FCW

Der FCW verstärkt sich mit einem «Gamer»

Rico Hölzel heisst der überraschendste Neuzugang des FCW in dieser Saison. Der 27-Jährige stellt ein ganzes Fussballteam. Er vertritt den FCW im E-Sport, sprich auf dem digitalen Fussballrasen.

Rico Hölzel alias Ricone läuft in der Online-Fussballsimulation «Fifa» ab sofort für den FC Winterthur auf – seinen Herzensclub.

Rico Hölzel alias Ricone läuft in der Online-Fussballsimulation «Fifa» ab sofort für den FC Winterthur auf – seinen Herzensclub. Bild: Olaf Brachem

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«Etwas Gegenwind von den Fans wird es sicher geben», sagt Rico Hölzel alias «Ricone», behält aber seine Zuversicht. Am Montag wurde der 27-Jährige als jüngster Neuzugang des FCW vorgestellt. Es ist die Überraschung der Saison, den Mittelfeldspieler des Drittligisten FC Embrach hatte niemand auf dem Zettel. Rico Hölzel verstärkt allerdings nicht die erste Mannschaft, sondern stellt ein komplettes Team. Er startet als erster Gamer überhaupt im Namen des FC Winterthur an Turnieren der Fussballsimulation «Fifa».

Umfrage

Der FC Winterthur steigt in die E-Sports-Branche ein. Der Club verpflichtet den FIFA-Spieler Rico Hölzel, der den FCW an Online-Turnieren vertreten soll. Da stellt sich die Frage: Ist das Sport?

Natürlich: Hopp virtueller FCW!!!

 
19.0%

Nein: Da sitzt man ja nur rum.

 
51.7%

Wenn er nebenbei jongliert, dann ja.

 
29.3%

58 Stimmen


Der FCW springt damit nach Super-League-Clubs wie dem FC St. Gallen und dem FC Basel auf den E-Sport-Trend auf. Was vor ein paar Jahren Liebhaberei war, hat sich unterdessen zu einem globalen Massenmarkt gewandelt. Jüngere Schätzungen sprechen von 200 Millionen Menschen weltweit, die regelmässig E-Sport-Übertragungen verfolgen. An Turnieren der Strategiespiele «Dota 2» oder «Fortnite Battle Royale» sind Preisgelder in zweistelliger Millionenhöhe ausgelobt. Dagegen ist die Fifa-Szene fast bescheiden. Der 18-jährige Saudi Aldossary Mosaad, der den letzten Fifa-Weltmeistertitel gewonnen hat, nahm 250 000 Dollar Preisgeld mit.

Der Club der Vielfalt

Für den FCW spielt Rico Hölzel unentgeltlich. Gewinnt er, muss er von seinem Preisgeld sogar etwas an den Club abgeben. Dieser finanzielle Aspekt sei aber natürlich nicht der Grund, warum sich der FCW auf das Experiment E-Sport eingelassen habe, sagt Geschäftsführer Andreas Mösli. «Es ist für uns ein Instrument, um mit den Jungen in Kontakt zu bleiben und am Puls der Zeit zu sein.»

So präsentiert sich Rico Hölzel auf dem virtuellen Rasen. Video: Ricone via Facebook

Der virtuelle FCW-Spieler Hölzel ist für Mösli Teil derDiversifizierungsstrategie seines Vereins, genauso wie das Frauenteam oder der FC Brühlgut. «Ich weiss nicht, wie sich das entwickelt und wo die E-Sport-Szene in fünf Jahren ist», sagt Mösli,der selbst nie zur Spielekonsole greift. «Aber es kann nur Vorteile haben, wenn wir dabei sind.» Wichtig sei ihm dabei gewesen, nicht mit irgendjemandem zusammenzuarbeiten. «Es musste ein echter FCW-Fan sein, jemand aus dem Publikum, der seit Jahren an die Spiele kommt», sagt Mösli. «Für die grossen Vereine ist E-Sport ein reines Marketing-Tool und ein Geschäft.» Beim FCW, so die Idee, soll auch derdigitale Fussball um ein paar Schuhnummern echter sein.

Spielanalysen und Fanpflege

Rico Hölzel spielt selbst Fussball, auch auf dem echten Rasen. Und das schon sehr lange. Der Deutsche war Junior bei Energie Cottbus, bis zur U-17, dann zog er in die Schweiz. Heute lebt er in Rorbas, läuft für den FC Embrach auf, wenn er «nicht gerade verletzt ist», und besucht FCW-Spiele, «wann immer es die Zeit zulässt». Mit E-Sport beschäftige sich Hölzel seit zwei Jahren intensiv. Davor habe er einfach gegen Freunde gespielt. Rund zehn Stunden trainiert er pro Woche. Dazu komme die Zeit für Analysen. «Ich zeichne meine Spiele auf, je nach Bedarf schaue ich nach, was ich falsch gemacht habe und möglichst abstellen sollte.» Auch die sozialen Medien brauchen Zeit. Wie in der Szene üblich, hat Hölzel einen Auftritt bei Facebook, Twitter und Instagram. Seine Spiele kann man online live verfolgen und bei einem Einwurf oder Freistoss auch mal ein Wort mit ihm wechseln.

«E-Sports ist für uns ein Instrument, um mit den Jungen in Kontakt zu bleiben und am Puls der Zeit zu sein.»Andreas Mösli,
Geschäftsführer FCW

Nächstes Jahr will Hölzel für den FCW in der Qualifikation für die Weltmeisterschaften mitspielen. Mit 27 Jahren sei er einer der Älteren im Feld, sagt Hölzel. «Aber das ist das Schöne im E-Sport, man ist von 0 auf 100 in kürzester Zeit.» Mit seinem Engagement beim FCW will er den E-Sport fördern, wie er sagt. So soll es vor den Spielen der 1. Mannschaft Möglichkeiten geben, gegen Hölzel anzutreten. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit mischt Hölzel mit. Diesen Donnerstag tritt der E-Sportler mit dem FCW-Captain Davide Callà in der Talk-Sendung von Tele Top auf.

Er wolle am Vereinsleben teilnehmen und die Leute abholen, sagt Hölzel, auch die Skeptiker. Davon gibt es einige, wie Kommentare auf den sozialen Medien am Montag dokumentierten. Viele sind aber auch neugierig auf den neuen Mann beim FCW.

Erstellt: 20.11.2018, 08:21 Uhr

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