Winterthur

Denkmal ohne Tor gefeiert

3000 gut gelaunte Zuschauer bemühten sich zum Abschied des altgedienten Stürmers Patrick Bengondo. Aber die Mannschaft des FCW war nicht fähig, den Fans auch nur ein Tor zu bieten. Sie beendete den Match gegen den FC Chiasso mit einem 0:0 und auf Platz 6.

Ein emotionaler Abschied:Die langjährige FCW-Teamstütze Patrick Bengondo wird von seinen Mitspielern gefeiert.

Ein emotionaler Abschied:Die langjährige FCW-Teamstütze Patrick Bengondo wird von seinen Mitspielern gefeiert. Bild: Manuel Geisser

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Die – wenigen – sportlichen Konsequenzen dieses letzten Saisonspiels auf der Schützenwiese sind rasch festgestellt: Der FCW hat es in dieser Rückrunde geschafft, drei Plätze zu verlieren und nur Sechster der Challenge League zu werden. Statt mindestens Fünfter, was den Spielern doch noch ein paar Tausend Franken an Erfolgsprämien eingetragen hätte. Das 0:0 gegen Chiasso war dafür nicht der entscheidende Faktor der letzten Runde. Weil der FC Schaffhausen in Aarau 3:1 siegte, hätte dem FCW auch ein «Dreier» nicht geholfen. Zum zweiten wird FCW-Torhüter Matthias Minder die neue Saison nicht im Tor, sondern neben dem Platz beginnen – ob er nun weiterhin für den FCW wirkt oder, was eine Variante ist, ausgeliehen wird. Er ist nach seinem Platzverweis kurz vor Schluss gesperrt.

Der letzte Aufreger

Diese Szene in der 88. Minute war der grosse Aufreger des Spiels: Minder, der sich zum zweiten Mal in der Rückrunde zeigen durfte, war auf einen weiten Pass sehr forsch aus dem Tor geeilt – mit dem Selbstvertrauen eines Mannes, dem bis dahin die wenigen Aktionen, die er zu bieten hatte, gelungen waren. Einmal auch souverän gegen den alleine vor ihm aufgetauchten Sergio Cortelezzi. Diesmal aber erwischte Minder ein paar Meter ausserhalb des Strafraums zwar zuerst den Ball, aber dann auch Gegner Eldin Muharemi so hart, dass der vom Feld getragen werden musste – mit einer Schulterluxation, die womöglich einer Operation bedarf, und einer Hirnerschütterung. Minder sah Rot, ins Tor ging Sandro Foschini, an diesem Abend eigentlich Rechtsverteidiger.

Foschini, nicht einer der Grössten im FCW-Aufgebot, wartete also nach ein paar Minuten für die Bergung des unglücklichen Muharemi, zwischen den Torpfosten auf den Freistoss. Der war dann so schwach – flach und überhaupt nicht scharf – geschossen, dass Foschini den Ball mühelos fangen konnte. In den sechs Minuten der Nachspielzeit flogen noch zwei Eckbälle durch seinen Strafraum, völlig ungefährlich. Foschinis Shoutout war ungefährdet.

«Bengo» – nur ein Pass

Bis zu dieser ungewöhnlichen Endphase hatte weit im Vordergrund des Anlasses gestanden, ob es dem FCW gelingen würde, den Abschied seines «Denkmals» Bengondo wenigstens mit einem Tor anzureichern – im Idealfall natürlich von «Bengo» selbst. Aber dazu war die Mannschaft nicht fähig, und das war doch bedauerlich, wenn man die Bereitschaft so vieler Zuschauer sieht, sich auf die Schützenwiese zu begeben, obwohl die sportliche Bedeutung des Spiels und die Bilanz der Saison doch bescheiden war.

Aber die Winterthurer brachten nur ganz wenige Torszenen zustande – und Bengondo war nur an einer beteiligt. Mitte zweiter Halbzeit war er es, der einem Mitspieler auflegte. Das war Gianluca D’Angelo, aber der schoss dann aus knapp 20 Metern knapp daneben. Bis zu einer Torchance Bengondos gediehen die viel zu langatmigen, teils auch unpräzisen Angriffe des FCW nie. In der 77. Minute wurde er ein letztes Mal ausgewechselt. Eine halbe Ehrenrunde war Teil seiner Verabschiedung. Vor dem Match war er von der Vereinsführung speziell verabschiedet worden, zusammen mit dem langjährigen Technischen Leiter Pascal Humbel. Die andern, die letztmals für den FCW auftraten, mussten sich mit einem mündlichen Servus bescheiden.

Claudio Holenstein ab der 60. und Musa Araz ab der 67. Minute durften sich dann auch noch spielend vom FCW verabschieden, eingwechselt wie João Paiva, der für Bengondo kam, dem FCW aber wohl erhalten bleibt. Holenstein hatte dann, obwohl er vorher keinen Ball traf, in der letzten Aktion, am Ende der 96. Minute, gar noch die Gelegenheit, den FCW die Saison mit einem Sieg beenden zu lassen. Er kam aus günstigster Position zum Schuss. Aber Andrea Guatelli, der FCZ-Veteran im Tor Chiassos, hielt den Ball absolut mühelos.

Die Tessiner haben sich das Pünktchen ja auch verdient. Cortelezzi hatte zwei, drei erstklassige Gelegenheiten. Gleich nach der Pause dribbelte er sich durch die gesamte Abwehr, aber dann traf er den auf der Torlinie stehenden Dennis Iapichino. Später schoss er übers Tor, als er alleine auf Minder hatte zulaufen dürfen. Und was die Winterthurer Bemühungen bis zu Holensteins letztem Schüsschen betrifft: Da ist eigentlich einzig der Kopfball Sead Hajrovics nach 20 Minuten zu erwähnen. Der Innenverteidiger traf mit dem Kopf nur den Pfosten; er hat jetzt zwei FCW-Jahre ohne Tor hinter sich.

Mit «Bengos» Autogrammen bei der Libero-Bar und einem Essen der Mannschaft ging die Saison für den FCW zu Ende. Den durchzogenen Gesamteindruck hätte er auch mit einem Sieg nicht korrigieren können, aber ein besserer Auftritt wäre dem grossen Publikum doch zu gönnen gewesen.

Was zu den Personalien noch zu sagen wäre: Thomas Binggeli bleibt Assistent des Cheftrainers Sven Christ; der Thuner Mittelfeldspieler Nicolas Sutter, Sohn von René und Neffe von Alain, wird wohl als zweiter Neuer nach Kreso Ljubicic kommen. Von einer Rückkehr des Verteidigers Pascal Thrier muss der FCW dagegen absehen; Thrier bleibt in St. Gallen. «Bengo» übrigens sieht seine Zukunft in der Challenge League. ()

Erstellt: 27.05.2016, 23:40 Uhr

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