt Del Castillo ein. «Mehr Platz im Hallenbad fordert man erst, wenn man selbst anbrennt», sagt sie. Das Anliegen werde dann dringend, wenn etwa das eigene Kind auf einen Platz in der Schwimmschule warten müsse. Ganz allgemein findet Del Castillo, es fehle den Sportvereinen oft der Support der Gesellschaft. «Sport wird doch präventiv gegen Sucht und Drogen und fördert das soziale Leben», sagt sie.

SC Winterthur kann nicht weiter wachsen

Das Nein zur Traglufthalle werde den SC Winterthur in seiner Entwicklung einschränken, sagt Del Castillo. Schon heute spielten die jüngsten Wasserballer Meisterschaftsspiele abends teilweise bis um 22 Uhr. Und Schwimmen werde morgens schon vor der Schule trainiert. «Als Verein weiter zu wachsen, wird sehr schwierig.»

Dennoch werde der Schwimmclub sicher kein weitere Schwimmbadprojekt mehr lancieren, sagt Del Castillo. Dafür fehlen dem Verein die Kapazität. «Nun ist die Politik gefragt.» An den schnellen Bau eines zweiten Hallenbades glaubt sie trotz der breiten Unterstützung einer entsprechenden Motion im Gemeinderat nicht. Auch ein neues Hallenbad sei wenig ökologisch, das Geld werde auch in Zukunft knapp sein und Anwohnerinnen und Anwohner, die sich gegen Veränderungen in ihrer Umgebung wehrten, gebe es überall.

Ein Hallenbad für die Enkelinnen und Enkel

«Selbst wenn der Stadtrat morgen mit der Planung eines zweiten Hallenbades beginnen würde, geht es 15 bis 20 Jahre, bis es gebaut wäre» sagt Del Castillo. In einem zweiten Hallenbad werde sie wahrscheinlich erst mit ihren Enkeln baden.

Erstellt: 21.10.2019, 16:01 Uhr

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